IHK: »Dramatischer Existenzkampf«

  • vonRedaktion
    schließen

Wetteraukreis (pm). »Mit dem harten Lockdown ab Mittwoch werden viele Unternehmen an den Rand ihrer Existenz gedrängt«, schreibt die IHK-Gießen-Friedberg und kritisiert, dass es an einem Kompass mit einer validen Teststrategie, umfänglichen Studien oder einer genauen Datenbasis fehlt.

»Die erneute Schließung von Geschäften im Einzelhandel bedeutet für viele Unternehmen das endgültige Aus«, warnen Rainer Schwarz, Präsident der IHK Gießen-Friedberg, und Matthias Leder, Hauptgeschäftsführer der IHK. Es sei kaum nachvollziehbar, warum es nicht möglich war, aus dem ersten Lockdown eine wirkliche Strategie abzuleiten. »Ein solches Vorgehen hätte das, was nunmehr erneut beschlossen wurde, verhindern können.«

Entscheidungen von kurzer Dauer

Stattdessen habe es zuletzt immer wieder in kürzeren Abständen politische Entscheidungen gegeben, die zunächst von den Entscheidungsträgern als tragfähig erachtet wurden, aber nur eine kurze Überlebensdauer aufwiesen.

»Der Existenzkampf der Wirtschaft wird daher noch dramatischer. Die meisten Corona-Ansteckungen finden nicht im öffentlichen, sondern im privaten Umfeld statt. Die Orte mit dem höchsten Infektionsgeschehen sind Alten- und Pflegeheime, das private Umfeld, Krankenhäuser, Arbeitsplätze und Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen«, so die IHK. Es fehlten frühzeitige strategische Entscheidungen, die den Schutz von Alten- und Pflegeheimen durch eine besondere Teststrategie sichergestellt hätten. Weitere Versäumnisse seien das Fehlen von gesundem Pflegepersonal oder das Sicherstellen von Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder von Pflegepersonal.

Für die Unternehmen sei der erneute harte Lockdown aufgrund des »Zick-Zack-Kurses« schwerlich vorhersehbar gewesen. »Sie wurden bis zuletzt im Ungewissen gelassen und haben sich durch Einkäufe auf ein Weihnachtsgeschäft vorbereitet, das jetzt in der heißen Phase ausfällt«, kritisiert die IHK-Spitze weiter. Viel Ware werde jetzt schlichtweg ausgesondert, obwohl Einzelhandel und Gaststätten, Hotels oder Veranstalter große Summen in den Schutz vor Ansteckungen mit Covid-19 investiert haben.

»Auch wenn die Politik mit der Überbrückungshilfe III das Schlimmste verhindern will, sind die volkswirtschaftlichen Folgen eklatant. In Zahlen bedeutet dies, dass pro Lockdown-Monat weitere elf Milliarden Euro den Staatshaushalt belasten werden. Dabei kommen die Hilfen der ersten Pakete nur schleppend bei den Unternehmen an«, heißt es weiter in der Erklärung. Es sei nunmehr zu hoffen, dass die Politik im Januar valide Konzepte auf den Tisch lege, die dazu führen, den Lockdown »aufzutauen und den Menschen Perspektiven zu bieten«.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare