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Tiere sind kein Spielzeug

Hund, Katze, Kaninchen: Jede Anschaffung gut überlegen

  • VonAnnette Hausmanns
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Folgen von Corona wirken seit Monaten bis in die Tierheime hinein. Vor allem Hunde werden in deutlich größerer Zahl ab- und zurückgegeben.

Ein herrlicher Sommertag in Butzbach. Das Tierheim am Stadtrand liegt im Sonnenschein. Vorm Haus döst ein Hund im Schatten der Bäume. Dann kommt Leben ins Bild. Eine junge Familie klingelt, gibt seine Hasen für ein paar Ferientage in Pension.

Kurz darauf biegen vier angeleinte Hunde um die Ecke, ihre Zweibeinerfreunde bringen sie nach einem ausgedehnten Spaziergang heim. Freudig werden sie begrüßt. Richtig lebendig wird es im Hunderudel hinter dem Haus, als sich drei Frauen zum Zeitungsgespräch mitten hinein setzen.

»Rosina ist verspielt und anhänglich, das werden Sie gleich merken«. Kaum hat Tierschutzvereinsvorsitzende Hanne Kolb das kleine Pinschermädchen vorgestellt, hat es auch schon die ersten Streicheleinheiten eingeheimst.

Vor allem Hunde wieder abgegeben

Der schöne große Ares hält sich lieber vornehm zurück. Mit seiner freundlichen Schüchternheit wickelt der siebenjährige Terrier-Mix jeden um den Finger, und doch wohnt er schon seit anderthalb Jahren hier.

Freudig wedelnd kommt Niro zum Schmusen dazu, seit drei Jahren ist der graue Pitbull-Terrier regelmäßiger Pensionsgast im Tierheim und gehört damit nicht zu den Sorgenkindern.

Von denen gibt es in diesem Jahr bundesweit besonders viele in den Tierheimen. Über 20 Prozent mehr Haustiere, vor allem Hunde, seien in den letzten Monaten nach kurzer Zeit wieder abgegeben worden, berichten Hanne Kolb und ihre Vorstandskollegin Tina Lange.

Verstärkte Nachkontrollen

»Auch wir waren nicht gefeit gegen die Corona-Welle«, räumen sie ein und berichten von zwei jungen Hundeschwestern, typischen »Corona-Rückläufern«, die wegen Überforderung der neuen Besitzer zurückkamen. Fünf Hunde seien seit Januar zurückgekehrt, so viele wie sonst in zwei Jahren. Die Konsequenz: »Wir müssen noch genauer prüfen und verstärken auch unsere Nachkontrollen«.

Viele Menschen hätten sich in der Corona-Zeit den Traum vom Haustier erfüllt, vor allem Hunde als »beste Freunde des Menschen« seien gefragt gewesen. Die Realität habe viele Familien bald eingeholt, mit den Tieren seien Stress und sogar Gewalt eingezogen.

Pinschermädchen Rosina beispielsweise hätten sie nach einem Anruf der Polizei vom Pendlerparkplatz an der A5 abgeholt, »verhuscht, verfloht und verzeckt«, berichtet Kolb. Selbst den heute so verschmusten Ares habe anfangs niemand anfassen können.

Bei Problemen frühzeitig melden

Dringend empfehlen die ehrenamtlichen Tierschützer, dass sich Hundehalter bei Problemen frühzeitig melden. »Wir können fast immer helfen und haben ein großes Netzwerk.« Grundsätzlich sei aber weit vorher gut zu überlegen, ob man sich wirklich ein Haustier anschaffen und über Jahre die Verantwortung tragen wolle.

Ihren Hund, eine russische Mischlingsdame aus dem Tierheim, habe sie erst zu sich genommen, erzählt Kolb, nachdem sie mit ihrer Firma klären konnte, im Homeoffice zu bleiben.

Wie so oft verbringt die Marketingfachfrau heute ihre Mittagspause mit Hündin Inge im Tierheim und geht gleich nach dem Zeitungsgespräch Gassi mit einem freudig wedelnden Hundeherrn.

Tierarztkosten verdreifacht

Vorher geht es zu den Helfern in die Futterküche, zur Quarantänestation für kranke Heimbewohner und hinauf zu den Katzen und Kätzchen. Auch hier sind Helfer im Einsatz, bespielen die Kitten, sorgen für Sauberkeit und Ordnung.

Die Frühlingskatzenflut habe das Tierheim Butzbach diesmal vor besondere Herausforderungen gestellt, berichten Kolb und Lange. Binnen eines Monats seien die Tierarztkosten um das Dreifache in die Höhe geschossen.

»Ein gebrochenes Bein muss nun mal behandelt werden und eine lebensbedrohliche Infektion auch«, erklärt Kolb.

Und die nächste Katzenherbstflut komme bestimmt. Jedes Jahr seien es rund 40 Tiere, meist Streuner, meist krank und auf Kosten des Tierschutzvereins zu füttern, zu pflegen, zu behandeln und zu kastrieren, um eine unkontrollierte Vermehrung zu verhindern.

Emotionaler Stress bleibe da in der Sorge um Mensch und Tier nicht aus beim ehrenamtlichen Einsatz rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche. Und: »Drei von uns sind gerade in Trier, helfen einem vom Hochwasser betroffenen Tierheim.«

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