Urlaubsgeld für den Innenausbau: Da viele Verbraucher in der Pandemie andere Investitionsschwerpunkte als sonst setzen und lieber renovieren, können manche Handwerksbetriebe sogar ein Plus an Aufträgen verzeichnen. SYMBOLFOTO: DPA
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Urlaubsgeld für den Innenausbau: Da viele Verbraucher in der Pandemie andere Investitionsschwerpunkte als sonst setzen und lieber renovieren, können manche Handwerksbetriebe sogar ein Plus an Aufträgen verzeichnen. SYMBOLFOTO: DPA

Hoffnung auf Normalität

Handwerker für 2021 vorsichtig optimistisch

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Die Kreishandwerkerschaft des Wetteraukreises schaut nach eigenen Angaben auf ein sehr schwieriges Jahr zurück: "Die Covid-19-Pandemie, hat allen viel abverlangt - in den Betrieben genauso wie in unseren Familien.

Die Bilanz für das Handwerk ist zweigeteilt: Auf der einen Seite die Betriebe, die von Schließungen betroffen sind; für die ist das eine sehr harte Zeit. Auf der anderen Seite solche, die gut durchs Jahr kamen, zum Teil sogar Auftragszuwächse verzeichneten."

Viele Privathaushalte hätten eingespartes Geld für Urlaub in Küche, Bad, Heizung oder auch in Garten und Terrasse investiertet. Hier sieht die Kreishandwerkerschaft nach wie vor eine hohe Investitionsbereitschaft.

Branchen werden immer digitaler

Für die Betriebe, die von Lockdowns betroffen seien aber schnelle und unkomplizierte Soforthilfen notwendig. Ihre Dienstleistungen würden dringend benötigt. "Wir setzen auf die Wirkung der Impfstoffe und darauf, dass sich viele Menschen impfen lassen.

Ein weiteres Pandemie-Jahr verkraftet selbst eine starke Wirtschaft nicht", unterstrich der stellvertretende Kreishandwerksmeister Holger Winkler.

Weniger Ausbildungsanfänger

Keine Berufsberatung in den Schulen, keine Ausbildungsmessen, ausgefallene Betriebspraktika - all das habe es 2020 schwer gemacht, Betriebe und Azubis zusammenzubringen. So verzeichnete die Kreishandwerkerschaft einen deutlichen Rückgang der Zahl der Ausbildungsanfänger.

Auch die Anzahl der Ausbildungsbetriebe im Handwerk sei zurückgegangen, in Hessen um rund zwölf Prozent. Andererseits erlebten Bauberufe oder Zweiradmechatroniker hohe Nachfrage.

Praktische Überlieferung von Fertigkeiten

Geschäftsführer Matthias Fritzel: "Wir müssen den Trend, dass junge Menschen in dieser Situation mehr auf die schulische Ausbildung setzen, 2021 umkehren." Das Handwerk lebe wie kein anderer Wirtschaftszweig in Deutschland von der praktischen Überlieferung von Fertigkeiten.

Inzwischen ziehe die Digitalisierung auch hier immer mehr in das Arbeitsumfeld ein: Jeder zweite Betrieb wendet demnach Computertechnologien an. "Digitale Terminabsprachen, Arbeitsprozesse oder Bestellvorgänge machen die Arbeit effizienter, nicht zu reden von Trackingsystemen in Maschinen, Ausrüstung und Material.

Umso wichtiger ist flächendeckendes und leistungsfähiges Internet, um die Vorteile der Digitalisierung überall nutzen zu können", so Fritzel.

Bei Energiewende essenziell

Bei der Energiewende seien die Handwerksbetriebe essenzielle Umsetzungspartner. Die Pariser Beschlüsse zur CO2-Einsparung setzten voraus, dass Millionen von Häusern energetisch saniert werden.

Digitale Technologien kämen zum Einsatz, wenn es darum gehe, bei den erneuerbaren Energien Versorgungssicherheit und Versorgungseffizienz herzustellen. Hier warte viel Arbeit auf die Betriebe. "Die Kehrseite der Beschlüsse: eine Verkehrspolitik, die mit Fahrverboten und Fahrspurenverknappung das Handwerk ausbremst.

Es braucht klügere Konzepte als das. Mobilität und Kundenerreichbarkeit sind für das Handwerk eine Grundvoraussetzung, egal ob in Ballungsräumen oder in ländlichen Gebieten", mahnt die Kreishandwerkerschaft.

Mehr Frauen in Verantwortung

Zum ersten Mal wurde Anfang Dezember mit Susanne Haus eine Frau zur Handwerkspräsidentin gewählt. "Wir wünschen uns, dass andere Frauen im Handwerk das als Signal ansehen, sich ebenfalls im Ehrenamt zu engagieren.

Es gibt so viele, hervorragende Handwerkerinnen, die in ihren Betrieben ihre Frau stehen, und das nicht nur in angeblich so typischen Frauenberufen. Wir brauchen ihre Erfahrungen, ihre Stimmen, ihre Sichtweisen und ihre Ideen in den Gremien."

Fritzel und Winkler blicken vorsichtig optimistisch in das Jahr 2021 und wünschen sich, dass dieses nicht mehr so sehr im Zeichen der Pandemie steht, sondern ab dem Sommer wieder zahlreiche Veranstaltungen stattfinden können und die Betriebe bei den Arbeitsabläufen und dem Personaleinsatz wieder zu einer gewissen Normalität zurückkehren können.

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