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An den Ausgabetagen haben die Frauen und Männer in der Sortierung alle Hände voll zu tun.

Im Einsatz für rund 600 Familien

  • VonHarald Schuchardt
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Friedberg (har). Am Samstag, 2, Oktober, findet der vom Dachverband Deutscher Tafeln erstmals 2007 veranstaltete Deutsche Tafeltag statt. Er soll die Arbeit der aktuell 940 Tafeln in Deutschland der Öffentlichkeit präsentieren. Gleichzeitig soll die Politik verstärkt auf die Probleme der Tafelkunden aufmerksam gemacht werden.

Ein Anlass. sich bei der Friedberger Tafel über die dortige Situation zu erkundigen. Sie wurde vor 15 Jahren gegründet. »Seitdem hat sich vieles verändert«, sagt Vorsitzender Peter Radl, der zusammen mit Hannelore Finkernagel das Angebot in der Kreisstadt initiiert hat. Finkernagel ist heute Vorsitzende des Aufsichtsrats.

Begonnen hat es mit zwei Ausgabetagen für Bedürftige aus der Stadt. »Am ersten Tag kamen 30 Kunden, die Registrierung fand noch im Kreishaus statt«, erinnert sich Radl. Heute versorgt die Tafel an drei Ausgabetagen in der Woche rund 600 bedürftige Familien mit etwa 1500 Personen, darunter 400 Kinder und Jugendliche aus Friedberg, Bad Nauheim und weiteren sechs Kommunen.

Pro Ausgabetag 90 bis 100 Kunden

»An jedem Ausgabetag kommen zwischen 90 und 100 Kunden«, sagt Radl. Neue Kunden werden nur noch dienstagvormittags aufgenommen. Wer die entsprechenden Nachweise, beispielsweise über das Beziehen von Hartz IV, vorlegen kann, kommt zunächst auf eine Warteliste. Radl: »Wir sind derzeit randvoll, mehr können wir nicht leisten.« Das liege zum einen daran, dass die Bekanntheit der Tafeln in den letzten Jahren zugenommen habe, zum anderen aber auch an Auswirkungen politischer Beschlüsse in den zurückliegenden Jahren. »Die Altersarmut wird weiter stark zunehmen«, ist sich Radl sicher. Er verweist auf niedrige Renten, auf Inflation und den Anstieg bei Energiekosten und Mieten »Die Zahlungen für Bedürftige, wie der Mietzuschuss oder Hartz IV, sind dagegen kaum erhöht worden.« Das betreffe besonders Familien mit Kindern. »Die Kinder bleiben auf der Strecke.«

Gestiegen ist auch die Zahl der Flüchtlingsfamilien, die Kunden der Tafel sind, ebenso wie die der »Aufstocker«. Es handelt sich hierbei um Menschen, die zwar einer Tätigkeit nachgehen, deren Lohn aber unter dem Existenzminimum liegt und mit Zahlungen des Amtes aufgestockt wird.

Nach wie vor sind es um die 50 ehrenamtliche Helfer, die in den Bereichen Fahrdienst, Sortierung und Ausgabe sowie im Büro tätig sind. Unterstützt werden die Ehrenamtler unter anderem von Ein-Euro-Jobbern und »Buftis«, also Menschen, die im Bundesfreiwilligendienst tätig sind. Immer wieder kommen auch ehemalige Beamte von Post und Telekom zur Tafel, die bereits mit 55 Jahren in den Ruhestand gehen konnten, wenn sie in den ersten drei Ruhestandsjahren 1000 Stunden Arbeit im sozialen Bereich nachweisen können. Aktuell nutzt Silvia Oberdorfer dieses Angebot. »Das macht riesigen Spaß hier, und ich bleibe auch danach bei der Tafel«, sagt die Oppershofenerin, die zum Büroteam gehört.

Eines hat sich seit den Anfängen der Friedberger Tafel nicht geändert: Sie finanziert sich ausschließlich über Spenden und die »Münze«, also den Betrag von 2,50 Euro und 50 Cent für jede weitere Person im Haushalt, die jeder Tafelkunde bei seinem Einkauf alle zwei Wochen zahlt. »Wir haben viele Firmen, aber auch Privatpersonen, die uns seit Jahren unterstützen«, sagt Radl, der sich über jeden neuen Spender freut. Unterstützung gibt es auch von 40 Lebensmittelmärkten und Bäckereien, von denen die Tafel jede Woche Lebensmittel bezieht. »Wir sind darauf angewiesen.«

Tafel-Vorsitzender Peter Radl freut sich über das große Engagement von Silvia Oberdorfer.

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