Mit viel Witz erzählt Olaf Bossi, wie er zum Minimalist geworden ist. 	FOTO: HMS
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Mit viel Witz erzählt Olaf Bossi, wie er zum Minimalist geworden ist. FOTO: HMS

Was glücklich macht, darf bleiben

  • vonHanna von Prosch
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Friedberg (hms). Olaf Bossi, waldorfgeschulter Schwabe mit italienischen Wurzeln und deutscher Familie liebt Musik, Quatschen und kuriose Einfälle: nachhaltiges Aufräumen zum Beispiel. Daraus machte der Comedian sein neues Programm »Endlich Minimalist«. Mit sprühendem Witz gab er dem Publikum im Alten Hallenbad das Gefühl: Das kenn‹ ich! Lacher gab es reichlich in der gut zweistündigen Show im alten Hallenbad.

Wer sich nur Aufräumtipps erwartet hatte, bekam Familiengeschichten, Erziehungsratgeber, Freundschaftsszenen und Lieder zur Gitarre obendrauf. Denn Bossi ist Musiker, Komponist und Texter unter anderem für Beatrice Egli, Maite Kelly und Wolkenfrei (Vanessa Mai), womit er 2016 den Schlager-Echo gewann. Ein ganzes Paket an Glaubwürdigkeit und Authentizität also. In Wortspielereien und beiläufigen Pointen startete er den Versuch, minimalistisch zu leben.

Als sie merkten, dass das Genie wohl nicht wirklich das Chaos überblickt und sie sich beim unangekündigten Besuch vorkamen wie bei der Polizeikontrolle in einer Cannabis-Plantage, entschloss die vierköpfige Familie, es mit Ausmisten zu versuchen. Professioneller Rat half dabei. Am wichtigsten war die 365-Tage-Kiste, denn was man nach einem Jahr nicht vermisst, kann weg. Und nicht vergessen: Sperrmüll fotografieren, falls man später etwas sucht.

Scheidung auch eine Lösung

Die Frage war: Was soll bleiben? Was macht mich glücklich? Am liebsten hätte Bossi sofort mit dem Entsorgen der Steuererklärung angefangen aber die Klamotten hatten Vorrang. Fehlkauf? Ab in den Secondhand-Laden. Oder einen Koffer für zu Hause packen. Da gehen nur die Lieblingssachen rein. Von den Koch- und Diätbüchern kommt er zum Thema Supermarkt und der Gurke mit oder ohne Folie.

Hohen Erkenntniswert hatte das Ausmisten der Küche: »Man kauft Geräte mit Erwartungen wie den Smoothie-Mixer: drei Wochen Euphorie, danach vergessen.« Einfacher war es im Bad, wo im Medizinschrank Ablaufdaten und Tabletten ohne Verpackung natürliche Grenzen setzen. Daran schloss sich eine seiner köstlichen Szenen an, in der der Sohn den Mund voll Globuli - eine Glaubensfrage - schluckt und der Vater mit sich ringt, ob er den Giftnotruf, den Heilpraktiker oder den medizinisch bewanderten Freund anrufen soll.

Schwer fiel es dem Musiker, seine Plattensammlung zu reduzieren. In den Kassettenaufnahmen der 80er Jahre entdeckte er den wirklichen Wert in den Werbeblocks und den Stimmen der Moderatoren. Von Flugangst übers Sandmännchen bis zur mit Unworten gespickten Verkehrserziehung, die ihn als Vater in große Erklärungsnot bringen sollte, ließ er sein Leben Revue passieren. Aber was ist mit den emotionalen Gegenständen? Was schenkt man einem Minimalisten? »Einen Gutschein für nichts? Nein, am besten Zeit!« Womit er beim Smartphone-»Missbrauch« angekommen wäre und wie man ihn abstellen kann. Doch wäre nicht für Gott auf seiner Cloud die App-Solution auf seinem i-God-Phon für abtrünnige Beichtwillige eine Lösung? Die Engel Alexa und Co. habe er ja schon geschickt.

Bedenklich, aber konsequenter Minimalismus sei auch, sich per Scheidung vom Partner zu trennen, wenn er einen nicht mehr glücklich mache. Zum Schluss des unterhaltsamen Abends gab es ein zauberhaftes unendliches Schlaflied, das das Publikum richtig munter zu heftigem Applaus anregte.

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