Grenzwanderung des NABU auf den Spuren der Geschichte

Friedberg-Dorheim (pm). Die traditionelle Wanderung der Naturschutzgruppe Dorheim entlang der Gemarkungsgrenze fand unter ungünstigen Witterungsbedingungen statt. Der erste Termin musste wegen Unwetters abgesagt werden, am folgenden Sonntag herrschte Regen- und Tauwetter.

Dennoch stapften etliche unbeirrte Teilnehmer durch den Matsch und hörten den naturkundlichen Erläuterungen des Vorsitzenden Gerd Bauschmann zu, die der 2. Vorsitzende Dr. Klaus-Dieter Rack mit historischen Begebenheiten in der Ortsgemarkung anreicherte.

Im Gegensatz zu den Vorjahren ließen die Witterung und das teilweise unwegsame Gelände eine an der Grenzlinie verlaufende Wanderung nicht zu. So konnte schon die erste Station - das alte Dorheimer Wasserwerk rechts der Anhöhe nach Melbach - nur aus der Ferne betrachtet werden. Im Zuge der Verbesserung der Wasserversorgung für Friedberg und Bad Nauheim war auch Dorheim an den Leitungsstrang aus dem Vogelsberg angeschlossen worden; er lieferte quellreines Trinkwasser bis ins Haus, die Zeit der Zugbrunnen in den Hofreiten ging damit zu Ende.

Ein erstes »Anti-Frostmittel«

1960 aber reichte die Füllmenge nicht mehr aus, um den Bedarf der durch den Flüchtlingszuwachs fast verdoppelten Einwohnerschaft zu decken. So entstand am Nordteil des Wingerts ein größerer Wasserbehälter. Vor wenigen Jahren erhielt die Naturschutzgruppe die Erlaubnis, das alte Wasserwerk als Fledermaus-Domizil herzurichten. Nach dieser Station gab es ein erstes »Anti-Frostmittel«. Je nach Geschmack konnten ein von der Naturschutzgruppe selbst gebrauter Quittenlikör oder ein im Kastanienfass gereifter Apfelbrand verköstigt werden. Die Dorheimer Gemarkungsgrenze reicht nach dem Wasserwerk spitz zulaufend bis zur alten Römerstraße, führt zurück bis zur Straße nach Beienheim, der sie einige hundert Meter folgt, bevor sie am Umspannwerks südlich über die Bahnlinie in die Nähe des alten Bergwerks vorstößt. Die 1897 eröffnete Eisenbahnstrecke Friedberg-Hungen/Nidda war von ähnlich epochaler Bedeutung wie die Wasserversorgung, brachte sie doch Dorheim dem »Weltverkehr näher«, wie es damals im Oberhessischen Anzeiger hieß.

Das Braunkohlebergwerk war von 1813 bis 1875 in Betrieb. Das Dorheimer Kohlenvorkommen, ursprünglich als für Jahrhunderte ausreichend eingeschätzt, erschöpfte sich rasch. Doch in den sechs Betriebsjahrzehnten brachte es viele Arbeitsplätze, ein sprunghaftes Bevölkerungswachstum und Brennstoffe. Die hessen-darmstädtischen Staatsfinanzen profitierten erheblich vom Verkauf des fossilen Brennstoffs aus Dorheim, da das Bergwerk nach 1816 beim Großherzogtum Hessen(-Darmstadt) verblieb, während Ort und Amt Dorheim nach sechs Jahren Unterbrechung wieder zum Kurfürstentum Hessen(-Kassel) zurückfielen. In der Nähe des alten Bergwerks wurden die Wanderungsteilnehmer von Mitgliedern des NABU Friedberg mit Glühwein, Kinderpunsch, Schmalz- und Mettbroten versorgt.

Im Naturschutzgebiet »Am Hechtgraben« hatte die Naturschutzgruppe mit Unterstützung des Forstamts Nidda, der Unteren Naturschutzbehörde und der Stadt Friedberg etliche Grabentaschen entlang des Grabens sowie zwei große Flachwasserteiche anlegen lassen. Zum jüngsten Jahreswechsel hatte das Forstamt am ehemaligen Angelteich den Bewuchs auflichten sowie eine Eisvogelwand herrichten lassen, um diesem einzigartigen Vogel Brutmöglichkeiten anzubieten.

Laut dem Diplom-Biologen Bauschmann sollen noch in diesem Jahr Info-Tafeln im Hechtgrabengebiet aufgestellt werden, so dass dort ein Natur-Lehrpfad entsteht. Beim Nachhauseweg nach zweieinhalbstündiger Wanderung konnten Mäusebussarde, Turmfalken, Nilgänse, Graureiher und auch ein Silberreiher beobachtet werden, und zum Abschluss kamen wieder Quittenlikör und Apfelbrand zum Einsatz.

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