Friederike Herrmann von der Buchhandlung Bindernagel plant zusammen mit Andreas Matlé das Programm von "Friedberg lässt lesen". FOTOS: AAF/GABY GERSTER/PV
+
Friederike Herrmann von der Buchhandlung Bindernagel plant zusammen mit Andreas Matlé das Programm von "Friedberg lässt lesen". FOTOS: AAF/GABY GERSTER/PV

Hoffen auf Dezember

Von Herzblut und Absagen: Friedberger Kulturschaffende sind ratlos

  • Sabine Bornemann
    vonSabine Bornemann
    schließen

Weniger Besucher, Abstand, Hygiene, Masken. Mit einem "abgespeckten" Programm sollte es auch bis Jahresende bei "Friedberg lässt lesen" weiter gehen. Aktuell klappt das nicht - wie vieles in Coronazeiten.

Andreas Matlé ist ratlos. Der Pressesprecher der Ovag und Organisator des Programms von "Friedberg lässt lesen" hat viel Zeit damit verbracht, nach dem ersten Lockdown im Frühjahr Konzepte für eine "verschlankte" Form der beliebten Lesereihe zu erarbeiten. Abstands- und Hygienevorschriften einhalten, weniger Besucher und ein Programm, das erst einmal "nur" bis Dezember geplant wurde. Die Buchhandlung Bindernagel, die Ovag und das Bibliothekszentrum Klosterbau sowie als Partner die Sparkasse Oberhessen haben alles versucht, um den Bücherfreunden ein attraktives Programm zu bieten. Doch das nützt derzeit nichts. Im November darf keine Lesung stattfinden.

Minka Pradelski hat unter den neuen Auflagen im Oktober im Theater Altes Hallenbad ihr Buch "Es wird wieder Tag" vorgestellt - moderiert von Verleger Joachim Unseld. Ursula Poznanski wäre am 16. November zu Gast gewesen. Sie wollte ihr Buch "Vanitas - Grau wie Asche" im Alten Hallenbad vorstellen. Doch das geht nicht. ( siehe Info). "Da bleibt einem nichts übrig. Wir mussten alles absagen", sagt Matlé.

Die Konzepte waren erarbeitet. Gerade im Alten Hallenbad habe man diese guten Konzepte gemerkt: Unterschiedliche Ein- und Ausgänge, Abstand, Masken - um nur einige Punkte zu nennen. Doch genützt hat es nichts. Obwohl es nachweislich bei diesen Veranstaltungen keine Ansteckungen gegeben habe, werden Kulturveranstaltungen jetzt abgesagt.

Genau das macht Matlé ratlos, denn ein anderes Konzepte für Lesungen dieser Art, als jenes, das er bereits erarbeitet hat, sieht er für die Zukunft nicht. Noch weniger Besucher, noch mehr Abstand? Eine Veranstaltung vor nur fünf Menschen ergebe keinen Sinn, das rechne sich wirtschaftlich nicht. Außerdem mache gerade das Publikum den Reiz einer Lesung aus, was bei einer ganz kleinen Gruppe nicht mehr gegeben wäre. Auch Online-Lesungen scheinen aktuell keine Alternative zu sein. "Es hat Versuche gegeben, aber die Resonanz des Publikums war nicht da", sagt Matlé. Interesse ist allerdings für die Veranstaltung im Dezember vorhanden. Viele Karten schon verkauft. Das Stalburg-Theater Frankfurt möchte am 11. Dezember "Erna, der Baum nadelt" in der Augustinerschule aufführen.

Dass es im Dezember wieder "normal" weiter gehen könnte, daran glaubt Friederike Herrmann, Inhaberin der Buchhandlung Bindernagel auf der Kaiserstraße in Friedberg, noch nicht so ganz. "Ich bin da etwas vorsichtig", sagt sie. Die Zahlen könnten dann noch schlecht sein, und dann sei im Dezember kulturell auch noch nichts möglich. "Das ist schade, aber nicht zu ändern", meint sie. Zusammen mit Andreas Matlé erarbeitet sie seit Jahren das Programm für "Friedberg lässt lesen".

Derzeit vermisst sie zwar den Kontakt zu den Autoren und zum Publikum, ist aber froh, dass die Buchhandlung - anders als jetzt in Frankreich beispielsweise - geöffnet bleiben darf.

Die derzeitigen Regeln müsse sie akzeptieren, merke aber, dass nicht so viel Verständnis vonseiten der Menschen vorhanden sei. Gerade das Alte Hallenbad habe sich so viel Mühe gemacht und alles gut organisiert - jetzt dürfe trotzdem nicht gespielt werden. "Die Kulturschaffenden sind mit so viel Herzblut dabei", hätten gezeigt, "es geht doch irgendwie". "Dass es im November nun ist, wie es ist, tut weh." Allerdings sagt sie auch - genau wie Andreas Matlé: Es sei zwar schade, dennoch gehe es wirtschaftlich weiter. Beide denken jedoch mit Sorge an andere Kreative, Kulturschaffende und alle, die an den Veranstaltungen beteiligt sind. Selbst namhafte Autoren seien stark von Lesungen abhängig. Einige haben etwa 120 Auftritte vor Publikum im Jahr - was dieses Jahr weitgehend weggefallen ist.

"Für viele Kreative ist nicht klar, ob es nach dem erneuten Lockdown überhaupt weitergehen kann", sagt Matlé. Herrmann zweifelt auch die Verhältnismäßikeit der Maßnahmen an. "Theater, Lesungen und Kino sehe ich in Sachen Ansteckungsgefahr nicht als problematisch an - besonders mit den erarbeiteten Konzepten."

Keine Lesung

Aufgrund der neuen Corona-Verordnungen muss die für den 16. November, 20 Uhr, im Rahmen der Reihe "Friedberg lässt lesen" vorgesehene Lesung mit Ursula Poznanski abgesagt werden. Die Lesung war im Theater Altes Hallenbad vorgesehen.

Die Veranstaltung soll im Oktober 2021 nachgeholt werden. Bereits gekaufte Eintrittskarten behalten für diesen Termin, der noch bekannt gegeben wird, ihre Gültigkeit. Sie können jedoch auch jederzeit wieder bei der jeweiligen Vorverkaufsstelle zurückgegeben werden. Nähere Informationen dazu bei der Ovag unter schulze@ovag.de und 0 60 31/68 48 12 74.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare