Freitags legt Heidi Mörler bereits um 5 Uhr los, dann werden bis zu 25 Kuchen für den Verkauf gebacken.	FOTOS: LONI SCHUCHARDT
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Freitags legt Heidi Mörler bereits um 5 Uhr los, dann werden bis zu 25 Kuchen für den Verkauf gebacken. FOTOS: LONI SCHUCHARDT

Hobby zum Beruf gemacht

  • vonHarald Schuchardt
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Friedberg-Ockstadt (har). Backen war schon immer das große Hobby von Heidi Mörler. Im August ist es zehn Jahre her, dass sie ihr Hobby zum Beruf gemacht hat. Der große Erfolg stellte sich jedoch erst vor sechs Jahren ein. Damals erhielt die gebürtige Melbacherin, die seit 23 Jahren in Ockstadt lebt, von der Stadt die Genehmigung, ihre Backwaren auf dem Wochenmarkt anzubieten.

Anderthalb Jahre zuvor hatte sie bereits den entsprechenden Antrag gestellt und gar nicht mehr mit einer Zusage gerechnet. Sie erhielt einen Platz am nördlichen Marktende. Dorthin kamen nicht ganz so viele Kunden, doch das änderte sich mit dem Umzug des Wochenmarkts auf den Elvis-Presley-Platz 2015. »Viele Marktgänger hatten meinen Stand zuvor nicht wahrgenommen«, berichtet die Mutter von drei Töchtern.

Auf dem Elvis-Platz gab es nun auch einen Stromanschluss, somit konnte Heidi Mörler auch Kaffee anbieten. Eine kleine Sitzgruppe lädt zum Verweilen ein - allerdings wegen der Corona-Krise derzeit nicht. WZ-Kolumnist Andreas Arnold und sein Veganer-Stammtisch gehören zu den Stammgästen, weil Heidi Mörler jeden Samstag auch vegane, laktose- und glutenfreie Kuchen anbietet.

Welchen und wie viele Kuchen sie backt, wird mittwochs entschieden. Heidi Mörler: »Ich schau mir die Wetterlage an und entscheide dann, wie viel ich backe.« Meist sind es 20 bis 25 Kuchen und Stückchen sowie Nussecken.

Jede Woche gibt es andere Kuchen. Mit dabei sind immer Käsekuchen mit zehn unterschiedlichen Füllungen. Der beliebteste Kuchen ist der Rüblikuchen, der Haselnüsse und Möhren enthält. »Den gibt es nicht nur an Ostern, auch zu anderen Zeiten«, sagt die Ockstädterin. Den Rüblikuchen backt sie alle zwei Wochen, einige Stammkunden warten bereits darauf. Beliebt sind auch die saisonalen Produkte wie aktuell der Rhabarberkuchen und später Kuchen mit Erdbeeren, Kirschen oder Zwetschen.

Obst kommt von Ockstädter Betrieben

Das Obst kommt von Ockstädter Betrieben, denn Heidi Mörler versucht regionale und umweltverträgliche Produkte zu verwenden. Donnerstags stellt sie ihren Mürbeteige her, zunächst die laktosefreien, dann die veganen.

»Freitags ab fünf Uhr wird es ernst«, sagt Heidi Mörler, die in drei Öfen gleichzeitig backt. Ihre Zutaten befinden sich in besonderen Schränken und Kühlschränken im Keller. »Damit erfülle ich die Vorgaben der Lebensmittelkontrolleure des Wetteraukreises«, erklärt die Ockstädterin, die alljährlich ohne Vorankündigung auf dem Markt und zu Hause kontrolliert wird. »Am Anfang war das alles nicht einfach, die ersten drei Jahre waren hart. Aber einige liebe Menschen haben mich unterstützt, andere dagegen haben den Kopf geschüttelt, doch ich habe es geschafft«, freut sich Heidi Mörler.

Unterstützung bei ihrem Schritt in die Selbständigkeit fand sie bei der Industrie- und Handelskammer Gießen-Friedberg. »Für diese Hilfe bin ich sehr dankbar«, betont Heidi Mörler, die zuvor als Postangestellte im Schalterdienst tätig war. »Da war ich nicht glücklich, und nach der Scheidung wollte ich was anderes machen.«

Unterstützt wird die Ockstädterin von ihren Töchtern, wobei Jana (19) derzeit ausfällt, ist sie doch im Schüleraustausch in den USA. »Es geht ihr gut, sie ist mit ihrer Gastfamilie seit drei Wochen in Quarantäne«, erzählt Heidi Mörler, deren älteste Tochter Julia als Lehramtsstudentin aktuell mehr Zeit hat und beim Backen hilft.

»Jana backt lieber, Julia ist das Verkaufstalent«, erzählt Heidi Mörler. Sie hofft, auf dem Markt bald ihre neu angeschafften Rattanmöbel aufstellen zu können. Bis dahin wird nur mit Abstand zu den Kunden Kuchen verkauft, wobei der Umsatz sogar etwas größer ist als vor der Corona-Krise. Heidi Mörler: »Die Menschen wollen sich was Gutes tun.«

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