Hendrik Hollender mit einem Symbol des erfolgreichen Naturschutzes: Der Eulenbestand in der Wetterau ist wieder deutlich gestiegen.
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Hendrik Hollender mit einem Symbol des erfolgreichen Naturschutzes: Der Eulenbestand in der Wetterau ist wieder deutlich gestiegen.

Hendrik Hollender: Er greift auch selbst zum Spaten

Friedberg (prw). Sein Einstieg in die Arbeit bei der Unteren Naturschutzbehörde war ungewöhnlich, spricht aber für das Durchsetzungsvermögen von Hendrik Hollender: Als ein Politiker naturnahe Schulhöfe bauen wollte, sagte er ihm, wie man’s richtig macht. Und wurde prompt beim Kreis eingestellt. Jetzt geht Hollender in den Ruhestand.

Anfang der Achtzigerjahre, nach Studium und zweitem Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien, gab es mit der Fächerkombination Biologie und Geografie keine Stellen in Hessen. Hollender erarbeitete daher im Naturschutzzentrum Wetzlar Pläne, wie man Schulhöfe naturnaher gestaltet. Als eine Friedberger Bank Geld hierfür bereitstellte und der damalige Umweltdezernent Dr. Walter Sper in der Presse seine Ideen für die Gestaltung der Schulgärten vorstellte, legte Hollender sein Veto ein. Er schrieb Sper einen langen Brief und erläuterte ihm, warum dessen Konzept scheitern musste. "Die Folge war eine Einladung ins Kreishaus und die Offerte, zunächst einmal im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme das Projekt für den Kreis umzusetzen", erinnert sich Hollender.

Der behördliche Naturschutz steckte damals noch in den Kinderschuhen. "Mitte der 1980er Jahre war die halbe UNB auf ABM-Basis beschäftigt", erinnert sich Hollender. "Organisatorisch waren wir mit der Abfallwirtschaft verbunden." Mit seinen Kollegen arbeitete in einer umgebauten Wohnung in der Kaiserstraße 128. Am ersten Arbeitstag, dem 1. April 1985, musste erst einmal ein Platz gesucht werden, wo er seine sieben Sachen ausbreiten konnte.

An eine Einführung oder gar Einarbeitung war gar nicht zu denken. Der Amtsleiter wies ihm seinen Platz zu und sagte freundlich: "Mach mal!"

Rund 25 Schulgärten gestaltet

Zum Ende des Monats geht der dienstälteste Mitarbeiter der Fachstelle Naturschutz und Landschaftspflege in den Ruhestand. Er hätte schon früher gehen können, mit 65 Jahren und drei Monaten arbeitete er länger als nötig. "Ich bin gerne hierher gekommen. Mir hat das Freude gemacht."

Hendrik Hollender hat nach dem Abitur Biologie und Geografie in Gießen studiert. 1978 heiratete er, und als seine Frau Friederun eine Stelle an der Augustinerschule bekam, zog die junge Familie nach Friedberg. Die Frau unterrichtete, der Mann plante Schulgärten. "Rund 25 waren es, bei denen ich oft selbst Hand angelegt habe. Manche sind Baumaßnahmen zum Opfer gefallen, andere wie der Schulgarten an der Frauenwaldschule sind heute noch zu bewundern."

Die Sensibilität für den Naturschutz sei damals geringer gewesen. "Das fing mit der Ausweisung des Landschaftsschutzgebietes ›Auenverbund Wetterau" an, wo wir Widerstände aus der Landwirtschaft zu überwinden hatten." Große Unterstützung sei vom ehrenamtlichen Naturschutz gekommen, vor allem von Karl Winther und Alfred Leiß, denen es zu verdanken sei, dass der Naturschutz in der Wetterau ernst genommen wurde. Das war auch nötig. Der Storch war aus der Wetterau verschwunden, Biber und Wildkatze waren seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen worden, der Greifvogelbestand war erheblich reduziert. Nur wenn man sich diese Situation vor Augen führe, könne man auch die Erfolge des Naturschutzes über die Jahre hinweg ermessen. Die politische Sensibilität für den Naturschutz bekam 1985 mit der Bildung der ersten rot-grünen Koalition auf Kreisebene einen erheblichen Schub.

"Heute muss eine Vielzahl von Gesetzen und Verordnungen umgesetzt werden, vor allem von der Europäischen Union und vom Bund. Das muss man mit Augenmaß machen", betont Hollender und nennt als Beispiel die Einführung von FFH-Gebieten (Flora-Fauna-Habitat), durch die Grünlandgebiete in der Wetterau unter Schutz gestellt wurden. Hollender: "Durch die Kooperation mit der Landwirtschaft haben wir es geschafft, dass die Landwirte selbst Flächen zur Ausweisung angeboten haben. Dieses vertrauensvolle Miteinander statt Gegeneinander ist ein Kennzeichen des Naturschutzes in der Wetterau. Da haben wir anderen Landkreisen so manches voraus." Die Erfolge kann man sehen. Hollender nennt als Beispiel die deutliche Reduzierung von Hochwasserereignissen. "Das ist ein eindeutiger Erfolg der Renaturierung von Flüssen und der Ausweisung von Retentionsräumen, in denen sich Hochwasser in den Auenlandschaften ungestört verbreiten kann."

Ärger mit einem Rosenbauer

Wenn Hollender nun in den Ruhestand geht, nimmt er auch viele Geschichten mit. "Mitte der 1980er Jahre wurde ich von einem Rosenbauern in Steinfurth bedroht, weil ich ihn daran hindern wollte, den Rosenschnitt am Bahndamm zu verbrennen. Oder der Pfarrer aus Altenstadt, der mit einer Plastiktüte voller toter Mücken ins Büro gerannt kam und rief: Jetzt müssen Sie endlich handeln!" Dass Hollender im "Ruhestand" nicht untätig bleibt, weiß, wer ihn kennt. Seit fast 30 Jahren gehört er dem Friedberger Stadtparlament an, seit 2001 ist er Stadtverordnetenvorsteher und somit Erster Bürger der Kreisstadt. Ein Amt, das dem ausgeglichenen Vermittler bestens steht. Mehr Zeit wird er auch für Haus, Garten und Hund haben und für sein Engagement in der evangelischen Kirchengemeinde. "Außerdem werde ich mich jetzt noch etwas mehr im Haushalt engagieren", verspricht er.

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