Mitglieder der Natur-AG aus Friedberg und Rosbach fordern aktiven Schutz des Waldes durch Klimaschutzmaßnahmen. FOTO: PV
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Mitglieder der Natur-AG aus Friedberg und Rosbach fordern aktiven Schutz des Waldes durch Klimaschutzmaßnahmen. FOTO: PV

Streit um Windkraftanalagen

Grüne: Windräder oder kahle Hänge auf dem Winterstein?

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Dem Wald am Winterstein geht es schlecht, große Flächen sind abgestorben, wurden gerodet. Die Grünen sind sich sicher: Das Waldsterben am Winterstein ist nur durch Klimaschutz aufzuhalten.

Wie geht es dem Wald? Die Natur-AG aus Friedberg und Rosbach, in der Mitglieder der Grünen mit anderen Aktiven zusammenarbeiten, wollte sich ein Bild davon machen und lud Vertreter von BUND, NABU, "Querstellen" und weitere Bürger in den Friedberger Stadtwald ein.

Das Gebiet um den Kuhkopf in der Nähe des Wintersteins zeigt das Ausmaß der Schäden durch die Dürren der letzten drei Jahre besonders deutlich. Große Flächen sind komplett ohne Bäume. Revierförsterin Eva-Maria Kirchler sagte, Fichten hätten durch ihren hohen Wasserbedarf und das sturmanfällig flache Wurzelwerk keine Zukunft im Taunus. Auch die Buche sei extrem gefährdet, es gebe erhebliche Verluste. Der stellvertretender Forstamtsleiter Thomas Götz zeigte, dass sich Wärme- und Dürrejahre häufen und die gesamte Mitte Deutschlands ein riesiges Wasserdefizit im Boden bis in große Tiefen hat.

Was ist zu tun? Die Antwort besteht aus zwei Teilen, sagt Karl Moch von der Natur-AG: "Erstens den Klimawandel bekämpfen, wozu auch Windkraft auf dem Winterstein ihren Teil beitragen könne." Hessen Forst sei aufgeschlossen für zehn Windräder, zumal das Gebiet mit großen Forststraßen gut erschlossen sei. Es gebe große Freiflächen, so dass kaum Bäume für den Bau der Anlagen geopfert werden müssten, sagte Götz. Moch ergänzt, "dass schon zehn bis zwölf Windkraftanlagen in einer Größe, die heute als wirtschaftlich gelten, die rund 21 000 Haushalte der Anliegergemeinden Friedberg, Rosbach, Ober-Mörlen und Wehrheim komplett mit Strom versorgen könnten".

Der zweite Teil der Antwort ist die Wiederbewaldung. Hier müsse auch durch Jagd der Verbiss verhindert werden, sagte Kirchler. Rehe bevorzugen die selteneren Arten, die aber für eine gesunde Mischung der Baumarten wichtig seien. Forstexperten setzen stärker auf Traubeneiche, Douglasie, Tanne, Mehlbeeren-Arten und die Flatterulme. Aus Fehlern früherer Jahrzehnte habe man gelernt, es werde sehr darauf geachtet, dass Pflanz- und Saatgut an das Klima und den Boden vor Ort angepasst seien.

Wer politisch kluge Entscheidungen treffen wolle, müsse die komplexen ökologischen Zusammenhänge beachten, sagte Frank Diefenbach, waldpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag.

Klar wurde: Wald in Gemeindebesitz wird in den nächsten Jahren keinen wirtschaftlichen Gewinn abwerfen. Aufgrund seiner Funktionen (Erholung, Klimaausgleich, Wasserschutz, Lebensraum für Pflanzen und Tiere) ist der Wald "aber grundlegend für unser Leben", sagte Diefenbach. Es müsse zusätzliches Geld bereitgestellt werden.

Für die Natur-AG steht fest: Der Bebauungsplan für das Wintersteingebiet, der aktuell von den vier Anliegergemeinden aufgestellt wird und nur wenige kleine Windräder zulassen will, dient nicht dem Waldschutz. Harald Bernd und Doris Jensch: "Klimaschutz ist Waldschutz, wir brauchen Waldschutzstrom aus Windkraft. Wer über den Anblick von Windrädern am Winterstein jammert, muss sich klarmachen, dass der Anblick ohne Klimaschutzmaßnahmen schon bald der von kahlen Hängen sein kann."

Grüne fordern mehr Windräder

Florian Übelacker, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtparlament, sagte: "Es wäre mehr als unklug, wenn sich die Anliegergemeinden nicht aktiv an der Errichtung von Windrädern beteiligten. Denn diese werden dann auf den Flächen des Landes und des Bundes errichtet und die Kommunen würden auf erhebliche Einnahmen verzichten."

Die Mitglieder der Natur-AG luden ein, sich zu Waldschutz und anderen Naturthemen an der politischen Diskussion zu beteiligen. Die Natur-AG der Grünen in Friedberg und Rosbach trifft sich einmal monatlich und steht auch Nicht-Parteimitgliedern offen.

Fakten zum Stadtwald

Seit 2012 starben im Friedberger Stadtwald durch Stürme und Dürre über 50 Prozent aller Fichten. Die Buche, Hauptbaumart natürlicher Wälder im Taunus, ist auch schwer geschädigt. Der Friedberger Stadtwald umfasst 215 Hektar, davon waren 2012 etwa 36 Prozent mit Fichte bestanden. Der Holzpreis für Fichte ist so stark gefallen, dass er meist unter den Kosten für die Aufarbeitung liegt. Es gibt eine Förderung des Landes, um Borkenkäfer-Holz aufzuarbeiten, diese kann den Preisverfall aber nicht wettmachen. Sowohl die durch Dürre abgestorbenen Bäume als auch Starkregenereignisse mit Erosion und Schlammlawinen stellen eine Bedrohung für die Sicherheit im Wald dar. Hessen Forst versucht Wasser im Wald zu halten, indem Mulden angelegt werden. Der vorgelegte, aber noch nicht beschlossene Bebauungsplan "Natur- und Erholungsgebiet Winterstein", den Friedberg, Rosbach, Ober-Mörlen und Wehrheim gemeinsam aufgestellt haben, begrenzt die Zahl der Windkraftanlagen in Südhessens wichtigster Windkraftvorrangfläche auf drei und schränkt gleichzeitig deren Nabenhöhe und Standdauer ein.

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