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Um den Klimawandel aufzuhalten, müsse viel getan werden, sagt Michaela Colletti. »Ich habe viel Kraft, Dinge zu bewegen« - das möchte sie in Berlin und vor Ort.

Bundestagskandidatin der Grünen

Grünen-Kandidatin Michaela Colletti: »Wir müssen handeln«

  • Sabrina Dämon
    VonSabrina Dämon
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Die Zeit ist knapp, sagt Michaela Colletti. Sie spricht über den Klimawandel und dass sie etwas verändern möchte. Sie tritt deswegen als Direktkandidatin der Wetterauer Grünen bei der Bundestagswahl an.

Wenn Michaela Colletti über die jetzige Zeit spricht, benutzt sie das Wort Wahlkampagne statt Wahlkampf. »Kampf gehört nicht in die Politik«, sagt sie. »Wir haben keine Zeit, um uns gegeneinander zu stellen.« Sie meint den Klimawandel, der schleunigst aufgehalten werden müsse - das große Thema ihrer Partei, der Grünen. Wie? »Indem wir handeln.« Und handeln möchte die 57-jährige Nieder-Rosbacherin. »Ich habe Lust, mich einzubringen, dieses Land voranzubringen. Und ich habe viel Kraft, um Dinge zu bewegen.« Deswegen tritt sie bei der Bundestagswahl als Direktkandidatin an.

»Es gab nie eine andere Option. Ich bin schon immer grün«, sagt sie. Damals, sie hatte gerade ihr Abitur an der Herderschule in Gießen gemacht, wurde die Partei gegründet. »Es war eine Partei, mit der ich mich identifizieren konnte, die Ideen hatte, voller Aufbruchstimmung war.« Mit 18 Jahren sei sie eingetreten. Bis sie sich jedoch aktiv engagiert habe, sei wegen persönlicher Verpflichtungen, die Pflege ihrer Mutter und ihres behinderten Bruders sowie die Arbeit, einige Zeit vergangen. »Als ich 50 geworden bin, habe ich gesagt: Jetzt kann es nicht so weitergehen, dass ich immer nur kritisiere statt aktiv zu werden.« Sie ging in die Lokalpolitik. Sie ist in mehreren Gremien: im Rosbacher Ortsverband und in der Fraktion, seit einiger Zeit im Stadtparlament und im Kreistag. Zudem ist sie Vorstandssprecherin des Kreisverbands.

In dieser Zeit habe sie »unheimlich viel darüber gelernt, was man bewirken kann«. Auch wenn die grüne Politik auf lokaler Ebene nicht immer auf Zustimmung bei den anderen Parteien stoße. Vor einiger Zeit bspw. habe sie im Stadtparlament einen Antrag eingebracht mit dem Ziel, Schottergärten zu verbieten. Erfolglos.

Verbotspolitik ist ein Stichwort, mit dem die Grünen ab und an kritisiert werden. Colletti sagt dazu: Letztlich gehe es darum, dass alle Menschen gut zusammen leben können. »Die Politik sollte Leitplanken setzen, aber wenn man damit nicht weiterkommt, müssen es Verbote sein.« Gerade im Hinblick auf den Klimawandel, da die Zeit knapp sei. Beispiel Hochwasser: »Da sollten alle Alarmglocken läuten.«

Für Vorgaben und Ganztagsschulen

Sie nennt einen Vergleich, den Grünen-Politiker Robert Habeck benutzt habe: »Wenn jemand im Gegenverkehr fahren möchte, kann er das auch nicht.« Und, zu den Schottergärten: Bebauungspläne seien voller Regularien; es sei nicht ungewöhnlich, Rahmenbedingungen bei Privatbesitz im Sinne des Allgemeinwohls vorzugeben. Doch das sei nur ein kleines Beispiel für vieles, was angepackt werden müsse: ökologische Landwirtschaft, zählt Colletti auf. Oder Chancengleichheit: »Dass alle Kinder den gleichen Zugang zu Bildung haben.« Sie spricht von Ganztagsschulen - ein Konzept, für das sie sich einsetze. Einerseits, wie sie sagt, damit alle Kinder gleich gefördert würden - unabhängig vom Elternhaus. Andererseits auch im Hinblick auf die vielen Frauen, die zurückstecken müssten in der Karriere, da sie für die Kinderbetreuung verantwortlich seien - und die Betreuungsmöglichkeiten vor Ort noch zu unflexibel seien.

Sie spreche aus eigener Erfahrung; ihr Sohn ist heute 23, die ersten Jahre sei sie alleinerziehend gewesen - und Colletti ist selbstständig. Sie leitet in Nieder-Rosbach ein Sprachservice-Büro für Wirtschaftsübersetzungen - Finanzberichte, Bilanzen, Verträge. Wirtschaftspolitik sei daher einer ihrer Schwerpunkte und ihr Steckenpferd. »Unser Wohlstand hängt davon ab, wie gut wir Ökologie und Ökonomie verbinden.«

Durch ihre Wahlkampagne sei sie viel in der Wetterau unterwegs gewesen - das sei ohnehin das Wichtigste: »Den Menschen zuhören, die Probleme verstehen.« Dadurch habe sie viel von den Aufgaben erfahren, die hier anstünden. Dass die Internetverbindung im Ostkreis verbessert werden müsse zum Beispiel. Oder von der Einrichtung von Co-Working-Spaces. »Ich sehe die Wetterau als Wirtschaftsmodellregion.« Das Thema Altenheime nennt sie - »wir müssen es schaffen, die Senioren in unsere Gesellschaft zu integrieren.«

Doch egal, um welches Thema es sich handele: Es müsse mehr miteinander gesprochen, Andersartigkeit und Vielfältigkeit zugelassen werden. »Der Blick in die Welt, was dort geschieht, ist belastend. Und es wird noch belastender, wenn wir Machtspiele spielen, statt uns an einen Tisch zu setzen.«

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