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Sie erfinden bekannte Songs nahezu neu: Die große Spielfreude dabei ist Sven Linus Richter (l.) und Nils Hofmann anzusehen.

Heavy Metal auf der Mandoline

  • VonHarald Schuchardt
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Friedberg (har). Mit Heavy Metal und Hard Rock startete am Samstagabend die zweite Ausgabe der Veranstaltungsreihe »Sommer im Rathauspark«. Diese war im Vorjahr angesichts der Pandemie-Bedingungen vom städtischen Kulturservice und Thyssen Entertainment innerhalb weniger Wochen organisiert worden und zu einem großen Erfolg geworden.

»Der Wettergott ist uns treu geblieben«, meinte Bürgermeister Dirk Antkowiak, der in seiner kurzen Eröffnungsrede allen städtischen Mitarbeitern, »die hier herumwuseln« für ihr Engagement dankte. Dann ging es auch schon los mit dem etwas anderen Heavy-Metal-Abend, bei dem nicht nur die dank Metallica- oder Motörhead-Shirts erkennbaren Fans dieser lauten, schnellen Musik ihren Spaß haben.

Das dem so war, dafür zeichnete das Wetzlarer Trio »Mandowar« verantwortlich. Nils Hofmann, Joe Schulz und Sven »Linus« Richter spielen als »Gods of Folk« die bekannten Metal-Hits, aber auch Rockklassiker und einiges mehr auf Mandoline, Westerngitarre und einem kleinen viersaitigen Gitarrenbass. Der Bandname ist eine Hommage an die 1980 gegründete Metal-Band »Manowar«, die mit »Warriors of the World« ihren größten Erfolg hatten. »Den haben die von uns geklaut, so wie all die anderen auch«, meint Gitarrist und Sänger Nils Hofmann, der im Laufe des Abends immer wieder betonte, wie glücklich die drei sind, nach langer Pause erstmals wieder auf einer Bühne stehen zu können. Die Spielfreude und der Spaß am Musizieren waren den dreien auch jederzeit anzumerken, bei den Besuchern war es nicht anders. Es wurde mitgesungen, mitgeklatscht und immer wieder »Hee Haw« gerufen oder anderen Anweisungen Hofmanns gefolgt.

Das seit einem Auftritt im Jahr 2013 wackenerprobte Country-Folk-Metal-Trio erfindet bekannte Songs geradezu neu, gespickt mit viel Country. Da macht es einfach nur Spaß, »Whole lotta Rosie« von AC/DC in atemberaubendem Tempo und fantastischem Mandolinen-Solo von Richter zu hören.

Schlager und Volkslieder

»Wir haben halt viele Welthits« geschrieben« witzelt Hofmann, der sich mit Richter so manches Rededuell liefert. Richter: »Ich bin hier nur der Praktikant«. Dagegen steht Bassist Joe Schulz nahezu regungslos dabei und sagt im Verlauf des Abends höchstens drei Sätze. Umso mehr begeistert er mit seinem hochkarätigen Bassspiel. Die Kultband Nirvana bezeichnet Hofmann schon mal als »Geburtstagskapelle« um dann deren »Smells like teen spirit« in einer »für Friedberg angepassten Textversion« zu spielen.

Doch die musikalische Reise des Trios geht auch in andere Musikgenre. Country-Hits wie Johnny Cashs »Lonesome Prison« oder »Ghost Riders in the Sky« gehören natürlich dazu. Michael Jacksons Superhit »Billy Jean« wird zum »Country-Headbanger«, und ihre Version von Depp Purples »Highway Star« widmen Mandowar allen Motorrad- und Traktorfahrern.

Schließlich wird eine Glocke geläutet, und die Metalfans wissen, was kommt: »Hells Bells« von AC/DC. Doch sie werden erst einmal enttäuscht. Das Trio singt »Merci Cherie« von Udo Jürgens, um festzustellen: »Das ist der falsche Song.« Dann geht wieder die Post ab.

Immer wieder streuen die drei bekannte Segmente aus Schlagern oder Volksliedern in ihre Songs ein. Schließlich erinnern sie noch an zwei Menschen, die nicht mehr unter uns weilen. Einer ist der unvergessene Lemmy Kilmister, der 2015 verstorbene Frontmann von Motörhead: Der andere ist Mandowar-Gründungsmitglied Tom Launhardt. Ihm widmen sie mit Led Zeppelins »Stairway to Heaven«, die einzige Ballade des Abends.

Ein Höhepunkt war die »Weltpremiere« von »Hey Joe«, was allerdings nichts mit dem gleichnamigen Jimi-Hendrix-Titel zu tun hat. Um was es in dem Song geht, lösen die drei mit »Hey Joe, spann den Wagen an« schließlich auf.

Nach zwei Stunden endet die Country-Metal-Rock-Melange mit Hofmanns »Drohung«: »Wir kommen wieder« und zwei Zugaben. »Ihr habt uns einen unvergesslichen Abend beschert«, meinte Hofmann und bekam die vielstimmige Antwort: »Ihr uns auch.«

Mit stoischer Ruhe und scheinbar unbeteiligt zupft Jo Schulz seinen Gitarrenbass.

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