Hessische Pflegemedaille für Gisela Loth

Friedberg (har). Eine Situation, die viele Menschen kennen: Ein Angehöriger erkrankt schwer, ist geistig oder körperlich behindert oder wird dement. Er soll oder kann – aus finanziellen oder anderen Gründen – nicht in eine Betreuungseinrichtung und wird daher von den Angehörigen zu Hause betreut beziehungsweise gepflegt.

Das bringt für die Pflegenden erhebliche Belastungen mit sich – körperlicher und psychischer Art. Ihr Leben ändert sich. Die hessische Landesregierung hat für solche Personen im Jahr 2004 die "Pflegemedaille" eingeführt. Mit ihr wird der Einsatz pflegender Angehöriger gewürdigt. Diese Auszeichnung erhielt nun Gisela Loth.

Gisela Loth ist die einzige aus dem Westkreis, der am Montag in Wiesbaden im Schloss Biebrich vom Hessischen Sozialminister Stefan Grüttner gemeinsam mit weiteren 27 pflegenden Angehörigen aus Hessen die Pflegemedaille verliehen wurde. Die Fauerbacherin hat damit ein paar aufregende Tage hinter sich. Erst am späten Samstagabend war sie mit ihrer schwerbehinderten Tochter Vera von einem einwöchigen Urlaub an der Nordsee zurückgekehrt; am Montag ging es dann nach Wiesbaden.

"Das wird ein wirklich ereignisreiches Jahr", sagt die 68-Jährige, die in der nächsten Woche mit ihrer Tochter zum wiederholten Mal zur Kur ins DRK-Therapiezentrum nach Neustadt-Mardorf in der Nähe des Steinhuder Meers fährt. Und dann hat sie vor gut drei Wochen noch den Vorsitz des Elternbeirats in der Ockstädter Werkstatt der Behindertenhilfe übernommen.

In dem Gremium ist die Fauerbacherin seit knapp 20 Jahren; sie gehört auch zu den Gründern der Lebenshilfe Wetterau.

"Ich wollte es gar nicht glauben, als ich vor knapp vier Wochen das Schreiben des Sozialministeriums erhielt", erzählt Gisela Loth beim WZ-Besuch in ihrer Wohnung im zweiten Stock der Wohnanlage "Betreutes Wohnen" der Lebenshilfe in der Hauptstraße 25 in Fauerbach. "Wir zwei waren die ersten, die hier vor zehn Jahren eingezogen sind", erzählt sie, und Tochter Vera, die seit ihrer Geburt vor 46 Jahren behindert ist, nickt und bestätigt die Aussage mit einem lauten "Jaaa".

Nach einem Narkoseunfall, bei dem Vera zehn Jahre alt war, kam eine linksseitige Lähmung hinzu. Vera ist seitdem spastisch und sitzt im Rollstuhl. Rund um die Uhr pflegt die Mutter ihre Tochter und hat daher im gelernten Beruf als Friseurin kaum gearbeitet: "Ich musste mich ja um meine Tochter kümmern." Das galt auch für den gesunden zwei Jahre älteren Sohn Stefan.

Wer sie für die Ehrung vorgeschlagen hatte, wusste Gisela Loth nach Eingang des Schreibens sofort. Es war Herbert Bachen aus Büdingen, der beim DRK als Busfahrer angestellt ist und seit gut fünf Jahren – im Wechsel mit einem Kollegen – Vera Loth in die Behindertenwerkstatt und wieder zurück fährt.

Bachen hatte erfahren, dass die Pflegemedaille von der Landesregierung als "Dank und Anerkennung für langjährige Pflege und Betreuung nahe stehender Menschen im häuslichen Bereich" – so die offizielle Bezeichnung – vergeben wird. Daraufhin hatte er beim Sozialministerium angerufen und von Gisela Loth und ihrem Einsatz für ihre Tochter erzählt. Vor etlichen Wochen hatte er vom Ministerium dann erfahren, dass sein Vorschlag angenommen worden war. "Halten sie sich mal den 24. September frei, da habe ich mit Ihnen etwas vor", habe der Busfahrer schon irgendwann einmal zu ihr gesagt, erzählt Gisela Loth.

Als dann die Einladung zum Festakt eingetroffen war, war ihr klar, wer hinter der Ehrung steckte. "Wenn es jemand verdient hat, dann Sie", habe Bachen zu ihr gesagt, und natürlich war er mit seiner Frau ebenfalls zur Verleihung eingeladen worden.

Zwei weitere Personen durfte Gislea Loth mitbringen, und da entschied sie sich zum einen für ihre Schwester Jutta Schulrabe, die im Büro der Lebenshilfe arbeitet, sowie für Theresa Jaglarz, die seit Jahren Tochter Vera in der Tagesförderstättengruppe der Behindertenwerkstatt, kurz Tafög genannt, betreut.

"Wenn Theresa Jaglarz wirklich nächstes Jahr aufhört, ist das ein großer Verlust für die Tafög, vor allem für Vera", sagt die engagierte Mutter, für die es ganz selbstverständlich ist, Tag und Nacht für ihre Tochter da zu sein und sich gleichzeitig auch noch für andere Behinderte einzusetzen. "Ich bin da immer geradeaus und sage, was ich denke", sagt sie und freut sich besonders, dass es "so tolle Menschen wie Therese Jaglarz, Herbert Bachen und seinen Kollegen gibt".

"Sie alle sorgen im Umgang mit den Behinderten für eine sehr private Atmosphäre", erzählt sie.

So hat sie zusammen mit Vera auch schon Herbert Bachen und seine Familie zu Hause besucht. "Doch, ich habe mich sehr über die Auszeichnung gefreut, vor allem über die kurze Laudatio des Ministers", erzählt sie und zeigt die Porzellanmedaille, die nun samt Urkunde einen Ehrenplatz erhalten wird. In einem gibt sie dem Sozialminister Recht: "Diese Ehrung muss in der Öffentlichkeit einfach bekannter werden."

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