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Einen fiktiven Wahlkampf liefern sich (oben, v.l.) Lara Göhlert, Oli Becker, Lisa Brunotte und Sören Wildenhain.

»Tag der Demokratie«

Im Junity: Bewegende Erzählung von dramatischer Flucht

  • VonHarald Schuchardt
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Wie viele Facetten Demokratie haben kann, wurde beim »Tag der offenen Demokratie« in Friedberg deutlich. Die »Partnerschaft für Demokratie Wetterau« bot Kunstaktionen, Gespräche und Musik.

Den ganzen Freitag über präsentierten im Junity Friedberg unterschiedliche Gruppen ihre Arbeit zum Thema Demokratie und Freiheit.Den »Tag der Demokratie« organisiert hatte Cornelia Wenk vom Wetteraukreis. Deren Ziel war es, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und untereinander auszutauschen. »Wir haben heute sehr gut genetzwerkt«, zog Wenk ein positives Fazit.

Wer auf das Gelände kam, geriet am Eingang in eine heftigen Wahlkampfdebatte zwischen Anhängern der fiktiven Parteien »Wähle jetzt ein besseres Europa« und den Nationalisten von »Für ein weiterhin entspanntes Deutschland.« Es handelte sich um eine Kunstaktion des Open-Mind-Ensembles aus Karben. »Einige Besucher haben sich eingemischt und mitgemacht«, freute sich Oli Becker, der zusammen mit Lisa Brunotte, Lara Göhlert und Sören Wildenhain für die wilde Performance verantwortlich war.

Ausstellung gegen Rassismus

Ruhiger ging es im Junity zu. Hier stellten Gruppen ihre Arbeit vor, etwa die Gesamtschule Konradsdorf, die unter anderem über Gedenkstättenarbeit informierte. Eine Umfrage des Kreisschülerrats ergab, dass sich altersunabhängig nahezu alle von der Politik nicht ernst genommen fühlen.

Die Bad Nauheimer Arbeitsgemeinschaft »Für Respekt gegen Rassismus« präsentierte ihre brandneue Ausstellung »Was Hände erzählen.« Beim Demokratie-Quiz der FAB (Frauen - Arbeit - Bildung) konnten die Besucher kleine Preise gewinnen. Die FAB gestaltete einen Teil des Programms auf der Freiluft-Bühne. Mitarbeiterin Katja van Zoost führte Gespräche mit geflüchteten Frauen, wie den Schwestern Fatma und Duaa, die vor sechs Jahren ihre Heimat Syrien verlassen haben.

Poetry Slamer und ein Songwriter

»Ich wohnte im sechsten Stock eines Hauses, im vierten schlug eine Bombe ein, die nicht explodierte. Da wussten wir, dass wir weg mussten«, erzählte Duaa, die mit Mann, zwei Töchtern sowie ihrer Schwester und deren vier Kindern die dramatische 14-tägige Flucht antrat. »Es ist nicht einfach, alles zu verlassen«, sagte Duaa, die - ebenso wie ihre Schwester - bei der FAB als Sprachmittlerin tätig ist. »Hier ist alles anders, doch was schön ist, das lernt man gerne. Es ist wie ein Traum«, so Duaa, die hofft, für ihre Familie bald eine sichere Aufenthaltsberechtigung zu erhalten, ebenso wie die Familie von Fatma.

Beide Frauen sind den vielen Deutschen, die ihnen geholfen haben, sehr dankbar. Duaa formuliert dies so: »Wir haben so viel von Deutschland bekommen. Jetzt will ich für Deutschland hilfreich sein.«

Am Abend stand Kultur auf dem Programm: Zunächst begeisterte Poetry-Slamer Dominik Rinkart aus Karben mit einem halben Dutzend Texten, wie über den Baum, der für Klimagerechtigkeit wirbt. Bei einem »Mit-mach-Text« über einen Griechen, der sich nicht entscheiden kann, entschieden die Besucher per Zuruf, wie die Geschichte weitergeht.

Obwohl Regen einsetzte, blieben die Besucher, um endlich wieder einmal Singer-Songwriter Yannick di Mari, Bassist Jörg Karl und Benjamin Berthold am Cajun live zu erleben. »Es ist fantastisch, wieder auf so einer großen Bühne zu stehen. Vielen Dank an die Organisation und für tolles Licht und Technik«, sagte Di Mari, der mit seinen »Klassikern« wie »Augen auf« oder »Hier und Jetzt« ebenso begeisterte wie mit dem neuen Song »Ein kleiner Schritt«.

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