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Die Betreiber fordern ein konkretes Öffnungsdatum für ihre Außengastronomie.

Hungrig nach Genuss im Freien

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Wetteraukreis (bf). Für die Entwicklung des ländlichen Tourismus im Kontext mit Covid-19 sieht Cornelia Dörr, Geschäftsführerin der Tourismus-Region Wetterau, durchaus gute Chancen: »Die Menschen aus der Stadt kommen zunehmend am Wochenende aufs Land, Urlaub in der eigenen Region ist im Kommen.« Der Wetteraukreis biete weitläufige Naturräume und in den kleinen Städten und Dörfern genügend Aufenthaltsbereiche, die unnötige Kontakte vermeiden ließen.

Aber: Die gastronomische Versorgung, die für den Tourismus unabdingbar ist, ist bis auf Abholung und Lieferservice pandemiebedingt auf Eis gelegt - und ein Ende ist nicht in Sicht.

Mit Finanzen und Geduld am Ende

»Sind wir mal ehrlich: Das i-Tüpfelchen eines Ausflugs waren bisher ein leckeres Essen und ein Stück hausgemachter Kuchen mit einem frischen Getränk«, sagt Dörr. »Ohne gastronomische Versorgung geht touristisch gar nichts.« Deshalb steht die Geschäftsführerin der Tourismus-Region Wetterau in regem Austausch mit den heimischen Köchinnen und Köchen, Erzeugern, Café- und Restaurantbetreibern.

Nachdem kreative Ideen von Abholservice bis Dinner im Wohnmobil die Wintermonate bestimmt haben, sind nun zur Spargel- und Erdbeersaison die Menschen hungrig nach Genuss im Freien.

Die derzeitigen Regelungen um Covid-19 erlauben dies jedoch nicht. »Es ist auch schwierig, an dieser Stelle die Stimme zu erheben, denn die Infektionszahlen entwickeln sich derzeit leider in die falsche Richtung«, sagt Dörr.

Dennoch seien sich Virologen, Ärzte und Physiker einig: »Im Außenbereich bestehen nur ausgesprochen geringe Ansteckungsgefahren. Mit Abstand und mit Sicherheitskonzept - im Freien, auf Terrassen und in Gärten von Restaurants und Cafés wäre Bewirtschaftung durchaus möglich.«

Seit der vergangenen Sommersaison hätten die professionellen Gastonomen - allen voran in der Vereinigung des Wetterauer Landgenusses - Sicherheits- und Hygienekonzepte entwickelt. Diese könnten gerade im Außenbereich den Gästen ein großes Stück Lebensqualität und den Gastronomen ein Basis-Einkommen und Perspektiven bieten.

Mit Annette Kreiling, Vize-Vorsitzender des Landgenusses, und Chefin in Kreilings Sommergarten und Bistro der Keltenwelt, telefoniert Dörr regelmäßig. Dabei berichtet Kreiling aus der Branche: »Viele Gastronomen sind mit Finanzen, Motivation und Geduld am Ende. Wir wissen nicht, wie es weitergehen soll. Abwarten und Stillhalten ohne jede Perspektive können wir nicht mehr durchhalten.«

Elisa May, die angehende Juniorchefin im Stadener Schloss Ysenburg, ergänzt: »Wir alle können mit einem Bewirtungsverbot in unseren Räumen umgehen. Es ist nachvollziehbar, dass in geschlossenen Gaststätten Infektionen stattfinden können.« Aber: Aufgrund aktueller Erkenntnisse könnten Terrassen und Gärten unter Einhaltung aller Covid-Regeln und mit einem nahezu nicht vorhandenen Ansteckungsrisiko bewirtschaftet werden.

Die Restaurant- und Café-Betreiber wollten den Saisonstart im Freien nicht auf Biegen und Brechen anstoßen, sagt Dörr. Vielmehr wollten sie auf die Folgen eines schier endlosen Lockdowns aufmerksam machen.

Konkretes Datum gefordert

Mark Duckworth von »Ducky’s« in Bad Nauheim richtet den Blick in die nahe Zukunft: »Wenn wir den ersehnten Startschuss zum Öffnen unserer Terrassen erhalten, stehen unsere qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht ›Gewehr bei Fuß‹.« Viele junge Fachleute hätten der Branche längst den Rücken gekehrt. Allein das Personal rechtzeitig verfügbar und geschult zu haben, brauche Vorlauf. »Vorräte müssen geplant und beschafft und das Inventar auf Vordermann gebracht werden. Wir fordern ein Datum, auf das wir hinarbeiten können: 15. Mai, 1. Juni - greifbar und machbar.«

Gemeinsam mit den Gastrobetrieben richtet Dörr den Blick nach Wiesbaden: »Unsere Fachkräfte in den Betrieben kochen mit Leidenschaft und planen Öffnung mit der nötigen Sicherheit - lasst uns gemeinsam einen zeitnahen Termin und die Rahmenbedingungen für mögliche und sichere Naherholung definieren und die Außengastronomie öffnen.«

Bei vielen Wetterauer Gastronomiebetrieben, etwa am Schloss Ysenburg in Staden, ließe es sich draußen gemütlich sitzen - wenn es denn erlaubt wäre.

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