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Vor Gericht: Schwester geschlagen und bespuckt

Friedberg (lk). Er schlug so lange auf die Oberarme seiner Schwester ein, bis diese sie nicht mehr spürte. Er drückte ihr den Kopf so weit nach hinten, dass ihr Hals knackte, er gab ihr eine Ohrfeige und spuckte ihr ins Gesicht.

Am Donnerstag teilte Verteidiger Ulrich Baumann dem Friedberger Jugendschöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Franzke mit, dass es diesen Vorfall im Februar 2011 zwischen seinem Mandanten und dessen Schwester in deren Zimmer gegeben habe.

Der Angeklagte, ein 20-jähriger Friedberger, wollte auf weitere Fragen des Gerichts nicht antworten. Auch zu den beiden anderen Vorwürfen, ebenfalls Körperverletzungen, die sich gegen seine 19-jährige Schwester gerichtet haben sollen – Hintergrund war wohl unter anderem deren Umgang mit Männern – äußerte er sich nicht. Das Opfer der Schläge, eine hübsche, zierliche Frau mit dunkler Lockenpracht, zog es ebenfalls vor, zu schweigen. Die Mutter von Angeklagtem und Opfer, die den Prozess weinend verfolgte, war nicht als Zeugin geladen worden. Dafür aber eine Freundin der 19-Jährigen, die mitteilte, bei dem Vorfall im Februar 2011 dabei gewesen zu sein. Die Studentin sei öfters von ihrem Bruder geschlagen worden. "Aber nicht so krass, es war eher Rumgeschubse.

" Auf die Frage des Verteidigers, ob die Familie so lebe, wie in Friedberg üblich, oder eher so traditionell, wie es in Marokko der Fall sei, antwortete die Zeugin: "Keine Ahnung." Die Nachbarin des Angeklagten und dessen Familie sagte, die Mutter der beiden Kinder habe ihr das Mädchen einmal für zwei Tage vorbeigebracht, da der 20-Jährige seine Schwester habe schlagen wollen. Ihre Nachbarn seien Muslime, wie sie selbst auch. Zum Verhältnis der Geschwister könne sie nichts sagen.

Nach einem kurzen Rechtsgespräch wurden zwei der drei Anklagepunkte eingestellt. "Hier reicht es aus, eine Verwarnung auszusprechen", sagte Staatsanwältin Dr. Susanne Plettner. Der Angeklagte habe die Taten als Heranwachsender begangen, es sei Jugend-strafrecht anzuwenden. Plettner beantragte, der Angeklagte solle sieben Beratungsgespräche beim Zentrum für Männerfragen in Frankfurt führen. Verteidiger Baumann schloss sich der Auffassung der Staatsanwaltschaft an. Das Jugendschöffengericht verwarnte den bereits vorbestraften 20-Jährigen schließlich wegen der begangenen vorsätzlichen Körperverletzung. Der junge Mann muss fünf Beratungsgespräche führen. Da er als Schüler noch kein Einkommen hat, trägt die Staatskasse, sprich der Steuerzahler, die Kosten des Verfahrens.

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