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Viele Getreidesorten in der Wetterau sind reif. Während die Landwirte mit dem vielen Regen in diesem Jahr zufrieden sind, brauchen sie für die jetzt angelaufene Erntekampagne einige trockene Tage. Unser Bild ist in der Nähe von Ober-Mörlen entstanden.

Nach dem Regen

Getreideernte in der Wetterau: Wahrheit zeigt sich auf der Waage

  • VonInge Schneider
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Reichlich Regen im Frühjahr und Sommer: Von Wetterauer Landwirten wird das nach Jahren extremer Trockenheit begrüßt. Das Ergebnis der Getreideernte ist trotzdem noch offen.

Wetteraukreis – Für ein Fazit der Getreideernte im Kreisgebiet ist es noch zu früh, denn die Kampagne hat gerade erst richtig begonnen. Doch Andrea Rahn-Farr, Vorsitzende des Regionalbauernverbandes Wetterau-Frankfurt, hat zumindest keine Hiobsbotschaften zu vermelden. »Das Getreide steht im Allgemeinen dicht und schön in unserer Region, die reichhaltigen Regenfälle haben den Böden nach drei Jahren Dürre auf jeden Fall gutgetan. Deshalb will ich auch nicht jammern - zudem stehen wir ja erst am Anfang der Erntezeit«, sagt Rahn-Farr.

Getreideernte in der Wetterau: Raps und Weizen an der Reihe

Zunächst wurden frühreife Sorten geerntet, jetzt sind Raps und Weizen an der Reihe. Durch die spätreifen Getreide und Feldfrüchte kann sich das Gesamtergebnis nach Angaben der Verbandsvorsitzenden durchaus noch verändern. Sie verweist zudem auf große Unterschiede in den verschiedenen Regionen und bei unterschiedlichen Getreidesorten.

»Fakt ist, dass zumindest die Wintergerste zu wenig Sonnenstunden abbekommen hat. Diese Tatsache schlägt sich in sogenannten Schmachtkörnern nieder, die kleiner als üblich ausfallen«, erklärt Rahn-Farr. Der Bauer ernte ein offensichtlich dicht besetztes Feld ab, doch auf der Waage zeige sich die Wahrheit. Auf Grundlage der bislang vorliegenden Zahlen geht die Vorsitzende von einem zufriedenstellenden, eher durchschnittliches Ernteergebnis aus.

Getreideernte in der Wetterau: Feuchtigkeit begünstigt Fäulnis

Der Präsident des Hessischen Bauernverbandes (HBV), Karsten Schmal, hat zwar auch nichts gegen mehr Niederschläge als in den Vorjahren einzuwenden, Starkregen habe aber negative Auswirkungen. In besonders betroffenen Regionen seien Getreidehalme niedergedrückt oder abgeknickt worden. Das erschwere das maschinelle Mähen und Dreschen, Qualitätsminderung sei eine weitere Folge. »Teilweise sind Flächen aufgrund der durchnässten Böden kaum befahrbar, die Mähwerke verstopfen rasch«, sagt Schmal.

Ein Zuviel an Feuchtigkeit begünstige zudem Fäulnis, Pilzbefall und andere Pflanzenkrankheiten. Der HBV-Vorsitzende erwähnt Blattkrankheiten bei Zuckerrüben und Kartoffeln sowie das Aufquellen der Getreidekörner. Gerade im Ernteprozess komme den Bauern eine kurze Trockenphase mehr als gelegen.

Getreideernte in der Wetterau: Winterraps hat gelitten

Auch Schmal zieht im Vergleich zu den Vorjahren ein tendenziell positiveres Zwischenfazit: »Im Gegensatz zu den drei sehr trockenen Jahren 2018 bis 2020 war die Niederschlagsverteilung im letzten Winter und Frühjahr in den meisten Landesteilen Hessens recht gut. Deshalb rechnen wir im Vergleich zu diesen Trockenjahren mit leicht überdurchschnittlichen Getreideerträgen.« Die bislang vorliegenden Ernteergebnisse seien für eine gesicherte Prognose allerdings noch nicht ausreichend, betont er ebenso wie Rahn-Farr.

Wie alle landwirtschaftlichen Kulturpflanzen habe der Winterraps besonders unter der Kälte im April und Mai gelitten. Das werde sich in den Erträgen niederschlagen. Grünland, Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais profitierten dagegen von der bislang guten Niederschlagsversorgung. Nach schwierigen Startbedingungen präsentierten sich diese Pflanzenbestände in einem guten Zustand.

Getreideernte in der Wetterau: Gegenseitige Rücksichtnahme

Zusätzlich erwähnt der Hessische Bauernverband die regelmäßig mit dem Erntegeschehen verbundenen Verkehrsbehinderungen. Landwirte und Bevölkerung werden um gegenseitige Rücksichtnahme gebeten. »Aufgrund der Erntearbeiten werden in den nächsten Wochen auf den Straßen vermehrt langsam fahrende Mähdrescher und Traktoren mit Anhängern unterwegs sein«, sagt der HBV-Präsident. Auf den Anhängern würden Lebensmittel und Futter transportiert, wovon die gesamte Bevölkerung profitiere. (Inge Schneider)

Kirschbauern berichteten vor Kurzem, dass Regen, Hagel und Sturm den Bäumen stark zugesetzt habe. Deswegen sei die Kirschernte in der Wetterau dieses Jahr „ein einzigartiges Desaster“.

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