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Sie spielen meisterlich und auf Augenhöhe: Trompeter Markus Bebek und Organist Jens Amend.

Ein gelungener Auftakt

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Friedberg(gk). Kaum waren die profanen Klänge des "CopaKabaNoga"-Festivals außerhalb der Kirchenmauern verstummt, riss im Inneren des ehrwürdigen Baus eine glanzvolle Trompetenfanfare die zahlreichen Besucher aus hitzebedingter Trägheit. Der Weckruf bildete den Auftakt zu einem knapp 90-minütigen Konzert für Trompete und Orgel - als Eröffnung der diesjährigen 25. Sommerkonzerte unter Leitung von Stadtkantor Ulrich Seeger.

Markus Bebek - neben zahlreichen weiteren Aktivitäten zweiter Solotrompeter im Frankfurter Museums-Orchester und Mitglied des Bläserensembles "hr brass" - und Jens Amend als europaweit konzertierender Organist und ausgewiesener Kenner des Orgelwerks von Johann S. Bach hatten ein faszinierendes Programm aus zehn Nummern (davon vier Bearbeitungen) zusammengestellt, das mit drei Stücken aus Georg Telemanns 1728 in Hamburg geschriebener Suite "Heldenmusik oder zwölf Märsche" begann. Jeder dieser Märsche beschreibt tonmalerisch einen Gemütszustand bzw. eine Charaktereigenschaft - so auch die zu Gehör gebrachten "Die Würde", "Die Gnade" und "Die Tapferkeit". Bereits hier war das nahezu perfekte Zusammenspiel der beiden Interpreten mit Händen greifbar. Orgel- und Trompetenklang verschmolzen - bei aller Verschiedenheit der Instrumente - zu einer faszinierenden, komplexen Einheit.

Der erste Satz der "Sonate für Trompete und Orgel" des 1911 in Massachusetts geborenen armenischstämmigen Alan Hovhaness trägt die Bezeichnung "Senza Misura" - ohne Maß. Als ruhig dahinfließender Melodienstrom bildet er einen reizvollen Kontrast zu Telemanns pathetischer "Heldenmusik".

"Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust": Die Kirchenkantate Johann S. Bachs für Alt solo (BWV 170) fasziniert neben ihrer Originalversion nicht minder in der Bearbeitung für Orgel und Trompete. Die vorgetragene erste Arie des fünfteiligen Werks lässt alle Erdenschwere für kostbare Minuten abfallen. Wiederum begeistert das Interpretenduo durch meisterliches Zusammenwirken auf Augenhöhe.

Das sind die Glanzpunkte

Mit der souveränen Wiedergabe von Bachs in seiner Weimarer Zeit als Hoforganist entstandenem Präludium und Fuge D-Dur (BWV 532) setzte Jens Amend einen absoluten Glanzpunkt des Abends. Das berühmte, hochvirtuose, mitreißende Werk begeistert vom ersten Ton an - wenn es so kongenial dargeboten wird. Es war, als geriete beim Hören dieses Juwels der ganze Kirchenraum in Schwingung - verstärkt durch die reizvollen farbigen Lichteffekte an den Säulen.

Kaum bekannt sein dürfte, dass Johannes Brahms - wenn auch nur wenige - Orgelwerke schuf. Im zweiten Teil des wunderbaren Abends erklang sein Präludium und Fuge g-Moll. Dessen Manuskript fand sich im Nachlass Clara Schumanns und wurde erst 1927 veröffentlicht. Wandelt Brahms hier nur in den Spuren des großen Bach? Jens Amends Interpretation ließ hörbar werden, dass dem nicht so ist. Bereits das Präludium enthält chromatische Elemente, die der Thomaskantor in dieser Form nie verwendet hat.

Zwischen Brahms’ Präludium und Fuge erklang Gabriel Faurés reizvolle, 1887 für Klavier geschriebene Pavane, op. 50 - bearbeitet diesmal für Flügelhorn und Orgel. Die "Pavane" erlebte als höfisch-gravitätischer Schreittanz im 16./17. Jahrhundert ihre Blütezeit. Das gedämpfte Auf und Ab der Melodien schuf eine suggestive mediterrane Atmosphäre. Neben vier Sätzen aus Händels berühmter "Wassermusik"-Suite D-Dur und vier Abschnitten der "Neun Stücke für Trompete und Orgel" des Bretonen Jean Langlais bildeten Hans-Uwe Hielschers (er war unter anderem jahrzehntelang Organist und Glockenspieler an der Wiesbadener Marktkirche) bewegende Variationen über den Gospelsong "Amazing Grace" den Schluss des umjubelten Konzerts. Einen gelungeneren Auftakt der diesjährigen Friedberger Sommerkonzerte hätte man sich nicht wünschen können.

Das nächste Sommerkonzert wird am Sonntag, 7. Juli, um 19 Uhr in der Stadtkirche gegeben und trägt den Titel "Der galante Stil". Es beinhaltet das Gesamtwerk für Viola da Gamba von Joseph Bodin de Boismortier. Georg Noeldeke (Viola da Gamba) und Rahel Klein (Viola da Gamba und Barockvioloncello) werden musizieren.

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