Auf dem früheren Brunnengelände an der B 455 stehen Hunderte Neuwagen. Die Ausnahmegenehmigung dafür läuft Ende des Jahres aus. FOTO: NICI MERZ
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Auf dem früheren Brunnengelände an der B 455 stehen Hunderte Neuwagen. Die Ausnahmegenehmigung dafür läuft Ende des Jahres aus. FOTO: NICI MERZ

Grüne gegen Autolager

  • David Heßler
    vonDavid Heßler
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Friedberg-Dorheim(hed/pm). Wer sich auf der B 455 Dorheim nähert, blickt auf Hunderte Autos, die auf dem Gelände des früheren Germaniabrunnens stehen. Ford Kögler nutzt die Hallen und Freiflächen östlich der Bundesstraße bereits seit einigen Jahren. Die Ausnahmegenehmigung für das Logistikzentrum läuft Ende des Jahres aus, weshalb nun der Bebauungsplan für das Gewerbegebiet Dorheim West geändert werden soll. Für die Grünen ist diese Art der Nutzung "ein Unding", wie der Stadtverordnete Dr. Nicholas Hollmann schreibt. Die Änderung des Bebauungsplan wäre "ein weiteres Zeichen für den planerischen Stillstand in Friedberg".

Das Thema steht auf der Tagesordnung für die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag (18.15 Uhr, Stadthalle Friedberg). Mit dem Bebauungsplan soll "nunmehr bestandsorientiert sowie aufbauend auf den bauordnungsrechtlich bereits genehmigten Nutzungsänderungen Planungs- und Rechtssicherheit für den Eigentümer und die Nutzer sowie für die Fachbehörden und die Stadt Friedberg geschaffen werden", heißt es in der Vorlage der Verwaltung. Der Autohändler soll sich über einen städtebaulichen Vertrag zu naturschutzrechtlichen Kompensationsmaßnahmen verpflichten und u. a. mindestens 20 einheimische Hochstamm-Obstbäume auf Schwalheimer Gemarkung nachpflanzen.

Besser kleinere Gewerbebetriebe?

Etwa 1000 Fahrzeuge stehen laut Hollmann ständig auf dem Gelände. Die Fahrzeuge kämen aus ganz Europa und den USA und würden im Logistikzentrum zwischengelagert. "Abgesehen davon, dass schon allein das reichlich anachronistisch anmutet in Zeiten von Digitalisierung und Just-in- time-Produktion, ist diese Art der Nutzung laut Bebauungsplan auch gar nicht zulässig", betont er. Die zeitlich befristete Ausnahmegenehmigung sei noch bis Ende des Jahres gültig und soll durch die Änderung des Bebauungsplans in geltendes Recht umgewandelt werden. "Damit wäre eine weitere Chance vertan, die Nutzung von Flächen in Friedberg neu auszurichten - nachhaltig und zukunftsweisend", betont Hollmann, Angesichts der Knappheit von Flächen könne es nicht angehen, "dass wertvoller Grund und Boden als billige Lagerfläche für Überproduktionen der Autoindustrie genutzt wird".

Auch wenn die Fläche bereits versiegelt ist, hat sie für den Bodenschutz einen Wert, finden die Grünen. Denn würde die Fläche beispielsweise für eine Einrichtung der Daseinsvorsorge genutzt, müsse anderswo keine neue Fläche versiegelt werden. Dieses Vorgehen schreibe auch das Baugesetzbuch vor. Außerdem könnten auf dem Gelände kleinere Gewerbebetriebe angesiedelt werden, die oft nach solchen Flächen suchten - "und wesentlich mehr Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Innovation in die Stadt bringen als ein Autolager", wie Hollmann schreibt.

Die Grünen wollen, dass sich die Stadt die Option für eine nachhaltigere Nutzung der Fläche offenhält und plädieren deshalb dafür, den Bebauungsplan jetzt nicht zu ändern, sondern die Ausnahmegenehmigung um ein Jahr zu verlängern. "Die Stadt darf die Nutzung nicht als schnöden Parkplatz für die Zukunft festschreiben." Die Verwaltung müsse das gesamte Stadtgebiet im Blick haben, dafür bräuchte es so etwas wie ein Flächenmanagement.

Wenn auf der einen Seite die Mehrheit der Stadtverordneten der Argumentation der Grünen folge, keinen "wertvollen Acker" für die Kita Taunusstraße zu opfern, sondern bereits entwickelte Flächen zu nutzen, dann könne man nicht auf der anderen Seite "ohne Not eine wertvolle Gewerbefläche als Abstellplatz für Autos vorhalten", argumentiert auch Grünen-Vorstandsmitglied Markus Fenske. Nicht nur der Umgang mit der Kaiserstraße und den Ray Barracks sei entscheidend für die weitere Entwicklung Friedbergs, auch in Dorheim West werde sich zeigen, ob die Stadt Mut habe für Veränderung.

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