Gedenkgang

Geschichte der Juden heute im Fokus

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Friedberg(pm). Am heutigen Samstag findet in Erinnerung an die Opfer der Reichspogromnacht vor 81 Jahren ein Gedenkgang zu historischen Orten in Friedberg statt. Die Veranstaltung wird um 19 Uhr auf dem Diefenbach-Parkplatz in der Ockstädter Straße am ehemaligen jüdischen Friedhof eröffnet. Danach zieht sich der Gedenkgang an der Augustinerschule entlang und durch die Ludwigstraße, die Bismarckstraße und die Kaiserstraße zum Synagogenplatz.

Der Friedberger Historiker und ehemalige Bürgermeister Michael Keller wird das Programm zusammen mit Mitgliedern der Antifaschistischen Bildungsinitiative (Antifa BI) gestalten. Es wird nicht nur auf die historische Bedeutung der Orte eingegangen, sondern Keller wird auch über die nicht immer einfache Geschichte der Aufarbeitung in Friedberg berichten. Gedichte und Zeitzeugenberichte werden vorgetragen. Der Gedenkgang wird von einem Chor begleitet, der zwei hebräische Lieder vortragen wird.

Mikwe hat Gewaltorgie überstanden

In Friedberg lebten 1933 etwa 300 jüdische Einwohner. In der Pogromnacht fünf Jahre später kam es durch Angehörige der SA, der Hitlerjugend, durch Geschäftsleute und weitere Friedberger Bürger zu Übergriffen auf die jüdischen Mitbürger. Juden wurden durch die Straßen geprügelt, Geschäfte und Wohnungen zerstört und die Synagoge verwüstet und in Brand gesteckt.

In der Judengasse wird über das Leben der Friedberger Juden dort berichtet. Hier befindet sich die Mikwe, das rituelle Tauchbad der jüdischen Gemeinde. Das Bau- und Kulturdenkmal wurde etwa 1260 errichtet und ist mit einer Tiefe von 25 Metern die größte noch erhaltene Mikwe dieser Zeit in Deutschland. Sie wurde während der Pogrome nicht beschädigt und kann auch heute noch besichtigt werden.

Am Platz der ehemaligen Synagoge wird eine Gedenkveranstaltung stattfinden. Sie wird von der Antifa BI in Zusammenarbeit mit dem Junity und der Stadt Friedberg organisiert. Die evangelische und die katholische Kirchengemeinde und der Geschichtsverein rufen zur Teilnahme auf. Dieses Projekt wird unterstützt vom Wetteraukreis aus dem Programm "Demokratie leben!", gefördert vom Bundesfamilienministerium.

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