Noch ein lauschiges Plätzchen: Bernhard Siller, einer von rund 60 Bewohnern der Görbelheimer Mühle, zeigt, wo der Radweg von Bruchenbrücken nach Fauerbach die Wetter mithilfe einer langen Brücke überqueren soll.
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Noch ein lauschiges Plätzchen: Bernhard Siller, einer von rund 60 Bewohnern der Görbelheimer Mühle, zeigt, wo der Radweg von Bruchenbrücken nach Fauerbach die Wetter mithilfe einer langen Brücke überqueren soll.

Verkehrsplanung

Görbelheimer Mühle in Friedberg: Banges Warten auf Radweg und Angst vor Lkw-Belastung

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Vor zwei Jahren wurde in Friedberg beschlossen, dass die L 3351 keine neue Trasse durch die Felder erhält. Doch wo soll der Radweg von Fauerbach nach Bruchenbrücken verlaufen?

Friedberg – Bevor die Planer richtig loslegten konnten, signalisierten die Landwirte Widerstand: Mit einem Banner warnten sie vor »Landraub«. Die L 3351 ist für eine Landstraße eigentlich zu eng. Eine neue Trasse quer durch die Felder war angedacht, wurde aber verworfen. Stattdessen kamen Stadt und Hessen Mobil vor zwei Jahren überein, dass neben der Vergrößerung des Bahntunnels (für Gegenverkehr zu schmal, eine Ampel regelt die Durchfahrt) und einer Erneuerung des Straßenbelags lediglich ein Radweg gebaut wird. Bauern und Naturschützer atmeten auf.

Die Bewohner der Görbelheimer Mühle sahen das ein, obwohl eine neue Straße bedeutet hätte, dass der Verkehr nicht mehr quer durch das Mühlen-Ensemble läuft - zu dem auch die Erdkeller und Gärten auf der anderen Straßenseite zählen. Sie wünschen sich Tempo 30. Raserei, Erschütterungen und Verkehrslärm halten sie seit Jahrzehnten in Atem. Die Bewohner fragten sich nach der Parlamentsentscheidung freilich, wo der neue Radweg verlaufen soll. Die Straße ist in Höhe der Mühle sehr eng, der Radweg muss ausweichen.

Friedberg: Eine komplexe Planungsphase für Radweg an der L 3351

Vor wenigen Tagen waren Planungsingenieure vor Ort. Wie Mühlen-Bewohner Bernhard Siller erzählt, sollte geprüft werden, wie der Radweg um die Mühle herumgeführt werden kann. Eine Festlegung gibt es noch nicht, was Cornelia Höhl, Sachgebietsleiterin bei Hessen Mobil in Schotten, damit erklärt, dass jeder Radweg »einen gründlichen Planungsprozess« benötige. Dieser ist aufgeteilt in Voruntersuchung, Vorentwurf und Planfeststellungsentwurf. Der Radweg an der L 3351 befindet sich in der ersten Phase. Auch die spätere Baurechtschaffung sei mit einem »hohen Zeitaufwand verbunden«. Momentan, so Höhl, könne man keine Angaben machen, wann der Bau des Radwegs beginnt. Das gleiche gelte für die Erneuerung des Bahntunnels.

Ist der Tunnel größer, passen dort auch Lkw durch. Die Mühlenbewohner befürchten, dass Brummifahrer die L 3351 als Abkürzung in Richtung B 3 und A 5 nutzen. Für sie ein Grund mehr, auf Tempo 30 zu pochen. Siller nennt ein weiteres Argument: Die Bushaltebucht liegt auf der anderen Straßenseite, die Schulkinder müssen die Straße queren. Auch wenn noch nichts passiert sei, sei das zuweilen sehr gefährlich. »Eine Ampel könnte hier für Sicherheit sorgen und den Verkehr ausbremsen.«

Friedberg: Radweg durch eine Naturidylle? Verlauf noch unklar

Zurück zum Radweg: Wo könnte der verlaufen? Siller führt den Reporter durch einen Hof über eine hölzerne Wetterbrücke zum Feldrand hinter der Mühle. In ein paar hundert Metern Entfernung erhebt sich der Damm der Bahnlinie nach Hanau. Früher soll dort ein Gehweg bis zur Wetter verlaufen sein.

Gut möglich, dass hier einmal der Radweg gebaut wird. Er würde am Ortsausgang an der »Panzerbrücke« beginnen und durch die Felder führen. Wo der Strassbach in die Wetter mündet, wenige Meter von der Usa-Mündung entfernt, könnte eine Brücke über den Fluss gebaut werden, damit die Radfahrer auf den Usatal-Radweg stoßen, der von Fauerbach kommt.

Friedberg: Der Traum vom Stadtteil Görbelheim

Siller ist nicht wohl bei diesem Gedanken. Das Areal zwischen Mühle und Bahndamm ist ein Naturparadies, mit Kühen, Pferden und Bäumen, an denen dicke Quitten hängen. Das Wetterufer wird von Baumriesen gesäumt, ein Graureiher erhebt sich aus dem Gehölz und segelt davon.

Was, wenn diese Idylle durch Radtouristen gestört wird? Ein Teil des Gebiets stehe unter Naturschutz. Da es vom Hochwasser gefährdet ist, müsste der Radweg höher gelegt werden, sagt Siller. Er bleibt dabei: Die beste Lösung sei Tempo 30 direkt vor der Görbelheimer Mühle. Siller hatte eine Petition gestartet und Unterschriften gesammelt: 324 Stimmen für Tempo 30 in Bruchenbrücken und Görbelheim. »Dann könnten sich Fahrräder und Autos die Straße teilen. Ein eigener Radweg wäre nicht nötig.« In Bruchenbrücken gibt es das Tempolimit mittlerweile. Die Mühle aber liegt außerhalb an einer Landesstraße. Und Tempo 30 ist auf Landesstraßen nicht vorgesehen (siehe Kasten).

Im Mittelalter war Görbelheim ein Dorf. Siller hat sich erkundigt, ob man aus der Görbelheimer Mühle mit ihren 60 Bewohnern und mehreren Künstlerateliers nicht einen Stadtteil machen könnte. Mit Ortseingangsschilder und einer Stadtstraße, auf der Tempo 30 gilt. Aber das wird wohl ein Wunschtraum bleiben.

Rad und Tempo 30: Was die Stadt Friedberg dazu sagt

Die Aufgabe von Hessen Mobil sei es, »den Usatalradweg mit Bruchenbrücken zu verbinden«, teilt Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) zu den aktuell laufenden Untersuchungen mit. Zusammen mit einem Planungsbüro würden die verschiedenen Varianten untersucht. Drei Varianten verlaufen an der L 3351: Eine links und eine rechts der Straße, die dritte würde die Görbelheimer Mühle westlich umfahren. Diese Varianten sind wohl kaum machbar. In Höhe der Görbelheimer Mühle ist die Straße zu eng, die Variante mit der westlichen Umfahrung durch die Felder würde bedeuten, dass die Strecke Gefälle bekäme. Auf dem Rad müsste man sich den Hügel hochquälen. Nach Rücksprache mit dem Rathaus werden auch die Varianten 3 a und 3 b untersucht. Antkowiak: »3 ist unsere Vorzugsvariante.« Es ist die Strecke, die von der Panzerbrücke durch die Felder führt und westlich des Bahndamms verläuft. Wo die Straßbach in die Wetter mündet, müsste eine Brücke gebaut werden. Der Radweg würde dann an der Usa entlangführen bis zur B 275. Für diese Planung liege eine artenschutzfachliche Prüfung vor, sagt Antkowiak. Eine weitere Variante führt vom Ortskern von Bruchenbrücken durch die Felder nach Osten und dann östlich der Bahnstrecke Richtung Fauerbach.

Variante mit „geringstem Konfliktpotenzial“ gesucht

Ziel sei es, die Variante »mit dem geringsten Konfliktpotenzial« zu verwirklichen. Zur Bushaltestelle an der Görbelheimer Mühle teilt der Bürgermeister mit, dass Hessen Mobil bei grundhaften Erneuerungen die Bushaltestellen barrierefrei ausbaue. »Da Hessen Mobil sich aktuell in der Vorplanungsphase befindet, können diese Fragen im Laufe der weiteren Planung geklärt werden. Ich werde den Wunsch nach einer Lichtsignalanlage dem Projektleiter von Hessen Mobil übermitteln.« Zum Wunsch der Anwohner, Tempo 30 vor der Görbelheimer Mühle einzurichten, hat die Erste Stadträtin Marion Götz (SPD) als Chefin der Straßenverkehrsbehörde Stellung genommen. Hier sind laut Götz die Vorschriften eindeutig: »Selbst wenn die L 3351 auf eine Kreisstraße oder Stadtstraße herabgestuft werden sollte, ist eine Geschwindigkeitsbeschränkung außerorts auf 30 Km/h nicht möglich. Die derzeitige Beschränkung auf 50 Km/h stellt schon eine Ausnahme dar.«

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