Hat die Greifzange immer dabei: "Plogger" Gottfried Krutzki.  FOTO: ANDREAS ARNOLD
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Hat die Greifzange immer dabei: »Plogger« Gottfried Krutzki. FOTO: ANDREAS ARNOLD

Senior-»Plogger«

Gottfried Krutzki sammelt beim Laufen Müll

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Schon bevor der Begriff »Plogger« erfunden wurde, hat Gottfried Krutzki in Friedberg beim Laufen Müll gesammelt. Auch im Alter von 75 Jahren kümmert sich der Hobbysportler um die Umwelt.

Wenn in Friedberg ein schnell laufender Mensch mit einer Tüte in der Hand gesichtet wird, ist das nicht zwangsläufig ein flüchtiger Räuber und ein Fall für die Polizei. Trägt er sportliche Kleidung, ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit ein »Plogger«. Das »Plogging« ist ein aus Schweden stammender Trend, bei dem Dauerläufer während ihres Sports Müll einsammeln. Der Begriff setzt sich aus dem schwedischen Wort »plocka« für sammeln und dem bekannten »Jogging« zusammen.

Es ist eine Form des Müll-Aktivismus, der zwei positive Effekte kombiniert: Gesundheit und Umweltbewusstsein. Ins Leben gerufen wurde die Bewegung vom schwedischen Umweltaktivisten Erik Ahlström. Inzwischen gibt es Plogging-Gruppen überall auf dem Globus. In Schweden ist das seit 2016 sogar ein organisierter Sport.

Einer, der das schon gemacht hat, bevor die Sache einen Namen bekam, ist Gottfried Krutzki. Der 75-jährige Rechtsanwalt im Ruhestand joggt zwei- bis dreimal wöchentlich mit einer Plastiktüte durch Friedberg. Vorbild war sein 2011 verstorbener Bruder. »Er war stark in seiner Mobilität behindert, was ihn aber nicht daran hinderte, sich bei Spaziergängen immer zu bücken, wenn er Müll am Weg sah«, sagt Krutzki. Der Bruder konnte nicht mit ansehen, dass die Natur so verschmutzt wird. Irgendwann entschloss sich der Anwalt, stets eine Plastiktüte zum Spaziergang mitzunehmen.

Usa-Weg ist besonders sauber

Nach dem Tod des Bruders behielt Krutzki die Gewohnheit bei. Friedberg und seine Bürger sind ihm wichtig. Seit 1995 lebt er hier, ist aktiv im Umsonstladen. Trotz Ruhestand bietet er einmal im Monat über das Internationale Zentrum Friedberg im katholischen Gemeindehaus eine offene Sprechstunde an. Seine Aufmerksamkeit gilt auch dem Stadtbild. Besonders sauber sei es inzwischen am Weg an der Usa entlang. Auch dort joggt oder besser ploggt er mit Greifzange in der einen und Plastiktüte in der anderen Hand. Bis zu drei volle Beutel zählt er bis zum Ende seiner Joggingrunden.

Überwiegend, so sagt er, sei es Müll von Fußgängern, aber auch solcher, der von Autofahrern aus dem Fenster geworfen oder beim Parken entsorgt werde: Fastfood-Müll, Zigarettenschachteln, Süßwarenverpackungen, Plastikfolien, Papiertaschentücher, Trinkflaschen und Papierschnitzel. Immer wieder begegnet Krutzki Menschen, die gleichfalls mit Plastiktüte spazieren gehen. Ein Plogger ist ihm jedoch noch nie begegnet.

75-Jähriger sucht »Mit-Plogger«

Manche Strecken litten unter einem stetigen Müllstrom, zum Beispiel die Wege an den Bahndämmen, und manche wie der Usa-Spazierweg blieben inzwischen erstaunlich verschont. Das Müllsammeln scheine einen präventiven Effekt zu haben, vermutet Krutzki. Er erlebt auch Kurioses. Als er einmal einen vollen Müllbeutel in einen öffentlichen Müllbehälter entleerte, ging ihn jemand mit den Worten an: »Was fällt Ihnen ein, Ihren Hausmüll hier zu entsorgen.« Krutzki sieht es positiv. Es gebe eben sehr viele Menschen, die sich über illegal entsorgten Müll aufregen. Leider gebe es aber zu wenige, die öffentliche Grünanlagen von ihm befreien. Wem Ploggen körperlich zu anstrengend ist, kann es auch mit Pliking (von »hiking«, englisch für Wandern), »Plalking« (von Walking) oder »Plycling« (»cycling«, englisch für Fahrrad fahren) versuchen. Wer sich nicht zu Sport durchringen kann, dem bleibt die Rufnummer der Stabstelle »Sauberes Friedberg«, um illegalen Müll zu melden (0 60 31/88-324).

Wer gerne gemeinsam »ploggen« möchte, kann sich an Gottfried Krutzki wenden: Telefon 0 60 31/687 02 95, E-Mail info@krutzki.eu.

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