Gerichtsentscheidung: Studio muss geschlossen bleiben

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Wetteraukreis(pm). Das Verwaltungsgericht Gießen hat am Montag mit einem Beschluss den Eilantrag einer Inhaberin eines EMS-Studios (Elektronische Muskelstimulation) im Wetteraukreis abgelehnt. Die Inhaberin hatte gegen die Untersagung des Betriebes im Rahmen der Hessischen Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung geklagt.

In einem EMS-Studio wird ein zur elektronischen Muskelstimulation verwendetes Gerät bereitgestellt, das dem Trainierenden während der von ihm ausgeführten Übungen angelegt wird und so der körperlichen Ertüchtigung dient.

Betreiberin: Zweifel an Rechtmäßigkeit

Die Antragstellerin macht in dem Eilverfahren zum einen geltend, dass ein EMS-Studio nicht als ähnliche Einrichtung zu einem Fitnessstudio zu sehen sei und daher überhaupt nicht von der Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung untersagt sei. Ein EMS-Studio sei viel kleiner als Fitnessstudios und weniger stark frequentiert. Es sei eher mit einem Personal-Trainer vergleichbar, der seine Tätigkeit zurzeit ausführen dürfe. Das angebotene Training sei zudem gesundheitsfördernd.

Darüber hinaus zweifelt die Antragstellerin die Rechtmäßigkeit und die Verfassungsmäßigkeit der hessischen Verordnung an.

Das Verwaltungsgericht Gießen führt in seiner Entscheidung aus, dass ein EMS-Studio eine dem Fitnessstudio ähnliche Einrichtung sei und teilweise sogar als Fitnessstudio bezeichnet werde. In beiden Einrichtungen bestünden Angebote, um die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern, und hierfür würden jeweils auch Geräte bereitgestellt. Es komme insbesondere nicht auf die Größe des Studios an, weil es bereits eine Vielzahl sogenannter "Mikro-Fitnessstudios" gebe, die ebenfalls deutlich kleiner und weniger stark frequentiert seien als "klassische" Fitnessstudios und sich teilweise spezialisieren. Hinsichtlich der Rechtmäßigkeit der Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung bewertet die Kammer die Erfolgsaussichten hinsichtlich der in der Rechtsprechung unterschiedlich vertretenen Auffassungen als offen. Eine daher zu treffende Folgenabwägung gehe zu Ungunsten der Antragstellerin aus.

Gegenüber dem Grundrecht der Antragstellerin auf Berufsfreiheit und dem allgemeinen Gleichheitssatz würden die Folgen des Erlasses einer einstweiligen Anordnung im Hinblick auf die Covid-19-Pandemie und der damit einhergehenden ernst zu nehmenden Gefahr für das Schutzgut Leben und Gesundheit von Menschen aus Art. 2 Abs. 2 GG und die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems gravierender erscheinen.

Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. Die Beteiligten können dagegen binnen zwei Wochen Beschwerde beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel einlegen.

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