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Das haben die Besucher so wohl noch nie gehört: Christoph Brückner spielt auch "House of the rising Sun" auf der Orgel der Burgkirche.

Ein Grenzgänger an der Orgel

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Friedberg(har). Paul Gerhardt gilt als einer der bedeutendsten Kirchenmusikdichter überhaupt. Lieder wie "Wach auf mein Herz und singe" oder "Befiehl Du Deine Wege" sind Standards in der evangelischen Kirchenmusik. Ein Dutzend dieser bekannten Lieder spielte Christoph Brückner unter dem Motto "Organissimo" am Sonntagabend auf der 1848 erbauten Förster-Orgel der Burgkirche, allerdings in Bearbeitungen, wie sie die meisten der zahlreichen Besucher noch nie gehört und auch so nicht erwartet haben - es sei denn, sie kennen die Art und Weise des seit mehr als zehn Jahren freiberuflich tätigen Kirchenmusikers. Dieser war auf Einladung der Hospizhilfe Wetterau in die Kreisstadt gekommen, um mit seinem Benefizkonzert die Arbeit des Vereins zu unterstützen.

Brückner ist in Sachen Orgelmusik ein Grenzgänger, der Konventionen geradezu genial beiseite wischt. Er überrascht seine Zuhörer immer wieder mit seinen Improvisationen, so wie auch bei den Gerhardt-Liedern. In seinen Arrangements verschmelzen die 400 Jahre alten Kirchenlieder schon mal mit einem Klavierkonzert von Antonín Dvorák oder klassischen Kompositionen von Peter Tschaikowski, Franz Schubert und Georg Friedrich Händel. Klezmer-Töne erklingen im Verlauf des Konzerts ebenso wie das irische "Greensleaves", immer eingebunden in ein Gerhardt-Lied. Doch auch Klassiker wie Michael Jacksons "Heal the world" oder "House of the rising Sun" von den Animals zaubert der Kantor der evangelischen Kirchengemeinde Limeshain-Rommelhausen geradezu mühelos in die klassische Kirchenliteratur. Und in der Zugabe baut Brückner den Superhit "Dancing Queen" von ABBA in eine Komposition von Heinrich Schütz ein, als wäre es das Leichteste überhaupt. Einige Besucher kamen der Bitte Brückners, erst am Konzertende Beifall zu spenden, nicht nach. "Na, wenn es Sie so begeistert, dann ist es auch gut", meinte Brückner, der für jeden Monat des Jahres ein Stück ausgewählt hat. Nicht enden wollte der Beifall nach der 75-minütigen Reise durch die Musikwelt. "Sie haben uns alle überrascht", meinte Gisela Theis, die Vorsitzende der Wetterauer Hospizhilfe. "Wir können das gerne nächstes Jahr wiederholen", sagte Brückner, der den Zustand der im letzten Jahr komplett überholten Orgel sowie die hervorragende Akustik in dem klassizistischen Kirchenbau lobte.

Wer wollte, der konnte Brückners Spiel in Form der CD "Magic Pipes", die er auf der Orgel der evangelischen Kirche in Rommelhausen eingespielt hat, mit nach Hause nehmen - samt einer Mozartkugel. Vom Verkaufserlös gehen jeweils fünf Euro an die Büdinger Tafel, die Brückner ebenso unterstützt wie die Hospizhilfe Wetterau.

Da kein Eintritt erhoben, jedoch um Spenden für die Hospizhilfe gebeten wurde, formulierte Brückner schließlich noch folgendes: "Der Eintritt war frei - Der Austritt ist es nicht."

Die nächste Veranstaltung der Hospizhilfe Wetterau findet am Freitag, 22. November, um 19.30 Uhr ebenfalls in der Burgkirche statt. Unter dem Motto "Alles fließt" laden die "FährWell-Singers", der Chor der Hospizhilfe, zu einem Mitsing-Konzert ein. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

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