Haben den Aufruf im Namen der Hospizvereine beschlossen: (v. l.) Annemarie Serrani-Stöhr, Margit Wiegand, Ursula Jacobsen, Gisela Theis, Anita Unkel und Christine Zecha. FOTO: PV
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Haben den Aufruf im Namen der Hospizvereine beschlossen: (v. l.) Annemarie Serrani-Stöhr, Margit Wiegand, Ursula Jacobsen, Gisela Theis, Anita Unkel und Christine Zecha. FOTO: PV

Hospizarbeit in Corona-Zeiten

  • vonHarald Schuchardt
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Wetteraukreis(har). Der Aufruf "Sterbende Menschen nicht allein lassen - auch in Pandemiezeiten" ist das Ergebnis einer Tagung der Arbeitsgemeinschaft Wetterauer Hospizgruppen. Vertreter der in diesem Bereich tätigen Vereine aus Bad Nauheim, Bad Vilbel, Friedberg, Karben und Schotten-Nidda haben sich dieser Tage getroffen.

Grund für den Aufruf war das Kontaktverbot nach Ausbruch der Pandemie in nahezu allen Einrichtungen, was für alle Beteiligten neu und überraschend war. "Inzwischen leben wir schon länger mit verschiedenen Regeln, die als hilfreich eingeschätzt werden. Es ist erkennbar, dass die Infektionsgefahr noch lange Zeit bleiben wird, mal zunehmend, mal abnehmend", sagte Pfarrerin Gisela Theis, Vorsitzende der Hospizhilfe Wetterau.

Für Menschen, die sich ehrenamtlich und hauptamtlich seit Jahren für sterbende Menschen und ihre Angehörigen engagieren, ist durch diese Situation eine besondere Herausforderung eingetreten, die eine Antwort verlangt. Das Verbot war bitter für die sterbenden Menschen, die mit in der Regel überfordertem Pflegepersonal allein gelassen wurden, aber auch genauso bitter für Angehörige und für die Mitarbeiter in den Einrichtungen, deren Belastung ständig anstieg.

Appell: Sterbende nicht allein lassen

Die Regelungen seien unterschiedlich restriktiv, oft genug schmerzlich und unerträglich. In dieser schwierigen Lage müssten Wege gefunden werden, dass sterbende Menschen in Einrichtungen begleitet werden können, heißt es in dem Aufruf. Die aktuellen Lockerungen durch die Landesregierung verlagerten die Verantwortung für die Besuchsregelungen auf Heimleitungen oder Träger. Oft gelten aufgrund der Corona-Pandemie noch immer stark eingeschränkte Kontakt- und Besuchsregeln. Das bedeutet für schwer kranke und sterbende Menschen in Einrichtungen nicht nur Infektionsschutz, sondern auch Einsamkeit und damit Verlust an Lebensfreude und Depression.

Das zeigt eine Studie zum Thema "Corona und Demenz". Prof. Hardinghaus vom Deutschen Hospiz- und Palliativverband betont in einer Presseinformation "Gegen Vereinsamung und Isolation" das auch in Pandemie-Zeiten bleibende Ziel, "dass niemand alleine sterben muss, sondern begleitet von Mitmenschen und unter Einbezug der körperlichen, sozialen, psychischen und spirituellen Bedürfnisse am Lebensende".

Es gelte zwischen Infektionsschutz auf der einen und sozialer Isolation auf der anderen Seite abzuwägen. Fragen wie "Welcher Schutz ist in der jeweiligen Situation nötig?" oder "Wie kann weitere Belastung für Pflegepersonal vermieden werden?" müssten dringend geklärt werden. Hospizgruppen bieten ihre Unterstützung an. Im Einzelfall könnten beispielsweise FFP-Masken getragen werden, um den Sterbenden näher als 1,50 Meter kommen zu können. Gemeinsam mit den Einrichtungen sollen angemessene Konzepte entwickelt werden.

"Zukünftig muss die Isolation von sterbenden Menschen verhindert werden. Sie sollen wieder von geschulten Kräften liebevoll begleitet werden können", erklärte Theis. "Es darf sich unter keinen Umständen wiederholen, dass das fundamentale Bedürfnis nach Nähe und Kontakt einfach abgeschaltet wird", heißt es in dem Aufruf.

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