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Haiti-Kinder-Hilfe: Vom Waisenhaus ist nur ein Trümmerhaufen übrig

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Friedberg (ini). Hilfe für Haiti - das gilt für viele Friedberger nicht erst seit dem verheerenden Erdbeben am 12. Januar. Schon seit elf Jahren unterstützt der Ökumenische Eine-Welt-Kreis die Haiti-Kinder-Hilfe; mehrfach war Vereinsgründerin Marie Josée Laguerre in Friedberg, um über ihre Projekte zu berichten. Seit einigen Tagen ist Laguerre in Haiti. Ihr Bericht: Viele Einrichtungen wurden zerstört, für den Wiederaufbau werden Spenden benötigt.

»Es ist schlimmer, als in den Nachrichten gezeigt wird«, schrieb die gebürtige Haitianerin, die seit 30 Jahren in Deutschland lebt, nun per E-Mail. Nahrung, Trinkwasser und medizinische Versorgung fehlten, Leichen verwesten auf der Straße, der Gestank sei allgegenwärtig. Die Reise auf die Karibikinsel war schon länger geplant. Eigentlich wollte Laguerre am 11. Januar fliegen, doch dieser Flug wurde gestrichen. »Zum Glück, denn dann läge Laguerre jetzt unter den Trümmern des Knabenheims in Trichet«, berichten Mechthild Kreißl und Günter Peters vom Eine-Welt-Kreis. Das Knabenheim in einem Vorort von Port au Prince, in dem mehr als 60 Waisenkinder lebten, war gerade erst renoviert worden. Jetzt ist nur noch ein Haufen Schutt übrig. Mindestens acht Kinder und ein Betreuer kamen ums Leben.

Auch weitere Projekte der Haiti-Kinder-Hilfe wurden durch das Erdbeben in Mitleidenschaft gezogen. Das Gebäude der Schule Beth-El in Port au Prince, in der 930 Kinder unterrichtet wurden, zeigt Risse. Trotzdem, so Laguerre, hätten dort mehrere obdachlose Familien Zuflucht gesucht. Zwei weitere Schulen für Kinder, die als Dienstmägde und Knechte in reichen Familien arbeiten, wurden ebenfalls zerstört, über die Krankenstation in Port au Prince gibt es bisher keine Nachrichten.

Seit 26 Jahren engagiert sich die Haiti-Kinder-Hilfe für eine Verbesserung der Lebenssituation der Kinder in dem Land, das zu den ärmsten in der Welt gehört. Etwa 80 Prozent der Bevölkerung sind Analphabeten, die Arbeitslosenquote liegt in etwa gleicher Höhe, und mehr als drei Viertel der Bevölkerung müssen von einem Einkommen von weniger als 2 US-Dollar pro Tag leben. Bildung ist eines der Schlüsselworte für ein besseres Leben. Deshalb baute und betreibt die Haiti-Kinder-Hilfe Schulen, bietet Waisen in Heimen ein neues Zuhause und baut Krankenstationen auf. Alles nicht einfach in einem Land, in dem auch ohne Naturkatastrophen Bandenkriminalität und Gewalt den Alltag bestimmen. »Marie Josée Laguerre kann die Landessprache, kennt die Gepflogenheiten und hat enorm viel Energie«, nennt Peters die Faktoren, die die Hilfsorganisation auch unter schwierigsten Bedingungen arbeiten ließen.

»Geld kommt direkt vor Ort an«

Zurzeit steht die Soforthilfe im Vordergrund. Die Grundausstattung einer Krankenstation, die in Cap Haitien aufgebaut werden soll, wurde nach Port au Prince umgeleitet. Airbus stellte einen kostenlosen Transportflug zur Verfügung. Am Freitagmorgen wurden zehn Tonnen Hilfsgüter in die Karibik geflogen - Medikamente, chirurgische Instrumente, Zelte, Nahrungsmittel und ein Labor. Schnellstmöglich soll auch der Schulbetrieb, in Zelten, wieder aufgenommen werden. Das kostet viel Geld, doch die Spendenbereitschaft ist hoch. Allein am vergangenen Wochenende erbrachten die Kollekten der katholischen Kirchengemeinden Friedberg, Ockstadt und Rosbach sowie der evangelischen Kirche und der Stadtmission rund 7000 Euro. »Das Geld kommt dank der guten Verbindungen Laguerres in voller Höhe und direkt an«, versichert Peters. Weitere Spenden werden benötigt und können auf das Spendenkonto der Haiti-Kinder-Hilfe bei der Sparda Bank München (BLZ 700 905 00, Konto-Nr. 1022180) eingezahlt werden. Spendenquittungen werden auf Wunsch erstellt. Gesucht werden auch medizinische Geräte.

Infos im Internet unter , Ansprechpartner in Friedberg ist Günter Peters, Telefon 0 60 31/6 28 10 oder E-Mail Guenter-Peters@gmx.net.

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