Herbert Meier
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Herbert Meier

  • Jürgen Wagner
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Friedberg-Dorheim (jw). »Vergeben ja, aber nicht vergessen« - das war der Kernsatz von Herbert Meier. Am 20. Mai 1923 wurde er in Dorheim als sechstes Kind des Viehhändlers Isaak Meier und dessen Frau Ernestine geboren. Das jüdische Ehepaar lebte seit 1903 in Dorheim. Der Vater war Frontkämpfer im Ersten Weltkrieg. Herbert trug in den 1930er Jahre die Farben der Dorheimer Jugendfußballer. »Ich hatte viele Kontakte zu Gleichaltrigen«, berichtete er 2007, als er auf Einladung von Pfarrer Hilmar Gronau und seines Freundes Dr. Klaus-Dieter Rack nach Dorheim zurückkam.

Mit der »Machtergreifung« der Nationalsozialisten begannen auch in Dorheim Übergriffe gegen jüdische Mitbürger. Auf dem Schulhof wurde Herbert Gewalt angedroht. 1938 zog die Familie in eine Sammelbehausung nach Friedberg. Dorheim war »judenfrei«. Das Haus der Meiers (neben Bäckerei Ulrich, heute Parkplatz) wurde »arisiert«. Nach der »Reichskristallnacht« im November 1938 musste der 15-jährige Herbert wie andere Wetterauer Juden wochenlang per Zwang in einem Steinbruch bei Rockenberg schuften. 1940 konnte er ausreisen. Die Eltern blieben, Anfang 1943 endete ihr Leben im Konzentrationslager Theresienstadt. Herbert floh nach Haifa (Palästina), kehrte als britischer Soldat kurz nach Deutschland zurück, suchte vergebens nach seinen Eltern.

Im Gegensatz zu seinen älteren Geschwistern kam Herbert Meier immer wieder auf Geschäftsreisen nach Dorheim und besuchte Freunde. Der Kontakt zu Rack ergab sich durch dessen Forschungen zur NS-Zeit in Dorheim. 2007 kam es zum »offiziellen Besuch«. Den Konfirmanden gab Meier mit auf den Weg, sich nie mit dem Strom treiben zu lassen und sich niemals unmenschlich und intolerant zu verhalten. Das sei die beste Garantie dafür, dass sich das »Dritte Reich« nicht wiederhole.

Ortsvorsteher Rack erinnert sich an einen Menschen mit großem Herz und großer Versöhnungsbereitschaft. Herbert Meier starb am Freitag im 98. Lebensjahr friedlich im Kreis seiner Kinder, Enkel und Urenkel nahe Haifa.

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