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Große Fußstapfen, große Chance

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Songs durchgehen, kleine Änderungen vornehmen – Yannick Mari bereitet sich auf gleich zwei Finalauftritte vor. Immer mit dabei: seine neue Gitarre.
Songs durchgehen, kleine Änderungen vornehmen – Yannick Mari bereitet sich auf gleich zwei Finalauftritte vor. Immer mit dabei: seine neue Gitarre. © Valerie Pfitzner

Friedberg (vpf). Pur, Juli oder Luxuslärm – Künstler, die beinahe jeder kennt. Berühmt geworden sind sie alle, nachdem sie den deutschen Rock- und Pop-Preis gewonnen haben. Nun steht ein Friedberger Künstler vor genau diesem großen Schritt: »Di Mari« ist für den Preis nominiert.

Für die hessische Version steht er bereits diesen Sonntag auf der Bühne. Seine Fans erwartet dabei ein ganz anderer Sound als gewöhnlich.

Yannick di Mari übt ohnehin jeden Tag – mindestens eine Stunde lang sitzt er täglich auf seiner Couch, spielt ein paar seiner Songs, schaut, was er verbessern könnte, komponiert neue Melodien. Jetzt, wo er nicht nur für den hessischen, sondern auch für den deutschen Rock- und Pop-Preis nominiert ist, probt er noch länger, härter, intensiver. Und das nicht nur auf der heimischen Couch: Beim Finale des hessischen Rock- und Pop-Preises am Sonntag in Langen steht er nämlich ausnahmsweise mit Band auf der Bühne. Das »Upright-Trio« aus Butzbach begleitet »Di Mari« mit Gitarre, Schlagzeug und Kontrabass. Der Friedberger Sänger ist stolz, sie dabei zu haben: »Die Jungs gehören meiner Meinung nach zu den zehn besten Musikern im Umkreis.«

Für die Teilnahme am hessischen Wettbewerb ist es Voraussetzung, dass eine Band den Musiker begleitet. Eigentlich steht Yannick Mari nämlich solo auf der Bühne, seine Lieder sind oft ruhig und gefühlvoll. Sie gemeinsam mit einer Band auf der Bühne zu spielen, ist nicht nur für ihn etwas ganz Neues, auch seine Fans werden überrascht sein, sagt der 25-Jährige: »Durch die Begleitung der Band bekommt meine Musik eine ganz neue Dynamik, sodass ich auf der Bühne so richtig rocken kann.« Dass die Musiker dabei nach seiner Pfeife tanzen, wolle er nicht: »Sie sollen so spielen, wie sie sich fühlen.« Daher stehen auch nur drei gemeinsame Proben auf dem Programm: »Sonst artet das in Arbeit aus, dabei soll es ja Spaß machen.«

15 Minuten hat Yannick Mari am Sonntag beim hessischen Rock- und Pop-Preis Zeit, vier Songs darf er spielen. Danach entscheidet sich, ob er sich gegen seine fünf Konkurrenten durchsetzen und damit den »Rock Oscar« für sich gewinnen kann.

Auch bei der Auswahl der Songs hat der 25-Jährige eine Überraschung im Gepäck: Neben zwei englischen Songs, die er schon länger im Repertoire hat, wird er dieses Mal auch auf Deutsch singen: »Vor einem halben Jahr habe ich angefangen, deutsche Texte zu schreiben, weil ich Dinge zu sagen hatte, die verständlich sein sollten.« Nachdem er in seinem ersten Album Schicksalsschläge wie den Verlust seines Bruders verarbeitete, habe er sich in seinen neuen Liedern mit Fragen wie »Wer will ich sein? Wo will ich hin?« beschäftigt. Dass diese persönlichen Zeilen nun sogar die Jury des deutschen Rock- und Pop-Preises so sehr überzeugt haben, dass er im Finale steht, bedeutet dem 25-Jährigen eine Menge: »Das Endprodukt meiner Selbstreflexion hat so viel Anklang gefunden, dass ich jetzt die Chance habe, in die Fußstapfen von Bands wie ›Juli» zu treten. Das ist einfach unglaublich.«

In die Hand genommen hat Yannick Mari sein Schicksal selbst: Anstatt darauf zu warten, von großen Plattenfirmen entdeckt zu werden, füllte er selbst die Bewerbungen für den hessischen und den deutschen Rock- und Pop-Preis aus: »Ich wollte es einfach mal probieren«, sagt er. Als die Antworten kamen, dass er tatsächlich für beide Preise nominiert wurde, konnte er es kaum glauben: »Ich bin ein kleines Licht im Vergleich zu den anderen Teilnehmern, trotzdem wurde meine Musik für gut genug befunden, das sagt schon was aus.«

Während beim Finale des hessischen Wettbewerbs vier Songs gespielt werden dürfen, haben die Finalisten der deutschlandweiten Version nur einen einzigen Song, um die Jury zu überzeugen. Bewertet werden in beiden Fällen nach denselben Kriterien: Komposition, Spieltechnik, Text, Originalität und Kreativität. Beim hessischen Finale am Sonntag hat jedoch auch das Publikum ein Stimmrecht: 40 Prozent macht ihr Votum aus. Ein Faktor, der Yannick Maris Nervosität nicht gerade lindert: »Ich habe ohnehin noch nie vor so vielen Leuten gespielt. Das größte Publikum, vor dem ich je stand, bestand aus 200 Leuten, am Sonntag passen bis zu 1000 in die Halle.

« Sobald er auf der Bühne stehe, vergesse er aber alles um sich herum: »Wegen des Scheinwerferlichts sehe ich sowieso nur die ersten fünf Reihen, dahinter verschwimmt alles.« Auf Unterstützung aus der Heimat hofft »Di Mari« trotzdem: »Es wäre klasse, wenn einige Fans nach Langen kommen würden, um für mich zu stimmen.«

Hoffnungen zu gewinnen, macht er sich eigentlich nicht: »Mir geht es darum, Erfahrungen zu sammeln, Leute kennenzulernen und Musikern zuzuhören. Etwas gewinnen werde ich auch, wenn ich nicht der Sieger bin.« Einen Glücksbringer hat er dennoch im Gepäck: Direkt nachdem klar war, dass er für die beiden Preise nominiert ist, hat er sich eine nagelneue Gitarre zugelegt.

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