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Georgia Lori WZ-Mitarbeiterin

"Ich helfe in Haus und Garten"

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Wetteraukreis(geo). Die Corona-Krise stellt uns nicht nur vor gesundheitliche, sondern auch vor weitreichende gesellschaftliche Herausforderungen. Viele Menschen begegnen der Panik vor dem unsichtbaren Feind und der eigenen Angst mit solidarischem Handeln. Gegenseitige Hilfe und Unterstützung erhalten einen neuen Stellenwert und werden im Alltag zur Herausforderung. Auch im Leben von WZ-Mitarbeiterin Georgia Lori. Sie schreibt hier über ihren veränderten Alltag und darüber, wie sie einem 79-jährigen Büdinger in dieser Situation hilft:

Dinge, die ich für selbstverständlich gehalten habe, wie zu reisen, mich frei zu bewegen, durch Geschäfte zu bummeln und einzukaufen, soziale Kontakte zu pflegen und finanzielle Sicherheit zu haben, brechen plötzlich weg. So wie ich, überdenken viele Menschen ihr Leben jetzt neu, gehen andere Wege und einige fühlen sich Älteren und Notleidenden verbunden.

Ich selbst kümmere mich neben meiner täglichen Arbeit um einen 79-jährigen Rentner aus Büdingen, der, eingeschränkt durch sein Alter und gesundheitliche Probleme, zunehmend Hilfe im Haushalt und seinem 600 Quadratmeter großen Garten benötigt. Meine täglichen Hilfeleistungen beziehen sich auf den Einkauf von Waren im Supermarkt, Gartenarbeit, wie das Jäten von Unkraut, das Kehren der Hofeinfahrt und Straße, das Entsorgen von Müll und Pfandflaschen oder das Reinigen der Küche und die gelegentliche Zubereitung von Speisen." "Es gibt eine Sache, die ich alleine nicht so gut kann und Hilfe benötigen könnte", sagte der Mann vor Kurzem und öffnete die Türen seines Kleiderschranks. Wir sortierten gemeinsam die Kleidung aus, die abgetragen war oder nicht mehr passte. Wir verstauten diese in Säcken, und ich brachte sie zum nächsten DRK-Kleidercontainer. Eigentlich kommt einmal wöchentlich eine Reinemachefrau, die jedoch aufgrund der aktuellen Krise und der damit verbundenen Einschränkung sozialer Kontakte derzeit ihren Dienst nicht versieht. Deshalb übernehme ich auch teils Hausarbeiten, wie Abstauben oder Wischen.

"Diese Hilfeleistungen sind als höchst positiv zu bewerten und zeigen, dass die Menschen in Notsituationen nicht nur Hass und Böswilligkeit verbreiten, sondern zusammenstehen", sagt der 79-Jährige, der seinen Namen nicht nennen möchte. Die allgemeine Hysterie werde von ihm nicht geteilt.

Traurig sei er jedoch über die Leichtfertigkeit vieler Mitbürger, die wichtige Hinweise zur Einschränkung des lebensbedrohenden Virus ignorierten. Durch die Krise hat der Büdinger seine Leidenschaft zur Zubereitung von Speisen entdeckt: "Mit Freunden habe ich mich einmal wöchentlich zum Essen in wechselnden Restaurants getroffen. Nun koche ich selbst. Am liebsten esse ich Gemüsesuppe mit Rindfleisch. Der massive Verbrauch von Mehl und Nudeln ist jedoch nicht auf meine Kochkünste zurückzuführen", flachst der Rentner.

Und während ich Papierkörbe leere und Holzscheite für den Ofen vom Garten in das Haus trage, nutzt er die Zeit auf dem Balkon für das Studium von Geschichte und dem aktuellen weltpolitischen Geschehen. "Die ehrenamtliche Unterstützung erleichtert meinen Tagesablauf sehr.

Die nun im Frühling anstehende Gartenarbeit ist mit erheblicher körperlicher Mühe verbunden, die ich so nicht mehr leisten könnte", sagt der Mann, der alleine lebt. Solange es möglich ist, möchte er seine Selbstständigkeit behalten.

Um ihn dabei zu unterstützen, helfe ich ihm im Alltag. Da er aufgrund seines Alters zur Risikogruppe zählt und ich es für unverantwortlich halte, dass er selbst Einkäufe tätigt, erledige ich, ausgestattet mit Gummihandschuhen und dem nötigen Abstand zu anderen Supermarktkunden, diese Dinge. Immer wieder ermahne ich ihn, die Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten, sich die Hände zu waschen und beim Gespräch mit dem Nachbarn den Mindestabstand einzuhalten. Auch das gehört zur Fürsorge und Solidarität gegenüber Mitmenschen.

Die WZ sucht Einzelpersonen und private Initiativen, die aufgrund der aktuellen Krise Menschen in Not helfen, um über deren Motivation und Erfahrungen zu berichten. Melden können sich Personen, die Eltern unter die Arme greifen, die eine Betreuung für ihre Kinder suchen, weil sie selbst arbeiten müssen und die Großeltern nicht in Anspruch nehmen können. Oder auch Personen, die ältere Menschen beim Einkauf unterstützen oder im Haushalt, Personen, die Jugendlichen bei der Hausaufgabenbetreuung helfen, sich unterstützend im Gesundheitsbereich betätigen, als Saisonarbeiter oder nur aufmunternd mit guten Worten oder Ideen. Wir stellen diese "Krisen-Engel" vor.

Wenn Sie Teil unserer Serie sein möchten, bitte schreiben Sie uns redaktion@wetterauer-zeitung.de oder Telefon 0 60 32/94 25 31. Melden Sie sich, erzählen Sie uns Ihre persönliche Geschichte! Wir besuchen Sie gerne unter Einhaltung der Vorsichtsmaßnahmen oder setzen uns mit Ihnen telefonisch in Kontakt. Auch ein Gespräch über den Gartenzaun mit dem dafür notwendigen Abstand ist möglich. geo

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