1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau
  3. Friedberg

Hans Karl Jung: Mit 80 noch in der Backstube

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Harald Schuchardt

Kommentare

Fast alle in Bruchenbrücken kennen Hans Karl Jung. Der Seniorchef der Bäckerei Jung steht nach wie vor täglich in der Backstube. Am Samstag nicht: der Bäckermeister feiert seinen 80. Geburtstag.

»Ich stehe jeden Morgen gegen 1 Uhr auf. Ich bin da der erste«, erzählt Hans Karl Jung, der am 29. April 1937 in Gundernhausen bei Darmstadt geboren wurde. Ein Jahr zuvor hatte sein Vater Karl Jung in dem heutigen Stadtteil von Roßdorf im Kreis Darmstadt-Dieburg eine Bäckerei eröffnet.

Zwei Jahre später zog die Familie nach Bruchenbrücken, wo Karl Jung eine Bäckerei gemietet hatte. Nach dem Krieg kaufte die Familie das Anwesen in der Bruchenbrückener Straße 30. 1963 heiratete Hans-Karl Jung seine Erika, mit der er zwei Kinder zeugte. Nachdem er in den elterlichen Betrieb eingestiegen war, firmierte die Bäckerei unter »Karl Jung und Sohn«.

So heißt sie noch heute, denn inzwischen führt Sohn Martin zusammen mit seinem Vater den Familienbetrieb, in dem auch noch Erika aktiv ist. »Ich backe alles gerne, Brot, Brötchen, Stückchen, Kuchen«, beantwortet der Jubilar die Frage, was er besonders gerne herstellt. Viele Jahre war er Mitglied im Vorstand der Bäckerinnung und im Prüfungsausschuss. »Ich habe sogar Prüfungen in der Bäckerei des Rockenberger Gefängnisses abgenommen«, erzählt Jung, der in seiner langen beruflichen Tätigkeit viele junge Männer ausgebildet hat.

Kirchenmusik als Hobby

Eigentlich hatte er in seiner Jugend ganz andere Ziele: »Ich wollte Musiker werden.« Nach der Mittlerer Reife studierte er in Frankfurt Kirchenmusik. »Damals war das noch ohne Abitur möglich«, erzählt Jung. Doch nach einem Jahr habe er sich zwischen Studium und Bäckerei entscheiden müssen. »Ich musste meinen Eltern helfen – und für viele war die Musik damals eine brotlose Kunst; Handwerk dagegen hat goldenen Boden«, sagt der Bäckermeister.

Doch die Musik, insbesondere die Kirchenmusik, ist bis heute das große Hobby des Jubilars, der nahezu jeden Sonntag die Orgel in der evangelischen Kirche seines Heimatorts spielt – und das schon seit dem 1. April 1955. Damals sprang er kurzfristig für die verhinderte Organistin ein. »Ich spielte ein zweites Mal und irgendwann eigentlich immer«, meint Jung.

Zu dieser Zeit wusste jeder in Bruchenbrücken, dass der Sohn von Bäckermeister Karl Jung eine musikalische Ader hat. Schon mit sechs Jahren spielte er erste Melodien auf dem Bandoneon seines Großvaters.

Mit acht Jahren ging er erstmals in den Klavierunterricht. Nach seiner Konfirmation wurde er Mitglied in der evangelischen Jugendgruppe, spielte Klavier und Akkordeon. In vielen Kirchen der umliegenden Gemeinden saß er an der Orgel. Mehrere Jahre war er Mitglied einer Kapelle, die in der Kaserne der US-Army aufspielte.

Wer Hans Karl Jung zu seinem runden Geburtstag gratulieren möchte, der sollte jedoch nicht in die natürlich geöffnete Bäckerei kommen, sondern in die Gaststätte der Mehrzweckhalle, wo der Bäckermeister ab 11 Uhr Glückwünsche entgegennehmen wird. Auch die Wetterauer Zeitung gratuliert ihrem langjährigen Leser und wünscht noch viele aktive Jahre in der Bäckerei.

Auch interessant

Kommentare