Abstandsregeln? Spielen Kinder, denken sie nicht an den Bund-Länder-Beschluss. Kaum anzunehmen, dass die Kitas nach dem 3. Mai wieder komplett geöffnet werden.		FOTO: NICI MERZ
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Abstandsregeln? Spielen Kinder, denken sie nicht an den Bund-Länder-Beschluss. Kaum anzunehmen, dass die Kitas nach dem 3. Mai wieder komplett geöffnet werden. FOTO: NICI MERZ

Notbetreuung in den Kitas

Gewöhnungsbedürftig: Windeln wechseln mit Maske

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Kleinkinderbetreuung in Zeiten der Corona-Krise ist arbeitsaufwendig. Täglich ändern sich die Zahlen der zu betreuenden Kinder. In Friedberg und Bad Nauheim läuft trotzdem alles problemlos.

Die Kita-Notbetreuung in Zeiten von Corona erfordert ungewöhnliche Maßnahmen. Vor allem für die Kleinkinder selbst, etwa wenn die Erzieherin beim Wechseln der Windeln ihr Gesicht hinter einer Maske verbirgt. Was die Jungen und Mädchen dann wohl denken? Flößt ihnen die fremde Frau mit der Maske Angst ein? »Nicht alle Kinder sind darüber erfreut«, sagt Bad Nauheims Erster Stadtrat Peter Krank (parteilos). »Sowas müssen die Erzieherinnen spielerisch mit den Kindern einüben, dazu braucht es viel Fingerspitzengefühl.«

Das gilt in diesen Tagen für das Kita-Management insgesamt. Wie Krank und seine Kollegin Marion Götz (SPD) aus Friedberg berichten, läuft die Umstellung bei der Kita-Notbetreuung aber ohne Probleme. In Friedberg wird eine Notbet reuung mittlerweile in zwölf Kitas angeboten, je vier unter städtischer, kirchlicher und freier Trägerschaft. Bis zu 47 Kinder wurden bislang betreut, wobei die Zahlen täglich schwankten, wie Götz sagt.

Die Eltern versuchten, anderweitig eine Betreuung für ihre Kinder zu organisieren, bringen ihre Kinder nicht täglich. Auch würden die gebuchten Zeiten nicht voll in Anspruch genommen. So waren im März in den (seinerzeit drei) städtischen Notdienst-Kitas 28 Kinder angemeldet, in einer Woche seien aber tatsächlich maximal nur elf Kinder betreut worden. Bis Mitte der Woche kamen aufgrund der neuen Regelungen fünf weitere Kinder in den städtischen Kitas hinzu.

Kleine Gruppen, geringere Gefahr

Die Personalstärke könne sich aufgrund der Anzahl der Kinder täglich ändern, sagt Götz. »Die Kitas werden mit Personal der eigenen Einrichtung und einer weiteren Kita besetzt, damit keine große ›Durchmischung‹ des Personals stattfindet und wechselseitige Ansteckungsrisiken minimiert werden.« Wie andernorts wurden auch in Friedberg kleine Gruppen eingerichtet. Götz: »In einer Gruppe dürfen laut Anweisung des Hessischen Sozialministeriums maximal drei bis fünf Kinder betreut werden.«

Probleme mit den Eltern gebe es keine. »Die Eltern sind sehr verständnisvoll und erkennen die Problematik.« In wenigen Fällen habe man Eltern darüber aufklären müssen, dass sie nicht die vom Land vorgegebenen Voraussetzungen der »Systemrelevanz« für die Inanspruchnahme einer Notbetreuung erfüllen.

Es gebe aber auch »einzelne Unverständlichkeiten«, sagt Götz. »Beispielsweise dürfen in der Kita nur die Kinder der Fachkräfte betreut werden, nicht die Kinder der Hauswirtschafts- und Reinigungskräfte. Dies bedeutet im Zweifelsfall, dass wir unsere Kräfte nicht einsetzen können, da sie ihre Kinder nicht unterbringen können.«

Wie die Zahlen der zu betreuenden Kinder kontinuierlich ansteigen, zeigt das Beispiel Bad Nauheim. Dort wurden laut Erstem Stadtrat Krank anfangs 42 Kinder betreut, vor Ostern waren es 61 und zuletzt 89. »Kommende Woche werden deutlich mehr erwartet.« Auch wenn mehr Berufsgruppen hinzukamen, würden die Kindergruppen weiter möglichst klein gehalten. »Damit das Risiko der Übertragung ebenfalls möglichst klein ist.« Komme es zu einer Übertragung, müsse man nicht die komplette Einrichtung schließen. Das Konzept sei mit dem Gesundheitsamt abgestimmt und habe sich bewährt. In einer Bad Nauheimer Kita gab es einen Corona-Verdacht. »Nach zwei Wochen stellte sich heraus, dass es ein Fehlalarm war.«

Die Personalauslastung sei relativ hoch, sagt Krank. »Nebenbei werden andere Arbeiten erledigt, die liegen geblieben sind.« Mit den Eltern gebe es in Bad Nauheim »überhaupt keine Probleme«. Die Landesverordnung lasse keine Diskussionen zu. »Wir waren sehr früh in der Umsetzung. Donnerstags Konferenz mit dem Landrat, freitags erste Andeutungen, dass die Kitas geschlossen werden müssen, was montags der Fall war. Es geht alles sehr schnell, aber es läuft trotzdem reibungslos.«

Was nach dem 3. Mai kommt, können Götz und Krank nicht sagen. Beide gehen davon aus, dass bei der Kita-Öffnung bis dahin noch die Handbremse angezogen wird. Krank: »Kinder halten sich nicht an Abstandsregeln, die wollen miteinander spielen.« Ein Abstand von eineinhalb Metern ist im Sandkasten eher hinderlich.

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