Über 400 Jahre Mohren-Apotheke freuen sich (v. l.): Andreas Ruhrig, Hans-Dietrich Kathari, Kerstin Podszus und Bürgermeister Dirk Antkowiak.
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Über 400 Jahre Mohren-Apotheke freuen sich (v. l.): Andreas Ruhrig, Hans-Dietrich Kathari, Kerstin Podszus und Bürgermeister Dirk Antkowiak.

„Hofapotheke zum Mohren“

„Bleiben Sie standhaft“: Viel kritisierte Mohren-Apotheke in Friedberg vor 400 Jahren eröffnet

  • VonHarald Schuchardt
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Die Mohren-Apotheke in Friedberg hat die halbe Stadtgeschichte miterlebt. Nun wurde ihr Jubiläum gefeiert.

Friedberg – Vor 400 Jahren ist die »Hofapotheke zum Mohren« eröffnet worden. Noch bis Samstag wird das Jubiläum in und vor der Apotheke an der Ecke Haagstraße/Elvis-Presley-Platz groß gefeiert. Die ersten 300 Jahre befand sich die »Apotheke zum Mohren« direkt neben der Apotheke »Zum Engel« an der Ecke Apothekergasse/Kaiserstraße. Im Jahre 1908 verlegte der damalige Apotheker Albert Gennes sein Geschäft an den jetzigen Standort, also in das Haus Kaiserstraße 104. Seit 102 Jahren befindet sich die Apotheke im Besitz der Familie Podszus.

1919 kaufte Apotheker Fritz Eduard Podszus aus dem ostpreußischen Quettenau die Apotheke. Nach Kriegsdienst und Studium stieg 1952 dessen Sohn Hans Podszus in das väterliche Geschäft ein. Er führte dies bis 1992, verpachtete es dann für zehn Jahre an Apotheker Rolf-Dieter Dietz. Die Apotheke blieb jedoch in Familienbesitz, da Dr. Kerstin Podszus, die Enkelin von Hans Podszus, bereits 1990 ihr Pharmaziestudium an der Philipps-Universität in Marburg begonnen hatte.

Mohren-Apotheke in Friedberg: Medizinschrank ist ein Hingucker

Ihr Ziel war es, die Mohren-Apotheke zu übernehmen und so die Familientradition fortzuführen, was sie vor genau 20 Jahren in die Tat umsetzen konnte. Nach dem Einstieg in die Apotheke gab es im Sommer 2002 einen großen Umbau. Gemäß ihrem Motto »Tradition hat Zukunft« wurden Verkaufsraum und Nebenräume nach modernen Gesichtspunkten saniert und erneuert, aber auch traditionelle Elemente, wie alte Apothekergefäße, findet der Kunde im Verkaufsraum. Ein Hingucker ist ein alter Medizinschrank, platziert zwischen Eingangstür und Verkaufsbereich. Aktuell beschäftigt die Apothekerin 13 Mitarbeiter, teilweise in Teilzeit. Spezialisiert hat sich Podszus auf Naturheilmittel, Tiergesundheit und Mikronährstoffe.

Am Mittwochvormittag wurden die Jubiläumsaktivitäten mit einem kleinen Empfang offiziell eröffnet. Dazu hatte die Inhaberin neben anderen auch Bürgermeister Dirk Antkowiak und Hans-Dietrich Kathari, den stellvertretenden Vorsitzenden des Gewerbevereins Region Friedberg, zusammen mit Beisitzer Andreas Ruhrig begrüßt. Antkowiak gratulierte im Namen des Magistrats, aber auch für die ganze Stadt, denn »wir sind sehr froh, dass wir sie als eine der Urapotheken in der Stadt haben«. 400 Jahre Mohren-Apotheke bedeute, dass diese die Hälfte der 800 Jahre alten Stadtgeschichte miterlebt habe, erläuterte der Bürgermeister. »Es ist schon spannend, dass die Apotheke in den letzten 100 Jahren von drei Generationen einer Familie geführt wurde«, sagte er und stellte fest, dass die Apotheke in ihrer lange Geschichte viele Höhen und Tiefen erlebt habe.

Mohren-Apotheke in Friedberg: Auch Streit um den Namen ein Thema

In diesem Zusammenhang ging Antkowiak auf die aktuelle Diskussion und die Proteste bezüglich des Namens der Apotheke ein, den einige als rassistisch einstufen. Antkowiak zu Podszus: »Bleiben Sie Ihren Prinzipien treu und bleiben Sie standhaft.« Das werde sie tun, sagte Podszus in ihren Dankesworten, bevor sie die Gäste mit zwei »Relikten« aus der Geschichte der Apotheke überraschte. Zum einen präsentierte sie die Original-Urkunde, in der »Erzherzog Ernst-Ludwig von Hessen und bei Rhein« den damaligen Inhaber Wilhelm Georgi im Jahre 1892 »allerhöchst« zum Hof-Apotheker ernannt hatte. Zum anderen war es die Glasscheibe, die sich bei der Eröffnung der Apotheke im Jahre 1908 am jetzigen Standort in der Eingangstür befunden hatte.

Der Feier schloss sich ein Naturheilkundetag an, bei dem Neuigkeiten aus der Naturmedizin im Mittelpunkt standen. Am Donnerstag war der »Tag der Tiere«, an dem sich Hundebesitzer Pfoten- und Nasenabdrücke von ihren Vierbeinern anfertigen lassen können.

Heute gibt es ab 15 Uhr Kaffee und Kuchen für die Stammkunden. Die Jubiläumswoche schließt am Samstag mit einem Kindertag. Von 14 bis 17 Uhr wird neben Workshops zur Herstellung von Salben auch eine Rallye durch die Apotheke angeboten. Bereits seit einigen Tagen läuft eine Tombola, deren Erlös für den Arbeitskreis Demenz Wetterau bestimmt ist. In einem Fotowettbewerb werden ferner »Stars auf vier Pfoten« gesucht.(har)

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