Häme und Beschimpfungen nach Flüchtlingsaktion

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Friedberg (jw). Ein Shitstorm ist laut Duden ein »Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht«. Bei einem Shitstorm wird ein Kübel Häme über andere Menschen ausgegossen. So ergeht es gerade dem Internationalen Zentrum Friedberg (IZF), das am Samstag auf dem Elvis-Presley-Platz mit 40 symbolischen Stühlen auf die unmenschlichen Zustände in Flüchtlingsl agern in Griechenland aufmerksam machte.

»Die haben sie nicht mehr alle«, schreibt ein Facebook-Nutzer, der - wie nicht wenige andere Nutzer - seinen Namen und seinen Wohnort nicht preisgibt. »Henry Krause« aus Pforzheim empfiehlt den Teilnehmern »Basejumping ohne Fallschirm«, Volker Schrottenbaum schreibt: »Ach die Gutmenschen sind wieder mal am Start, nur noch lächerlich.«

Gegenargument: Corona-Pandemie

Es werden aber auch Fakten angeführt: »Wir haben Corona. Viele Leute bangen um ihre Existenzen. Obdachlose hungern und frieren«, schreibt Alexander Zahrt. Zigfach wird der Rat an die Demonstranten wiederholt, die »humanen Stuhlaufsteller« sollten doch die Kosten für die Unterkunft der Flüchtlinge tragen. Humanität hat als Wert ausgedient.

»So einen Shitstorm haben wir noch nicht erlebt«, sagt Johannes Hartmann vom IZF. Er kann über die »Stimmungsmache« nur den Kopf schütteln. »Gemessen an dem, was den Flüchtlingen in den Lagern passiert, geht es uns doch sehr gut, selbst denen, denen es schlecht geht. Man sollte hier ein bisschen Empathie walten lassen«, sagt Hartmann.

»Die Flüchtenden in den Lagern sind vom Tode bedroht, Kinder stecken sich mit schlimmsten Krankheiten an, niemand kümmert sich um sie. Als zivilisierter Mensch und vor dem Hintergrund der europäischen Werte, dem christlichen Abendland, darf man da nicht zuschauen.«

Es gibt auch (wenige) positive Stimmen. So schreibt Grünen-Mitglied Christoph Gruss aus Friedberg: »Wir sind eines der reichsten Länder der Erde und sind nicht bereit, Menschen, die in Not sind und flüchten müssen, zu helfen, weil ein egoistischer Teil nicht teilen will? Zum fremdschämen traurig.«

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