"Voller" Hörsaal in Zeiten von Corona: In Friedberg haben Erstsemesterstudierende einander, ihre Professoren und ihren Campus "live" kennengelernt.	FOTO: THM
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»Voller« Hörsaal in Zeiten von Corona: In Friedberg haben Erstsemesterstudierende einander, ihre Professoren und ihren Campus »live« kennengelernt. FOTO: THM

Ein Hauch von Normalität

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Friedberg (pm). Ein halbes Dutzend Erstsemesterstudierende trottet hinter Prof. Klaus Behler durch den Friedberger Herbstregen. Es wäre ein fast trostloses Bild für den ersten Tag an der neuen Hochschule, der für viele junge Menschen auch der erste Tag eines ganz neuen Lebensabschnitts ist. Würden nicht die Masken über Mund und Nase daran erinnern, dass es außergewöhnliche Zeiten sind. Und der »Live-Semesterstart« ein außergewöhnliches Zeichen, ein Hauch von Normalität.

»Wir fanden es wünschenswert, wenn man die Begrüßung in Präsenz macht«, sagt Prof. Werner Jürgens, wie Behler vom Fachbereich Mathematik, Naturwissenschaften und Datenverarbeitung (MND) in Friedberg. Das wegen der Pandemie ohne großen Vorlauf digitalisierte Sommersemester habe einigen Studierenden ein Gefühl der Vereinzelung gegeben - gerade jenen, die nicht selbst aus der hiesigen Region stammen, sich an den Studienorten nicht schon auskennen. »Es ist doch wichtig, dass man die Hochschule, die Professoren und die Kommilitonen kennenlernt«, sagt Professor Werner Jürgens. Das vom Hessischen Wissenschaftsministerium angestrebte hybride Wintersemester bietet dafür die Gelegenheit.

An der THM finden die Einführungswochen für die knapp 3300 »Erstis« an den drei Standorten Gießen, Friedberg und Wetzlar weitgehend digital statt. Doch einzelne Tage stehen den Fachbereichen zum Kennenlernen vor Ort zur Verfügung. »Aber wie will man das mit 100 Studierenden hinkriegen?«, fragt Jürgens rhetorisch. Antwort: gar nicht. Die Studiengänge Physikalische Technik sowie Medizinische Physik und Strahlenschutz, deren Erstsemester zunächst gemeinsam studieren, profitieren davon, dass sie so klein sind. Gerade einmal 15 junge Menschen sitzen nach dem Spaziergang durch den Regen weit entfernt voneinander im Hörsaal und lauschen Prof. Klaus Behlers Vortrag zum »Arbeitsschutz«, der noch keine echte Vorlesung ist, sondern eher eine Einleitung ins Studium. Wie sie dieses Studium organisieren, wer Fragen zu Finanzierung oder Bafög beantworten kann, wo sie in Friedberg was finden, wie die Bibliothek funktioniert, das haben die Studierenden in ihrer Einführungswoche, die in diesem Wintersemester ein Einführungsmonat ist, digital erfahren. Und digital wird auch der überwiegende Teil der Lehre bleiben.

Anwesenheit in Laboren wichtig

Wo es die Corona-Regeln aber erlauben, soll in kleinen Gruppen auch in Präsenz gearbeitet werden. Insbesondere in den Laboren ist das mittelfristig unumgänglich, die praktische Vermittlung für ein erfolgreiches Studium schlicht nötig. »Üblicherweise sind wir mit maximal 15 Studierenden im Labor«, sagt Prof. Werner Jürgens. Nun sollen es höchstes zehn sein, verteilt auf mehrere Räume, die entsprechend häufig gelüftet werden. Für Präsenzveranstaltungen stehen den Fachbereichen zudem fest zugeordnete Räume zur Verfügung - damit sich keine unnötigen Überschneidungen von Lerngruppen ergeben. Die Studierenden sollen in der Gruppe unter sich bleiben. Aber, wo möglich, wenigstens nicht mehr für sich ganz alleine.

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