Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender (l.) und Bürgermeister Dirk Antkowiak legen einen Kranz am Grab Fritz Usingers nieder.	FOTO: GK
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Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender (l.) und Bürgermeister Dirk Antkowiak legen einen Kranz am Grab Fritz Usingers nieder. FOTO: GK

Nie im grellen Rampenlicht

  • vonGerhard Kollmer
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Friedberg (gk). Der Friedberger Schriftsteller Fritz Usinger wäre am 5. März 125 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass würdigte Bürgermeister Dirk Antkowiak den Mann, der nie das grelle Licht der Öffentlichkeit gesucht hatte, an dessen Grab auf dem Kernstadtfriedhof mit einer Kranzniederlegung. Im kleinen Kreis ließ Antkowiak Usingers literarischen Werdegang Revue passieren. Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender wies darauf hin, dass Usingers Werk längst nicht in dem Ausmaß rezipiert worden sei, wie es seiner literarischen Bedeutung entspräche.

Die Friedberger Schauspielerin Monica Keichel umrahmte die Kranzniederlegung mit der Rezitation zweier Gedichte aus Usingers Anthologie »Der Planet«. In dem Poem »Tafeln der Anwesenheit« lautet eine Strophe: »Behauene Steine, beschriebene Tafeln, Buchstaben, aufgezeichnet für den Himmel, der sie achtlos übersieht, für den Regen,/für die Nacht, die nicht lesen kann.«

Am 5. März 1895 wurde Usinger in Friedberg geboren. Im Jahre 1913 begann der 18-jährige ein - durch dreijährige Teilnahme am Ersten Weltkrieg unterbrochenes - Studium der Germanistik, Romanistik und Philosophie an den Universitäten Heidelberg und Gießen, das er 1921 mit der Promotion abschloss. Nach fast 30-jähriger Tätigkeit als Studienrat in Mainz, Offenbach und Bad Nauheim schied Usinger 1949 auf eigenen Wunsch aus dem Schuldienst aus, um ganz seiner schriftstellerischen Tätigkeit als Lyriker, Essayist und Übersetzer leben zu können.

Erste Ehrung mit Büchner-Preis

Beginnend mit seinen 1919 und 1920 erschienenen Gedichtbänden »Der ewige Kampf« und »Große Elegie«, legte Usinger im Laufe der nächsten fünf Jahrzehnte mehrere Lyrik-Anthologien vor - darunter »Der Planet«, »Die Stimmen«, »Das Glück«, »Stern Vergeblichkeit« und »Canopus« - und verfasste zahlreiche Essays zu Literatur, Kunst und Architektur. 1946 erhielt er als Erster den neu gestifteten Georg-Büchner-Preis - die höchste Auszeichnung für deutsche Autoren.

Usinger gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt und war bis 1966 einer ihrer Vizepräsidenten. Seine Vaterstadt Friedberg, der Usinger bis zu seinem Tod im Dezember 1982 die Treue hielt, verlieh ihm die Stadtplakette. 1966 erhielt der 70-Jährige das Große Bundesverdienstkreuz. In seinem Haus in der Burg baute Usinger eine umfangreiche Sammlung mit Kunstwerken vom Mittelalter bis zur Moderne auf. Zahlreiche Stücke gehören heute zum Fundus des Wetteraumuseums und werden im Mai in einer von Museumsleiter Johannes Kögler kuratierten Ausstellung gezeigt. Usingers schriftlicher Nachlass lagert zum größten Teil im Marbacher Literaturarchiv.

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