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Mit zwei Zugaben beenden Leonie Minor, Ulrich Seeger, Barbara Noeldeke und Wolfgang Mücke (v. l.) das gelungene Konzert.

Hommage an die Musik des Barock

  • VonGerhard Kollmer
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Friedberg (gk). Wieder einmal traf Stadtkantor Ulrich Seeger den Nerv des am Sonntagabend zahlreich in der Stadtkirche erschienenen Publikums: Am Ende des anderthalbstündigen Konzerts brandete minutenlanger Beifall auf, der das vierköpfige Ensemble (neben Seeger am Orgelpositiv die Flötistin Leonie Minor, Barbara Noeldeke am Violoncello und der Fagottist Wolfgang Mücke) zu zwei Zugaben veranlasste.

Neben den frühbarocken Tonsetzern Dario Castello (1602 - 1631) und Tarquinio Merula (1595 - 1665) sowie Antonio Vivaldi (1678 - 1741) und dem weitgehend unbekannten Johann Georg Linike (1680 - 1762) war es Seeger selbst, der eine »spätbarocke« Komposition beisteuerte - ein »Rondo furioso« für Fagott solo. Sein langjähriger Freund, der Fagottist Wolfgang Mücke, brachte das kurze, seinem Instrument »auf den Leib geschneiderte« virtuose Werk voll hintergründigem Humor überzeugend zum Klingen.

Dario Castello - er starb 28-jährig in Venedig an der Pest - ist ein bedeutender Vertreter der frühen »Venezianischen Schule«. Der Sohn eines »piffaro« (dem deutschen Stadtpfeifer vergleichbar) beim Dogen schlug die Priesterlaufbahn ein und wirkte ab 1624 als Konzertmeister an San Marco.

Es erwies sich als guter Einfall, das Konzert mit vier seiner Sonaten für Sopranflöte, Fagott und Basso continuo einzurahmen. Im Dialog mit dem Fagott demonstrierte die Flötistin Leonie Minor bei der Interpretation dieser originellen kontrastreichen Werke ihre technisch Brillanz sowie die Fähigkeit zur einfühlsamen Interpretation. Hinter so viel Virtuosität stand Wolfgang Mücke am Fagott kaum zurück.

Viele technische Schwierigkeiten

Bei der Interpretation von Tarquinio Merulas (er wirkte in Lodi, Bergamo und Cremona als Organist und Kapellmeister) »Due Canzoni« aus dem Jahr 1637 hatte Barbara Noeldeke am Violoncello reiche Gelegenheit, sich als gleichberechtigte Partnerin der Flötistin zu profilieren. Ihren großen Auftritt hatte sie später in Antonio Vivaldis viersätziger dritter Sonate in a-Moll für Violoncello und Basso continuo - ein meisterhaftes Werk mit vielen technischen Schwierigkeiten. Der Kontrast zwischen dem »Prete Rosso« und den um drei Generationen älteren Castello und Merula wurde mit Händen greifbar. Feierlich im »Largo« beginnend, klingt die A-Moll-Sonate in heiterem Allegro aus. Bei geschlossenen Augen und ein wenig Fantasie fühlt man sich um drei Jahrhunderte in die Soirée in einem Palazzo am Canale Grande zurückversetzt.

Gleiches gilt für Vivaldis Triosonate in a-Moll für Flöte und Fagott. Vor allem die virtuose Sätze zwei und vier stellen mit zahlreichen Kadenzen höchste Anforderungen an die Interpretin. Für ihren souveränen Vortrag erhielt Minor begeisterten Applaus.

Als eigentliche Entdeckung des Abends erwies sich die viersätzige »Sonata à 3« für Altblockflöte und Fagott von Johann Georg Linike. Höhepunkte der Laufbahn des nur noch Fachleuten bekannten Vivaldi-Zeitgenossen waren sein Wirken am Hof des schöngeistigen Preußenkönigs Friedrich I. in Potsdam und seine über 30-jährige Tätigkeit als Kapellmeister am Hof der Herzöge von Mecklenburg-Strelitz.

Nicht nur im großartigen zweiten Satz (Allegro) erweist sich der Musiker aus der kargen Mark Brandenburg den Italienern als ebenbürtig. Besonders reizvoll ist der Dialog der Altblockflöte, die nur hier zum Einsatz kommt, mit dem Fagott.

Mit Dario Castellos achter Sonate endet eine rundum gelungene Hommage an die Musik des Barock.

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