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Auch in den Gießener Filialen macht sich der Hackerangriff bemerkbar. Einige Produkte fehlen.

Cybercrime

Hackerangriff trifft auch Wetterauer Tegut-Filialen

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Ein Hackerangriff hat die Supermarktkette Tegut getroffen. Einige Produkte fehlen daher in den Regalen. Auch Wetterauer Märkte sind betroffen.

Milch, Sahne, Joghurt sowie Fleisch und Wurst waren in den vergangen Tagen in vielen Tegut-Filialen Mangelware. Grund ist ein Hacker-Angriff auf die Supermarktkette. »Unbekannte haben einen sogenannten Cyberangriff auf das IT-Netzwerk des Unternehmens verübt. Sämtliche IT-Netzwerksysteme der Zentrale sind daraufhin gemäß Notfallplan heruntergefahren und vom Netz genommen worden«, heißt es diesbezüglich auf der Homepage des Unternehmens. Der Angriff liegt jetzt knapp zwei Wochen zurück, trotzdem bekommen sowohl Kunden als auch Mitarbeiter die Auswirkungen noch immer zu spüren.

Auch in der Bad Nauheimer Tegut-Filiale am unteren Ende der Fußgängerzone hat der Hacker-Angriff Spuren hinterlassen. Ein Din-A-4-Blatt an der Eingangstür informiert über den Cyber-Angriff auf das Unternehmen und die »eingeschränkte Verfügbarkeit einzelner Produkte«. Viele Kunden stehen trotzdem rätselnd vor den leeren Regalen. Die Nachricht habe sich offenbar noch nicht herumgesprochen, meint ein Mitarbeiter.

Eine Kollegin berichtet, manche Kunden seien aufgebracht, andere zeigten aber Verständnis. Das komplette Sortiment sei betroffen: In den Kühltheken fehlen Milchprodukte, in den Regalgängen klaffen Lücken, wo sich sonst Konservendosen stapeln. In den leeren Wurstfächern stecken Hinweisschilder: »Neue Ware ist schon unterwegs«, steht drauf.

Kassencomputer streikten

Der Hacker, weiß der Mitarbeiter, greife das Firmen-eigene Netzwerk seit über einem Jahr an. Samstag vor zwei Wochen streikten dann die Kassencomputer. Zwei Tage lange konnten die Kunden nur bar zahlen. Nach und nach leerten sich viele Regale, neue Ware kam nicht mehr rein. Auch jetzt laufe das Kassensystem langsamer. »Aber wir füllen auf, wir bekommen neue Ware«, sagt der Tegut-Mitarbeiter und ist zuversichtlich, die Verluste durch den Umsatzrückgang in den nächsten Tagen wieder reinzuholen.

Gegenüber der Hessenschau sagte Tegut-Pressesprecher Matthias Pusch, dass besonders frische Waren wie Wurst und Milchprodukte betroffen seien. Inzwischen habe sich die Situation aber deutlich gebessert: »Wenn man sich umguckt, muss man sagen, dass alle Märkte wieder gut bestückt sind.«

Für die Mitarbeiter ist die aktuelle Lage eine große Herausforderung. Denn durch das Herunterfahren der Systeme sind auch bestimmte Warenwirtschaftsprogramme nicht einsatzbereit.

Tegut-Mitarbeiter müssen Waren telefonisch bestellen

Das führt dazu, dass die Mitarbeiter der Märkte die benötigten Waren selber erfassen und telefonisch bestellen müssen. Normalerweise läuft das alles vollautomatisch ab. Laut Pusch ist aber seit dieser Woche eine neue App im Einsatz. »Das ist etwas, das schon lange in Planung war und jetzt aufgrund der Attacke schneller eingeführt wurde«, sagte er gegenüber der Hessenschau. Die Anwendung ermögliche es, Bestellungen einfach zu übermitteln.

Neben den Mitarbeitern in den insgesamt 283 Märkten haben derzeit auch die Teammitglieder in der Unternehmenszentrale in Fulda alle Hände voll zu tun. Auf der Homepage heißt es: »Der Tegut-Krisenstab hat die Sicherheitsbehörden informiert und arbeitet mit IT-Experten aktuell mit Hochdruck daran, den Normalbetrieb wieder herzustellen.«

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