Grüne fordern Umdenken

  • Jürgen Wagner
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Friedberg(jw). Seit einigen Jahren kann man in der Wetterau ein Phänomen beobachten, das nicht jedem gefällt: riesige Neuwagenparkplätze. Eines dieser Zwischenlager entstand auf dem ehemaligen Gelände einer Getränkefirma im Westen von Dorheim. Ford Kögler parkt hier Neuwagen. Die Ausnahmegenehmigung für das Logistikzentrum läuft Ende des Jahres aus. Damit Autohändler, ein Wohnmobilhändler und ein Berufsbildungswerk an Ort und Stelle bleiben können, hat das Stadtparlament mit den Stimmen von CDU, SPD, UWG und FDP bei Gegenstimmen von Grünen und Linken den Bebauungsplan für das Gewerbegebiet Dorheim-West geändert.

Die Grünen kritisieren dies, fordern Kompensationen im Naturschutz. Die FDP warf den Grünen daraufhin eine "wirtschaftsfeindliche Haltung" vor (die WZ berichtete). Im Stadtparlament wurden die Argumente beider Seiten erneuert.

Grüne wollen kleinere Betriebe

Für die Grünen ist die Frage, ob das Gewerbegebiet in seiner jetzigen Form festgeschrieben wird, eine prinzipielle. "Es geht nicht nur um ein kleines Grundstück am Rande von Dorheim, es geht um die Entwicklung Friedbergs", sagte Dr. Nicholas Hollmann. Friedberg dürfe nicht zur "Stadt der Schulen und Parkplätze" werden. Stattdessen müssten sich dort "kleinteilige Betriebe, die mehr Wertschöpfung bringen", dort ansiedeln.

Was die Grünen besonders stört: Das "Anbindungsohr" an der B 275-Auffahrt wird als Lkw-Parkplatz festgeschrieben. Sinnvoller seien dort Fotovoltaikanlagen. Als die Fläche erstmals als Parkplatz genutzt wurde, sei man froh gewesen, dass die Getränkefirma nicht die Wiesen hinter dem Sauerbrunnen-Gelände dafür genutzt hätten, sagte Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU). "Eine andere Nutzung ist nicht möglich." Die Flächen seien versiegelt, der Eigentümer vermarkte sie, das sei vollkommen in Ordnung. "Ohne Änderung des B-Plans wäre es zum Leerstand gekommen."

Olaf Beisel (CDU) sagte in Richtung der Grünen, mit Betonung auf dem ersten Wort: "Wir sind ein zuverlässiger Partner von Handel und Industrie." Achim Güssgen-Ackva (FDP) bescheinigte den Grünen "ein romantisches Verhältnis zur Wirtschaft", ihre Argumente seien "hanebüchen".

Das Gelände, das unter seinem Vater als Ortsbürgermeister entwickelt wurde, sei wichtig für Dorheim, unterstrich Ortsvorsteher Dr. Klaus-Dieter Rack (SPD). "Wir sind froh, dass das Gelände weiter genutzt wird und dort Arbeitsplätze geschaffen wurden."

"Es geht nicht darum, Wirtschaft zu verhindern, es geht um Veränderung, um eine Transformation Deutschlands", sagte Grünen-Sprecher Hollmann. Warum diese Veränderung so lange brauche, sehe man in Dorheim, wo wieder einmal nur alte Konzepte "zementiert" würden, statt neue Wege zu gehen.

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