In Anbetracht steigender Heizkosten rät Mieterbund-Vorsitzender Michael Klaus dazu, wenn möglich, sich die Summe der zu erwartenden monatlichen Kostensteigerung beiseite zu legen.
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In Anbetracht steigender Heizkosten rät Mieterbund-Vorsitzender Michael Klaus dazu, wenn möglich, sich die Summe der zu erwartenden monatlichen Kostensteigerung beiseite zu legen.

Wetterau: Mieterbund-Vorsitzender im Gespräch

Heizkosten: Wie können Wetterauer ein „böses Erwachen“ möglichst vermeiden?

  • Christoph Agel
    VonChristoph Agel
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Welche Sorgen machen sich Wetterauer, die zur Miete wohnen, angesichts steigender Energiekosten? Michael Klaus, Vorsitzender des Mieterbundes Friedberg und Wetteraukreis, hat Antworten.

Friedberg – Es dürfte teuer werden, und deshalb sollte man schon jetzt Geld beiseitelegen - wenn es einem möglich ist. Das rät Michael Klaus, Vorsitzender des Mieterbundes Friedberg und Wetteraukreis. Im Nachgang zu dem am Dienstag in der WZ erschienenen Artikel über steigende Nebenkosten und die Mitteilung des Energieversorgers Ovag, erstmal keine neuen Gaskunden anzunehmen, spricht Klaus über Mieter-Sorgen mit Blick auf die kommenden Monate.

Bisher keine Fragen von Wetterauer Mietern: Heizkosten im Jahr 2020 noch deutlich gesunken

Noch würden sich keine Mitglieder wegen der steigenden Energiepreise an ihn wenden, was auch daran liege, dass sich die Preissteigerung noch nicht in den Nebenkostenabrechnungen niederschlage. »Aktuell geht es ja um die Nebenkostenabrechnungen, die sich auf das Jahr 2020 beziehen, teilweise geht es auch noch um Abrechnungen aus der Zeit davor. Tatsächlich sind die Heizkosten etwa im Jahr 2020 deutlich gesunken«, erläutert Klaus. »Der Beratungsbedarf ist im Regelfall erst gegeben, wenn die konkreten Abrechnungen vorliegen.«

Um ein »böses Erwachen« im nächsten Jahr nach Vorlage der Abrechnung 2021 zu vermeiden, sollte jeder, so lautet der Rat des Mieterbund-Vorsitzenden, seine letzte Jahresabrechnung, also im Regelfall die über das Kalenderjahr 2020, hinsichtlich des Heizkostenanteils genauer ansehen. »Werden in einer Liegenschaft Raumwärme und Warmwasser über eine Zentralheizung hergestellt und diese etwa mit Öl betrieben, kann von einer signifikanten Kostensteigerung bei angenommenem gleichen Verbrauch ausgegangen werden«, sagt Klaus.

Rechenbeispiel in Sachen Heizkosten – Ein Blick auf die letzte Abrechnung der Wetterauer kann helfen

»Konnte man Öl im November 2020 für 40 Cent kaufen, liegen wir im Moment bei doppelt so viel.« Damit werde sich nicht der Heizungs- und Warmwasseranteil verdoppeln, weil auch Öl aus dem Vorjahr verbraucht werde, aber von einer Steigerung des Heizkostenanteils von 30 Prozent könne schon ausgegangen werden. Klaus weiter: »Mithin dürften die bisherigen Vorauszahlungen auf die Nebenkosten an den Vermieter nicht ausreichen, wenn die Abrechnung bislang ›glatt‹ aufgegangen war, erst recht nicht, wenn schon immer hohe Nachzahlungen zu erbringen waren.«

Deshalb rät Michael Klaus: »Wenn möglich, sollte man daher ab sofort für Heizung und Warmwasser die Vorauszahlungen für sich und bei sich selbst zusätzlich ansparen. Haben also die Heizkosten in 2020 ca. 1000 Euro ausgemacht, sind das monatlich ca. 83 Euro gewesen. Ausgehend von 1300 Euro bei gleichem Verbrauch, wären dann aktuell ca. 110 Euro anzunehmen. Die 30 Euro Differenz sollte versucht werden, monatlich zusätzlich anzusparen.«

Bei der Versorgung der Heizanlage mit Gas sehe er aktuell weniger Probleme, sagt Klaus. Das Gas, das jetzt verbrannt werde, sei schon Jahre vorher geordert worden - zu einem (niedrigeren) Preis.

Wetterauer Mieterbund-Vorsitzender: »Es darf nicht sein, dass ein Haushalt ohne Strom oder Gas bleibt.«

Welche Nebenkosten bereiten dem Experten am meisten Sorgen? Auf Dauer treibt ihm die Versorgung mit Öl, was die Preise anbetrifft, Sorgenfalten auf die Stirn. Bezüglich der Gaspreise macht sich Klaus weniger Gedanken, beim Strom schon eher. Die Firmen, die kurzfristig kaufen und spekulieren, dürften nach Ansicht des Mieterbund-Vorsitzenden das Problem sein - wenn sie Verträge kündigten, bevor sie insolvent würden, und der Gekündigte dann zunächst keinen Anbieter finde. »Das darf aber nicht sein. Die Grundversorger haben einen Auftrag, nämlich die Grundversorgung sicherzustellen, deshalb sind sie auch Ersatzversorger dann, wenn ein Anbieter ausfällt. Es darf nicht sein, dass ein Haushalt ohne Strom oder Gas bleibt.«

Nebenkosten hängen nicht nur davon ab, ob man sich öfters mal zehn Minuten einfach das heiße Duschwasser über den Rücken prasseln lässt, sondern beispielsweise auch davon, wie das Haus gedämmt ist. Wie sieht es da bei den Mitgliedern des Mieterbundes Friedberg und Wetteraukreis aus? »Hierzu haben wir keine Zahlen. Aber klar ist, dass Altbauten aus der Gründerzeit mit 3,60 Meter hohen Decken eine andere Heizmenge benötigen als ein modernes Wohnsilo«, sagt Michael Klaus. »Aber auch hier gibt es eine geteilte Welt. Ein Altbau, der hochmodernisiert wurde, hat einen anderen Ertrag (Miete) und der, der ihn zahlt, ist für Heizkostensteigerungen weniger empfindlich. Die - sagen wir - vernachlässigten Gebäude haben andere Bewohner, die Steigerung der Öl- oder Gaskosten kann ein Problem werden, auch bei älteren Mietwohnungen aus den 60er/70er Jahren, wo nichts oder wenig veranlasst wurde.«

Was sich Michael Klaus von der Politik wünscht

Nebenkosten sind nicht nur ein privates, sondern auch ein politisches Thema. Was wünscht sich Mieterbund-Vorsitzender Michael Klaus also von der Politik? »Wenn es Kostensteigerungen gibt, geben muss, dann sollte klargemacht werden, wofür die Kostensteigerungen anfallen, sonst wird auf Dauer das Verständnis fehlen.« Ein Beispiel seien die Leitungen für den Windenergie-Transport von Nord nach Süd. Die kosten Geld. »Es muss klargemacht werden, dass bestimmte Projekte einen bestimmten Anteil einer Erneuerbaren-Energie-Umlage auffressen, sonst bleibt der Eindruck, es ginge nur ums Abkassieren.«

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