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Referent Matthias Blöser sagt: »Nächstenliebe leben heißt auch: Klarheit zeigen.«

Hass und Hetze entgegentreten

Wetteraukreis (alh). Bei ihrer ersten digitalen Tagung hat die Synode des evangelischen Dekanats Wetterau einen Schwerpunkt auf das Thema Rechtspopulismus gelegt. Ziel war es, die Vertreter der Kirchengemeinden mit einem inhaltlichen Impuls dafür zu sensibilisieren, wie sie populistisch agierende Parteien, Gruppen oder Personen erkennen und ihnen begegnen können.

Da es die erste digitale Synode für das Dekanat Wetterau war, hatten die Verantwortlichen das Programm bewusst kurz gehalten. Nach einem Gottesdienst, der gemeinsam online gefeiert wurde, übernahm Referent Matthias Blöser vom Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN das Wort. In seinem Impulsvortrag ging es um die Frage, wie Gemeinden Angriffen von rechts außen auf Staat und Kirche begegnen können.

»Rechtspopulistische Haltungen und menschenrechtsverletzende Aussagen haben immer mehr Eingang in die Gesellschaft gefunden, auch in unserer Region«, begründete Dekan Volkhard Guth die Wahl des Synodenthemas. Auch Kirchengemeinden könnten als Teil des gesellschaftlichen Lebens in ihren Einrichtungen, in Begegnungen mit Gemeindegliedern oder in ihren Kirchenvorständen mit rechtspopulistischen Aussagen und Handlungen konfrontiert sein.

Christliche Werte umgedeutet

Blöser ging zunächst darauf ein, dass der Begriff Rechtspopulismus viele Facetten habe. Er hatte Beispiele von populistisch agierenden Personen und Gruppen in den sozialen Medien mitgebracht, die jüngsten im Zusammenhang mit Verschwörungstheorien rund um die Corona-Pandemie und der Bewegung der sogenannten Querdenker, die auch Kreuze und Bibelzitate auf ihren Demonstrationen nutzen. »Dabei werden christlich geprägte traditionelle Werte in eine völkisch-nationale Gesinnung umgedeutet.«

Der Referent machte Mut, dem entgegenzutreten. Es gelte, Themen wie Verschwörungsideologien, Extremismus, Antisemitismus selbstbewusst kirchlich anzugehen und kritischen Dialog zu ermöglichen, zum Beispiel in Diskussionsveranstaltungen.

Er betonte: »Die christliche Botschaft ist menschenfreundlich. Nächstenliebe leben heißt aber auch: Klarheit zeigen.« Nach christlichem Verständnis gehöre es dazu, im Gespräch mit Menschen unterschiedlicher Meinung oder Weltanschauung zu bleiben und Dialog zu ermöglichen, aber auch deutlich jeder Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu widersprechen und für Demokratie und ein gelungenes Miteinander einzutreten. Dabei gelte die Grundhaltung: »Die Person achten - menschenverachtende Äußerungen benennen und ihnen entgegentreten.«

Hass und Hetze äußern sich oft im Internet. Dort müsse man besonders achtsam sein und als Kirche dagegen vorgehen - Hass im Netz könne man mit positiven christlichen Bildern begegnen. Denn: »Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.« (2 Timotheus 1, 7)

Danach folgte der Bericht von Präses Tobias Utter. Er sprach die Regionalisierung und das Entstehen von Kooperationsräumen als einen Arbeitsschwerpunkt des Dekanatssynodalvorstands an. Außerdem berichtete er aus der Arbeit der »GüT«, der Gemeindeübergreifender Trägerschaften für Kindertagesstätten im Dekanat, die sich zum 1. Januar 2021 um fünf Kitas erweitert hat. Auch die Evangelische Familienbildung Wetterau sprach er an, die angepasst an die aktuellen Corona-Bedingungen »mit viel Kreativität versucht, das Beste aus der Situation zu machen«.

Ina Lauster-Ulrich aus der Gesamtkirchengemeinde Karben wurde mit großer Mehrheit als neue stellvertretende Kirchensynodale gewählt.

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