Nach 300 Jahren ist er wieder da: Etwa 40 Biber-Reviere gibt es im Wetteraukreis. (Symbolbild)
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Nach 300 Jahren ist er wieder da: Etwa 40 Biber-Reviere gibt es im Wetteraukreis. (Symbolbild)

Biber im Wetteraukreis

Nach 300 Jahren: Endlich wieder Biber in der Wetterau - Etwa 40 Reviere im Kreis

  • Rüdiger Geis
    vonRüdiger Geis
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Endlich ist er wieder da, der Biber: Der fleißige Nager hat alle größeren Fließgewässer im Wetteraukreis erobert und sucht zunehmend auch stehende als Lebensraum.

  • 1985 wurden erstmals wieder Biber in Hessen angesiedelt, davor gab es seit 300 Jahren mehr keine hierzulande.
  • Im Wetteraukreis befinden sich schätzungsweise 35 bis 40 Biberreviere.
  • Nur selten gibt es Probleme mit den Nagetieren, zum Beispiel, wenn ihre Burgen Felder überfluten.

Da staunte Leserfotograf Burkhard Schrottner auf einem Spaziergang: Die rund um abgenagten Stämme und zahlreichen Holzsplitter zeigten deutlich, dass hier ein Biber am Werk war. Und unser Leser Roland Reichl dokumentierte eine ähnliche Sichtung. Wo, das sei zum Schutz der Tiere aber nicht verraten.

Wetteraukreis: Bis zu 40 Biber-Reviere

Wie viele Biber es in der Wetterau genau gibt, ist laut Naturschutzbund (NABU) nicht zu sagen. Nach dem Biber-Bericht des Regierungspräsidiums Darmstadt von 2017 müssten es 27 besetzte Biberreviere in der Wetterau sein. »Mir liegen keine aktuelleren Zahlen vor, ich würde das Vorkommen aber auf 35 bis 40 Biberreviere im Wetteraukreis schätzen«, erklärt Frank Uwe Pfuhl, Leiter der NABU-Regionalstelle Wetterau.

»Statistisch gehen wir von 3,3 Bibern pro Revier aus. Danach wären es etwa 130 Biber, die derzeit bei uns leben.« Die Tiere seien durchgängig an Usa, Wetter, Horloff, Nidda, Nidder und Seemenbach sowie an weiteren Zuflüssen dieser Flüsse zu finden. »Kurgastgerecht präsentiert sich die Art im Großen Teich im Bad Nauheimer Kurpark. Hier hat der Mensch dem Biber mit dem Bau des Damms - der das Wasser der Usa aufstaut - quasi die Arbeit abgenommen«, sagt Pfuhl.

Biber in der Wetterau: Probleme durch höhere Population

Größere Probleme mit der Forst- und Landwirtschaft sind beim NABU bislang nicht bekannt. Das könne sich aber mit der Zunahme der Population ändern. »An vielen Stellen besucht der Biber benachbarte Äcker und bedient sich dort an den Feldfrüchten«, weiß Pfuhl. Für wirtschaftliche Schäden durch Biber gebe es aber beim RP Darmstadt einen Entschädigungsfonds.

»Prinzipiell hat die Landwirtschaft nichts gegen den Biber, offenbart dessen Anwesenheit doch, dass vor Ort nachhaltig und im Einklang mit der Natur Landwirtschaft betrieben wird«, erklärt Marcus Schepp, Geschäftsführer des Regionalbauernverbands Wetterau-Frankfurt.

Biber in der Wetterau: Landwirtschafliche Flächen unter Wasser gesetzt

Problematisch werde es jedoch dann, wenn es zu erheblichen Schädigungen landwirtschaftlicher Flächen komme, wie in Reichelsheim geschehen: »Die Wiesenflächen eines Mitgliedsbetriebs stehen nun nahezu kontinuierlich unter Wasser.« Aus diesem Grunde sei es bei einem Ortstermin betroffener Landwirte mit dem RP Darmstadt und zuständigen Wetterauer Behörden auch Konsens gewesen, dass in die Biberburg schonend ein Abflussrohr verlegt werden soll, damit kein kompletter Rückstau entsteht.

»Eine entsprechende Verlegung eines Abflussrohres wurde auch umgesetzt, allerdings leider so, dass der positive Nutzen gänzlich ausbleibt«, berichtet Schepp. Das Rohr sei auf die Biberburg gebaut und dann durch die Aktivitäten des Bibers sogar noch weiter angehoben worden. Eine Abflusswirkung sei somit nicht gegeben.

»So gut wie keine Probleme«, vermeldet Walter Schmidt, Funktionsbeamter Naturschutz beim Forstamt Nidda. Damit wertvolle Weiden nicht gefällt werden, würden diese mit einer Drahtrosette geschützt. Gelegentlich würden durch den Biber Wiesen, beispielsweise Pfeifengraswiesen, genässt, was nicht gewollt sei. Dann würden die vom Biber errichteten Dämme in Absprache mit der Oberen Naturschutzbehörde in Darmstadt entfernt.

Biber: Auch als Landschaftsbildner tätig

Auch aus Sicht der Waldbewirtschaftung habe es bislang nur »untergeordnete Probleme mit dem Biber gegeben, berichtet Schmidts Kollege Anselm Möbs. An einem Waldteich mit Nadelholzbestand habe der Biber im Stammfußbereich die Rinde teilweise auch größerflächig benagt.

»Die Tannen hätten dies auf Dauer nicht überstanden. Um auch mehr Sonneneinstrahlung und Wärme an das Wasser zu bringen für die dort ebenfalls vorhandenen Amphibien, haben wir dann im Rahmen einer Renaturierung des Gewässers die beschädigten Tannen entnommen.«

Beim NABU freut man sich über die Rückkehr des Nagers: »Diese Art ist neben dem Menschen die einzige Tierart, die aktiv in die Gestaltung des Landschaftsbilds eingreift.« Damit unterstütze sie auch Renaturierungen der Fließgewässer.

Biber-Abstammung: Wetterauer Biber aus Bayern

Die Biberbesiedlung der Wetterau hat vorrangig von Süden begonnen, was die ursprüngliche Annahme zur Herkunft widerlegt, berichtet der NABU. 1985 wurden erstmals in Hessen wieder Biber angesiedelt. Zuvor gab es rund 300 Jahre gar keine Biber hierzulande. Die Ansiedlung fand im hessischen Spessart, im Main-Kinzig-Kreis statt.

Nun hat das Senckenberg-Institut mittlerweile anhand der DNS nachgewiesen, dass die Wetterauer Biber eigentlich Bayern sind. Die ausgesetzten Spessart-Biber sind jedoch Elbe-Biber.

Biber in der Wetterau: Neuen Lebensraum entdeckt

»So ist anzunehmen, dass die Tiere den Main überschritten (oder eher durchschwommen und schließlich die Wetterau als neuen Lebensraum entdeckt haben«, erklärt Frank Uwe Pfuhl Leiter der NABU-Regionalstelle Wetterau. In Bayern sei der Biber nämlich mit über 20.000 Tieren recht dicht präsent.

Für diese Zuwanderung sprechen unter anderem auch die dichten Vorkommen entlang der Gersprenz im Landkreis Darmstadt-Dieburg (als Zuwanderungslinie). »Da im Wetteraukreis kein Besatz stattgefunden hat, müssen wir von dieser natürlichen Zuwanderung ausgehen«, so Pfuhl.

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