Grüne sprechen von möglichem Lohndumping

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Wetteraukreis (hed/pm). Die Kritik am Trägerwechsel für die Schulsozialarbeit im Wetteraukreis hält an. Nach den Linken haben auch Grüne und FDP kritische Fragen an die schwarz-rote Kreisspitze gestellt.

Den Grünen missfällt vor allem, dass einige der künftigen Sozialarbeiter offenbar schlechter bezahlt werden sollen. »Nun auch Schulsozialarbeit als Billigarbeitsmarktsektor?« fragen sie ketzerisch und wollen von Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch (SPD) wissen, warum sie sich um eine klare Antwort zum Vorwurf drücke, dass manche Sozialarbeiterinnen beim künftigen Dienstleister 600 bis 900 Euro weniger verdienen könnten als bisher. »Sollte sich bewahrheiten, dass die Bezahlung bei RDW nach Tarifvertrag der Weiterbildungsbranche tatsächlich erheblich unter der bisherigen Entlohnung liegt, dann muss von Lohndumping auf Kosten von langjährigen Mitarbeiter*innen gesprochen werden«, so Grünen-Fraktionsvorsitzende Isil Yönter, von Berufs wegen Familientherapeutin und Supervisorin. Die SPD, die sonst für sich mit fairer Bezahlung und Branchentarifbindung werbe, gehe in der Wetterau andere Wege, so der Vorwurf. »Sparpolitik, Personalmangel, Arbeitsverdichtung - sind das die neuen Werte des Sozialdezernats?«

Es sei ebenfalls bedenklich, dass langjährig aufgebaute Netzwerke und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Lehrern und Schülern zerschlagen werden könnte. Die Grünen wollen daher in ihrer Anfrage, die für 14. Juli auf der Tagesordnung der Kreistagssitzung steht, die rechtliche Grundlage der Ausschreibung erläutert bekommen. Gut eingespielte, funktionierende Arbeitsprozesse und Beziehungen dürften nicht alle vier bis sechs Jahre zerschlagen werden.

Wer wurde wann informiert?

Kritisiert wird auch der Zeitpunkt des Trägerwechsels mitten in der Pandemie, in der zahlreiche Kinder und Jugendliche in ihrer sozialen Kompetenzschulung ohnehin stark zurückgefallen seien. Becker-Bösch hat hier bereits mitgeteilt, dass ein Verschieben der Ausschreibung oder eine Rücknahme der Vergabe rechtlich nicht möglich gewesen seien.

Auch die FDP hat wegen der Sache eine Anfrage an Becker-Bösch gestellt. So will die Fraktion unter anderem wissen, welche Ausschreibungsverfahren es für die Schulsozialarbeit gab und warum diese notwendig wurden. Auch wollen die Liberalen wissen, wann der Kreiselternbeirat, die Schulelternbeiräte, die meist betroffenen Fördervereine und die Schulleitungen über eventuelle Änderungen informiert wurden. Auch die FDP kritisiert den Zeitpunkt der Neuvergabe und dass mit ihr bereits bekannte Schulsozialarbeiter für Kinder und Jugendliche wechseln könnten.

Um bewerten zu können, »ob der Kreisausschuss der Schulsozialarbeit den nötigen Stellenwert beimisst«, will die FDP Anzahl der Schulsozialarbeiter je Schule, die Personalkosten seit dem Jahr 2016 sowie die Anzahl der betreuenden Schüler in Erfahrung bringen. Für die bildungspolitische Sprecherin der FDP im Kreistag, Julia Raab, ist die Frage bereits beantwortet: »Die Bedeutung der Schulsozialarbeit für ein gedeihliches Miteinander an den Wetterauer Schulen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Wir müssen unsere Schulen zunehmend als Lebensräume begreifen und sie entsprechend gestalten. Es ist anzunehmen, dass durch die Corona-Pandemie neue Herausforderungen auf die Schulsozialarbeit zukommen werden.« Dafür sei eine gute personelle Ausstattung essenziell.

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