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Im Visier der JLU-Wildtierforscher: ein Waschbär vor einer Lebendfalle.

GPS-Sender für invasive Allesfresser

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Wetteraukreis (pm). Welchen Einfluss hat der Waschbär auf bedrohte Arten wie Kiebitz, Kreuzkröte oder Kammmolch, die bei dem Allesfresser durchaus auf dem Speiseplan stehen können? Diese Frage wird in einem Projekt der AG Wildtierforschung der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) untersucht.

Das Ziel ist es, die Bewegungsmuster der Waschbären vor allem im Bereich von Schutzgebieten in der Wetterau wie dem Bingenheimer Ried und der Mittleren Horloffaue zu erfahren. Dafür hat die AG Wildtierforschung Waschbären in der Nähe dieser Schutzgebiete gefangen und mit GPS-Senderhalsbändern ausgestattet.

Das Projekt wurde im April gestartet und wird mit 150 000 Euro aus dem Biodiversitäts-Forschungsfonds des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt, und Geologie (HLNUG) gefördert. »Mit den über die GPS-Senderhalsbändern gewonnenen Bewegungsdaten lassen sich nun Übereinstimmungen zwischen den Aufenthaltsorten der Waschbären sowie den Brut- und Laichplätzen ausgewählter bedrohter Arten feststellen«, heißt es in einer Pressemitteilung der AG Wildtierforschung.

Typischer Allesfresser

Der Waschbär steht in Deutschland auf der Liste der invasiven Arten. Diese weisen ein hohes Anpassungs- und Ausbreitungspotenzial auf. Als typischer Allesfresser orientiert sich der Waschbär am Nahrungsangebot.

»Trotzdem ist es denkbar, dass er auch einen negativen Einfluss auf bedrohte Arten haben kann, wenn diese besonders häufig auftreten«, sagt Maren Kettwig von der AG Wildtierforschung. »Dies kann in Schutzgebieten der Fall sein.« Aus Hessen ist beispielsweise nachgewiesen, dass Waschbären Kiebitzgelege gefressen haben. Die Auswirkungen solcher Ereignisse und ihre Ausmaße sind bundesweit von naturschutzfachlicher Bedeutung, da sie mit darüber entscheiden, wie mit Waschbären vor allem in Schutzgebieten zukünftig verfahren werden soll. »Die Frage, wie mit weitverbreiteten und bereits etablierten invasiven Arten, wie dem Waschbären, umgegangen werden sollte, ist sehr komplex und schwer zu beantworten«, so Kettwig. Im Frühjahr 2022 sollen weitere Waschbären besendert und Kotproben zur Nahrungsanalyse gesammelt werden. Beim Fangen der Tiere wird das Team aus dem Fachbereich Veterinärmedizin durch die lokale Jägerschaft und durch Mitglieder der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) unterstützt.

Hotspots der Biodiversität

In den Untersuchungsgebieten Bingenheimer Ried und Mittlere Horloffaue kommen bedrohte Amphibien- und bodenbrütende Vogelarten, etwa die Kreuzkröte, der Kammmolch oder der Kiebitz vor. Diese stark gefährdeten und geschützten Arten konzentrieren sich dort, daher gelten beide Schutzgebiete als hessische Hotspots der Biodiversität und sind auch überregional bedeutsam.

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