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Ob es der Bach in Weckesheim ist oder das Schloss in Ortenberg - Yvonne Taddeo strickt am liebsten Geschichten, die an Orten in der Wetterau spielen und die einen historischen Hintergrund haben. Fotos: sda/pv

Bücher aus der Wetterau

Die Geschichtensammlerin

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Ein altes Schloss, eine Ruine, ein kleiner Bach - die Wetterau ist voll von Orten, an denen sich Geschichten verbergen. Yvonne Taddeo ist ständig auf der Suche nach ihnen, um davon zu erzählen.

Auf dem Glauberg gibt es ein Tor. Wer es öffnen will, braucht eine Schlüsselblume. So heißt es jedenfalls in einer alten Sage, von der sonst nichts weiter überliefert ist. Als Yvonne Taddeo davon gehört hat, entspann sich eine Geschichte dazu in ihrem Kopf. Wenig später war sie zu Papier gebracht. So ist es meistens: Die Ortenbergerin hat schon zahlreiche Geschichten aufgeschrieben - immer mit einem historischen Bezug zur Region.

Da ist zum Beispiel das Geheimnis des Sommerbachs. "Eine Weckesheimer Gruselgeschichte" lautet der Untertitel. Die Geschichte spielt in dem Ort, in dem die Autorin aufgewachsen ist. Erst später, als sie ihren Mann geheiratet hat, zog sie nach Ortenberg.

In den vergangenen Jahren fing sie damit an, Bücher zu veröffentlichen. Geschrieben hat sie eigentlich schon immer, erzählt Yvonne Taddeo. Schon in der Schulzeit an der Wölfersheimer Singbergschule. "Meine erste Geschichte habe ich in der vierten Klasse geschrieben. Sie handelte von einem Hamster."

Viel später, als sie schon verheiratet und Mutter gewesen ist, kamen die sogenannten Fan Fictions auf - Erzählungen, die Fans eines bestimmten Werks schreiben, aber mit alternativen Handlungen. Im Internet gibt es zahlreiche Plattformen dafür. Yvonne Taddeo schrieb eine Menge, zum Beispiel eine alternative Handlung zu "Twilight".

Anhand der Resonanz der Community habe sie gemerkt, dass ihre Texte gerne gelesen werden. Bis zu 60 000 Zugriffe hatten ihre Texte. Und irgendwann sagte ihr Mann: "Du steckst so viel Zeit und Herzblut in diese Geschichten. Lass doch Dein eigenes Buch drucken."

Wo die Geschichte beginnt…

Eine vage Geschichte hatte sie da ohnehin schon im Kopf. Wenig später begann sie, die Keltâ-Saga zu schreiben. Acht Jahre ist das nun her. Bald erscheint der fünfte und letzte Band, "Ariax", der Fantasy-Reihe, die am Glauberg spielt.

"Lubiias" heißt der erste Band. Die Inhaltsangabe: "Lioba, die Hauptperson der Geschichte, lebt bei ihrer Tante Ida im oberhessischen Ortenberg. Als sie eines Tages mit ihren Freunden Cathérine und Magnus den Kalten Markt besucht, trifft sie einen Fremden, der sie gleichzeitig magisch anzieht und in Todesangst versetzt."

Yvonne Taddeo sagt zu der Idee zu den Büchern: "Als Mutter von fünf Kindern fiel mir auf, dass Kinder und Jugendliche heute zwar genau wissen, auf welchem Gleis man den Zug nach Hogwarts erreicht, sie jedoch mit Begriffen wie ›Krautfass‹ - wie man die Burgruine in Lißberg bezeichnet - nichts anfangen können." So sei sie auf die Idee gekommen, einen Roman zu schreiben, in dem sie versuche, mit Spannung und Romantik Jugendlichen und junggeblieben Erwachsenen die historischen Schauplätze der Gegend nahezubringen. "Ganz nebenbei erfährt man Hintergrundwissen über die Lißburg, die Schafskirche, den Glauberg, Kloster Konradsdorf und den Kalten Markt - wo die Story beginnt."

Die Erzählung entwickelt sich über fünf Bände. Der neueste soll diesen Monat herauskommen - mit ihm endet die Sage.

Yvonne Taddeos Lust zu schreiben aber noch lange nicht. "Manchmal bekomme ich eine Geschichte erzählt und sie verselbstständigt sich dann." Ideen hat sie also genug, und reichlich Stoff bietet die Wetterau sowieso.

Eine ihrer neuesten Arbeiten ist ausnahmsweise nicht mit einer fiktiven Geschichte angereichert. Zum 50-jährigen Jubiläum der Gebietsreform (1. Dezember 1970) hat sie sich den Stadtteilen der Großgemeinde Nidda gewidmet. Für das Buch hat sie jeden der 18 Stadtteile besucht, an Haustüren geklingelt, um sich von den Einwohnern Begebenheiten erzählen zu lassen, hat Ortsvorsteher getroffen.

Als nächstes Projekt hat sich die Autorin Ortenberg vorgenommen. Und wenn sie damit fertig ist, gibt es bestimmt schon wieder neue Pläne - denn Geschichten gibt es überall. Yvonne Taddeo wird sicher noch viele von ihnen finden.

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