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Eigentlich anders geplant: Die Sopranistinnen Esther Hock und Cornelia Haslbauer, Pianistin Seung Yo Chan, Bariton Timon Führ und Tenor Martin Kellenbenz haben Evergreens aus Oper, Operette und Musical im leeren Saal vor imaginärem Publikum dargeboten.

»Ich hätt’ getanzt heut’ Nacht«

  • vonGerhard Kollmer
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Friedberg (gk). Es war so schön geplant: Am Freitagabend sollte eine festliche Walpurgisnachtgala mit Evergreens aus Oper, Operette und Musical im großen Saal des Alten Hallenbads über die Bühne gehen. Dann hätten die zahlreich erschienenen Gäste unter anderem zu Don Giovannis »Champagnerarie« aus dem 1. Akt von Mozarts unsterblicher Oper die Gläser klingen lassen und - beschwingt vom guten Wein - das Tanzbein schwingen können.

Allein - es kam anders.

So blieb den Sopranistinnen Esther Hock und Cornelia Haslbauer, dem Bariton Timon Führ und Martin Kellenbenz als Tenor nichts übrig, als - schwungvoll-virtuos begleitet von Seung Yo Chan am Piano - im leeren Saal vor imaginärem Publikum ihr gesangliches Können zu zeigen.

Als Streaming-Übertragung klang die Gala in durchschnittlich 180 Wohnzimmer herein - laut Auskunft der Technik sei das eine stolze Zahl.

Duett auf höchstem Niveau

Das Spektrum der dargebotenen fast 20 Titel reichte von Mozart und Donizetti über Beethoven, Verdi und Lehár bis hin zu Richard Strauss, Frederick Loewe und Kurt Weill. Dem Tenor Martin Kellenbenz kam die Aufgabe zu, den von leiser Melancholie geprägten Abend mit »Freunde, das Leben ist lebenswert!« zu eröffnen und ihn mit dem bessere Zeiten leidenschaftlich beschwörenden neapolitanischen Klassiker »O sole mio« nach gut achtzig Minuten ausklingen zu lassen. Ja, die Sonne der Kultur wird wieder über uns aufgehen - ganz bestimmt.

Cornelia Haslbauer - stimmgewaltig und mit feinem Gespür auch für kleinste Nuancen - glänzte mit der Arie »Musik ist eine heilige Kunst« aus Richard Strauss’ 1932 uraufgeführter Oper »Ariadne auf Naxos«. Nachdem der geliebte Theseus sie schnöde verlassen hat, verfällt Ariadne in tiefe Schwermut, aus der sie ein Harlekin mit der Arie »Lieben, Hassen, Hoffen, Zagen« zu befreien sucht.

Timon Führ ließ diesen wunderbaren Gesang - mit großem Einfühlungsvermögen in Ariadnes zwischen Liebe und Hass zerrissenes Gemüt - zum bewegenden Erlebnis werden.

»Mir ist so wunderbar«: Bei diesem Quartett aus Beethovens »Fidelio« erlebte man vier Könnerinnen und Könner bestens »getaktet« auf Augenhöhe - ohne sich die Schau zu stehlen. Der häufige Wechsel zwischen Soli, Duetten und Quartetten trug das Seine zum abwechslungsreichen Programm bei. »Mi chiamo Mimi«: In Puccinis Oper »La Bohème« stellt sich die junge Mimi vor, der ein allzu frühes Ende beschieden sein wird. Esther Hock lässt die tragische Gestalt vor unserem geistigen Auge überaus plastisch erstehen.

Die suggestive Aura von Puccinis Musik zieht den Hörer (hoffentlich auch am heimischen PC) wie ein betörender Duft in ihren Bann. »Soave il vento«: Die beiden jungen Damen Dorabella und Fiordilici aus Mozarts Oper »Così fan‹ tutte« wähnen ihre Verlobten auf stürmischer See in Gefahr und bitten den Wind, sich zu legen. Hock und Haslbauer gelang ein stimmungsvolles Duett auf höchstem Niveau. Mozart hätte bestimmt seine Freude daran gehabt.

Auch die leichte Muse kam nicht zu kurz bei der virtuellen Walpurgisnacht-Gala. Sei es Augustin Laras Ohrwurm »Granada« (dargeboten von Martin Kellenbenz), Frederick Loewes »Ich hätt’ getanzt heut’ Nacht« aus »My fair Lady«, »Sous le ciel de Paris« (mitreißend gesungen von Hock) oder Kurt Weills selten gehörtes »Youkalie« (Die Trauminsel) - gesungen von Haslbauer.

Das Stimmungsbarometer stieg, die imaginären Champagnerkorken knallten, rauschender Applaus dankte den Künstlerinnen und Künstlern.

Hoch motiviert von so viel Zustimmung, ließen sie das von Seung Yo Chan virtuos arrangierte sechsteilige Medley zum krönenden Schluss des Abends werden. Neben dem o. g. »O sole mio« waren hier u. a. zu hören Edith Piafs berühmtes, von Hock interpretiertes Chanson »La vie en Rose« und Henry Lefkowitschs »Occhi cernye« (Schwarze Augen), mit dem sich Haslbauer verabschiedete.

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