Heide Krodel-Johne (o.) genießt die Gastfreundschaft des Ehepaares Decher in deren Dachgarten.		FOTO: JUTTA HIMMGHOFEN-STRACK
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Heide Krodel-Johne (o.) genießt die Gastfreundschaft des Ehepaares Decher in deren Dachgarten. FOTO: JUTTA HIMMGHOFEN-STRACK

Hingucker hoch oben

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Friedberg (pm) Im vergangenen Jahr hatten erstmals Friedberger Geschäftsleute entlang der Kaiserstraße ihre privaten Dachgärten geöffnet. In diesem Jahr sollte die Aktion ausgebaut werden, doch die Corona-Pandemie ließ die Ausweitung auf private Dachgärten nicht zu. Dank des Engagements der Premierenteilnehmer konnten dennoch vier Dachgärten besucht werden - an drei Tagen, mit festen Zeitfenstern und angepassten Teilnehmerzahlen. »Der Aufwand hat sich gelohnt, die Zeitfenster waren bei allen schnell ausgebucht«, freut sich Sigrid Bartsch vom Friedberger Kulturservice, die für das Projekt verantwortlich zeichnet.

Was kann spannender sein, als einen Blick in Bereiche zu werfen, die einem sonst verborgen bleiben? So ging es auch Heide Krodel-Johne, die seit 20 Jahren in Friedberg lebt und sich neugierig auf den Weg machte, um die geöffneten Dachterrassen entlang der Kaiserstraße aufzusuchen. »Ich bin total überrascht, welche Kleinode sich hier verbergen«, erzählt die geborene Groß-Karbenerin, während sie die Gastfreundlichkeit des Ehepaares Decher genießt. »Für mich ist es nicht nur interessant, einen Einblick hinter die Fassaden zu gewinnen, sondern vor allem finde ich spannend, was Claudia und Norbert Decher über die Entstehung ihrer Dachterrasse erzählen.«

Und da gibt es vieles zu erzählen. Unterhaltsam berichten die zwei vom Umbau des Geschäfts- und Privathauses 1998, im Zuge dessen die Dachterrasse erst entstand. »Vor dem Umbau war die Fläche hier ein Innenhof, absolut dunkel und kühl«, erläutert Norbert Decher. Und Claudia Decher erinnert sich: »Das war schon eine sehr anstrengende, aber auch sehr schöne Zeit, weil wir Vorderhaus und Hinterhaus gleichzeitig auf- und umgebaut haben. Niemand hätte geglaubt, dass wir das in drei Monaten schaffen. Aber pünktlich zum Geburtstag meines Mannes haben wir die Ladentür wieder geöffnet.«

Doch nicht nur dafür interessierten sich die Gäste auf Dechers Terrasse. Auch Fragen zu ihrem Hochbeet, den Zierpflanzen und zur unmittelbaren Nachbarschaft wurden gestellt. Dechers beantworteten geduldig alle Fragen.

Schmökern auf der Hollywood-Schaukel

Auch bei König Plus ist die Dachterrasse erst nach einem aufwendigen Umbau vor mehr als zehn Jahren entstanden. Die hintere Hälfte dient den Mitarbeitern, die in der warmen Jahreszeit hier ihre Pausen verbringen können. Zwei Tage lang führte Jens König Neugierige auf seine Dachterrasse. »Wir können zwar keinen Blick auf die Seewiese anbieten«, sagt er schmunzelnd, »aber dafür in einen Teil der Altstadt. Die Leute sind immer wieder fasziniert davon, wie verschachtelt hier gebaut wurde.«

Die Dachterrasse der Buchhandlung Bindernagel kann man eigentlich über die ganzen Sommermonate nutzen. Doch der Eingang im ersten Stock liegt etwas versteckt, und wenn Friederike Herrmann und ihre Mitarbeiter im Tagesgeschäft nicht daran denken, ihre Kunden darauf aufmerksam zu machen, bleibt die Terrasse oft etwas verwaist. Deshalb ist die Buchhändlerin um so dankbarer für diese Aktion. Der Besuch lohnt sich. Nicht nur für den besonderen Blick, sondern auch weil man hier in der Hollywood-Schaukel entspannt seine Buchauswahl treffen kann. Wer den Besuch nicht auf die lange Bank schiebt, kann sich aktuell auch noch mit Himbeeren direkt vom Beet gütlich tun.

Dank Umbau kann man durchatmen

Zu guter Letzt konnte man auch einen Einblick gewinnen, wie es auf der Ostseite der Kaiserstraße aussieht. Dirk Engisch, Inhaber von Brillen-Schick, überzeugte auch in diesem Jahr seine Mieterin davon, ihren Freisitz für einen Tag zu öffnen. Die Terrasse gibt es schon einige Jahre, aber erst durch den Umbau der Häuser Kaiserstraße 99 und 101 vor einigen Jahren wurde diese wirklich nutzbar. »Vorher ging hier wegen der dichten Bebauung kein Lüftchen, und es war stickig heiß im Sommer«, erzählt Dirk Engisch. »Jetzt kann man nicht nur richtig durchatmen, sondern von hier aus auch vier weitere Freisitze entdecken.« Vielleicht könne man ja im nächsten Jahr endlich weitere Dachgärten-Besitzer für die Aktion gewinnen. Großes Interesse dafür gebe es auf jeden Fall.

Ein weiterer Termin

Für alle, die bei Claudia und Norbert Decher kein Zeitfenster bekommen haben, gibt es am kommenden Freitag von 10 bis 17 Uhr noch eine weitere Möglichkeit, deren Dachgarten zu besuchen - Anmeldung unter Telefon 0 60 31/6 10 97.

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