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Jochen Ruths, hier in seinem Bekleidungsgeschäft an der Friedberger Kaiserstraße, darf wieder Kunden empfangen - ohne Terminvereinbarung und ohne Corona-Test.

Händler und Wirte atmen auf

  • vonDPA
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Diesen Tag haben Handel und Gastwirte lange herbeigesehnt: Dank niedriger Infektionszahlen dürfen in der Wetterau Geschäfte, Restaurants und Cafés wieder Kunden und Gäste bedienen. Weitere Landkreise könnten bald folgen. Doch es gibt auch mahnende Stimmen.

Die Erleichterung ist groß bei Jochen Ruths: Nachdem die Wetterau hessenweit als erster Landkreis die zweite Stufe der Corona-Lockerungen erreicht hat, dürfen wieder Kunden in sein Modekaufhaus zum Shopping kommen - ganz spontan, ohne Corona-Test, nur die FFP2-Maske ist noch Pflicht.

Wie alle Textilhändler musste Ruths, der auch Präsident des Handelsverbandes Hessen ist, seine beiden Geschäfte in Friedberg und Bad Nauheim fünf Monate lang geschlossen halten. Fast während der gesamten Zeit war nur OnlineGeschäft möglich. »Aber das ist kein Lebensinhalt - 10 000 Päckchen packen und 6000 wieder auspacken«, sagt Ruths mit Blick auf die vielen Retouren im Versandhandel.

Der Neustart jetzt lasse auf eine Rückkehr zur Normalität für die gesamte Branche in Hessen hoffen. Die staatlichen Hilfen seien zwar besser als nichts gewesen, doch mit den üblichen Umsätzen nicht zu vergleichen. Vor allem aber habe der persönliche Kontakt mit den Kunden gefehlt, sagt Ruths. Zuletzt konnten die per »Click & Meet« einen Termin im Geschäft ausmachen und dort einkaufen - dank Bundesnotbremse, die für den Handel in Hessen sogar Erleichterungen brachte. Zur Überbrückung sei das zwar ein positiver Schritt gewesen, doch habe die Pflicht zum vorherigen Corona-Test viele Kunden vom Gang in die Geschäfte abgehalten.

Auch innen wieder essen und trinken

Und wie sieht es in der Gastronomie aus? Noch zu Beginn der Lockerungen hatten viele Wirte zunächst abgewunken - zu hoch sei der Aufwand, neben der Erhebung von Gästedaten auch noch Corona-Tests sowie Impfnachweise zu kontrollieren. Das entfällt mit dem Erreichen der Stufe zwei jetzt im Wetteraukreis für die Außengastronomie. Zusätzlich dürfen sich die Gäste unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln auch drinnen wieder ein Essen bestellen oder ein Getränk servieren lassen, wenn sie einen tagesaktuellen Corona-Test vorlegen.

Damit dürften die Geschäfte bald wieder in Schwung kommen, hofft Hauptgeschäftsführer Julius Wagner vom Branchenverband DEHOHGA Hessen. Dafür sprächen auch die zahlreichen Reservierungen in den Wetterauer Lokalen: »Die Buchungslage ist ausnehmend gut«, sagte Wagner. Mit dem Öffnen der Innenräume seien die Betriebe jetzt nicht mehr witterungsabhängig.

Kommunen und Ordnungsämter sehen die sinkende Zahl der Neuansteckungen, die mit Erleichterungen für Bürger, Handel, Gastronomie und weitere Bereiche verbunden sind, mit Freude, finden teils aber auch mahnende Worte.

In Bad Nauheim haben die Ordnungshüter die Erfahrung gemacht, dass die meisten Gewerbetreibenden und Gastronomen auch angesichts der Lockerungen nichts falsch machen wollen - um Bußgelder zu vermeiden und wiedergewonnene Freiheiten nicht aufs Spiel zu setzen, wie es von der Stadt heißt. Deshalb sei hauptsächlich Aufklärungsarbeit gefragt, da die Bürger viele Fragen zur Handhabung der Lockerungen hätten. Unvorsichtig seien die Menschen aber nicht geworden - eher im Gegenteil: »Vermutlich aufgrund der zuletzt doch sehr lang anhaltenden Schließungen ist auch bei den Bürgern eine gewisse Besonnenheit beim Umgang mit den ›neuen‹ Freiheiten zu beobachten«, erklärte die Stadt.

Bei aller Erleichterung über die Öffnungsmöglichkeiten bleibt im Handel auch die Sorge um diejenigen, die die Corona-Krise wirtschaftlich nicht überstehen. Gerade im stationären Textilhandel in den Innenstädten liefen die Geschäfte schon vorher schleppend - und die Lage dürfte sich weiter verschärfen, erwartet Ruths. Besonders schwer hätten es Anbieter mit großen Verkaufsflächen in den Großstädten, wo hohe Mieten zu schultern seien. Auch nach der Pandemie sei deshalb mit weiteren Filialschließungen zu rechnen, erwartet der Präsident des Handelsverbandes Hessen.

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