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Mehr als 200 Teilnehmer machen mit beim "Stillen Zug" von der Burg über die Kaiserstraße bis zum Stadtkirchenplatz. (Foto: lod)

Friedensfest

"Imagine Peace" Friedberg feiert Frieden

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  • Harald Schuchardt
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In Zeiten heftiger Konflikte in vielen Regionen der Erde haben am Samstag zahlreiche Menschen unter dem Motto "Imagine Peace Friedberg" ein Zeichen für den Frieden gesetzt.

Die weiße Taube ist das Friedenssymbol schlechthin. Zwölf dieser Vögel des Wiesbadener Züchters Christian Krey starteten am Samstagvormittag vom Friedberger Stadtkirchenplatz aus in den blauen Himmel – als eine von vielen Aktionen des "Imagine Peace Day Friedberg". Zentraler Anlaufpunkt des ganztägigen Friedensfestes war der Stadtkirchenplatz. Dorthin war am Vormittag ein "Stiller Zug" mit über 200 Teilnehmern von der Burg über die Kaiserstraße gezogen, angeführt von den "Chef-Organisatoren" Susanne Polak und Wolfgang Dittrich sowie Bürgermeister Dirk Antkowiak und Stadträtin Dr. Tilia Nurus aus der portugiesischen Partnerstadt Entroncamento.

         Ganz im Zeichen der Friedensaktion stand die samstägliche "Atempause" in der Stadtkirche, wo die Ausstellung "Frieden geht – anders" des Zentrums Ökumene besucht werden konnte. "Angst schränkt ein, aber Liebe befreit" sagte Pfarrerin Susanne Domnick in ihrer Ansprache.

Gegen Waffen, für Frauenrechte

Gemeinsam eröffneten Antkowiak und Polak anschließend das Friedensfest. Der Bürgermeister lobte die Initiative, "die wir als Stadt gerne unterstützen". Als erster unterzeichnete er die von Dittrich und Pfarrer Peter Noss vorgetragene Friedberger Friedenserklärung. Ein interreligiöses Gebet mit Teilnehmern verschiedener Glaubensrichtungen gehörte ebenso zum Programm wie Grußworte der Ersten Kreisbeigeordneten Stephanie Becker-Bösch und von Marco Schwab von der Naturjugend Wetterau.

Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen nur nach ihrem ökonomischen Wert berechnet werden

Heidemarie Wieczorek-Zeul

Ein Höhepunkt des Tages war der Besuch der ehemaligen Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, die sich vor ihrem Auftritt viel Zeit nahm, um über den bunten Markt auf dem Platz zu schlendern. Immer wieder unterhielt sie sich mit Vertretern der Gruppen wie der Antifa Wetterau, des Umsonstladens, des Anti-Atom-Bündnisses "Querstellen" oder des Internationalen Zentrums. An den Ständen der alevitischen Gemeinde und des kurdischen Kulturkreises probierte sie Köstlichkeiten.

Die SPD-Politikerin begann ihre Rede mit einem Lob für die Aktion: "Eine Initiative wie heute ist wunderbar." Das Thema Gerechtigkeit begleite sie bereits ihr ganzes Leben, sagte Wieczorek-Zeul, die unter anderem eine Wende in der Flüchtlingspolitik und einen Stopp von Waffenexporten nach Saudi-Arabien forderte. "Wir leben in einer Welt der Unordnung. Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen nur nach ihrem ökonomischen Wert berechnet werden, ganz ohne Menschlichkeit und ohne Menschenrechte. Die Rechte der Frauen sind unantastbar."

Das IPF-Shirt, das Dittrich der Gastrednerin samt Blumen überreichte, zog Wieczorek-Zeul sofort an, ebenso wie Becker-Bösch. Die gesamte Kundgebung wurde von den Gebärdendolmetscherinnen Kathrin Enders und Katrin Dean übersetzt.

Martin Schnur und Sängerin Nicky alias "Wild im Wald" gestalteten das Kulturprogramm. Nicky hatte bereits am Abend zuvor das "Aufwärmkonzert" im Theater Altes Hallenbad bestritten (Bericht dazu folgt). Mit dabei waren ferner der Chor "Links spielt die Musik", Liedermacher Di Mari, der Poetry Slam Wetterau und die Trommelgruppe Vamos Lá. Zusammen mit Mitgliedern des kurdischen Kulturvereins tanzten die Besucher zum Finale gemeinsam.

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Weitere Aktionen für den Frieden

An verschiedenen Orten in der Stadt fanden am Samstagnachmittag bei "Imagine Peace Friedberg" viele Aktionen statt, darunter ein sehr gut besuchtes "Bed-In" bei "Betten-Decher". Nach der Einstimmung durch die Sambagruppe Vamos Lá vor dem Geschäft sang Martin Schnur, in einem Bett liegend und begleitet von Trommler Peter Mahla, "Give Peace a Chance" und John Lennons "Imagine" mit eigenem deutschen Text. In der Stadtkirche wurden universelle Friedenstänze angeboten. Im Fünf-Finger-Treff in der östlichen Altstadt wurden Motive für die Trafo-Station in der Museumsgasse vorgestellt. Davor konnten Kinder und Erwachsene an der Mal-Aktion unter dem Motto "Liebe ist stärker als der Tod" von Simone Pachl teilnehmen. Im Frauenzentrum fand eine Lesung zum Thema Frieden statt. Im Roten Laden in der Usagasse wurden Friedensgespräche mit Willi van Ooyen, Friedensaktivist und ehemaliger Abgeordneter der Linken im Hessischen Landtag, angeboten. Die Evangelische Familienbildung lud gemeinsam mit der Bahai-Gemeinde zum Malen einer Weltkugel ein. Weitere Aktionen waren "Universelle Gebärden des Friedens", Schamanische Rituale und Mantra-Singen. (har)

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