Am geschlossenen Eingang informiert die Arbeitsagentur mit Aushängen.
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Am geschlossenen Eingang informiert die Arbeitsagentur mit Aushängen.

Das Geld muss fließen

  • vonHarald Schuchardt
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Friedberg/Wetteraukreis (har). Seit Mitte vergangener Woche sind auch die Geschäftsstellen der Agentur für Arbeit in Friedberg, Bad Vilbel und Büdingen geschlossen. In der Friedberger Arbeitsagentur befinden sich an der Eingangstür entsprechende Informationen, und auf einem Tisch stehen zwei Ständer mit Info-Blättern zum Mitnehmen.

Bei Ankunft des WZ-Mitarbeiters holt sich gerade Wolfgang König von Radsport König schräg gegenüber der Arbeitsagentur ein solches Blatt. »Wir reparieren noch Räder, aber man weiß ja nicht, was noch passiert«, sagt König.

»Genauso sollte es sein«, meint Rainer Kupka, der den WZ-Schreiber durch eine Nebentür hereinlässt. Kupka leitet den Geschäftsstellenverbund Wetterau in der für den Wetteraukreis zuständigen Gießener Agentur für Arbeit.

Hinter den verschlossenen Türen geht die Arbeit weiter, und für die Mitarbeiter gibt es mehr zu tun denn je. »Die Telefone stehen nicht mehr still, wir führen keine Strichlisten mehr«, sagt Kupka. »Es sind schon ganz besondere Zeiten«, ergänzt Sabine Breitsprecher, Teamleiterin des Arbeitgeberservices in der Friedberger Arbeitsagentur.

Premiere für viele Selbstständige

Beide sitzen im Besprechungszimmer weit auseinander und vermeiden ansonsten, wie alle Mitarbeiter, jeden zu nahen Kontakt. Um vor allem die Fragen nach Kurzarbeitergeld zu beantworten, wurde das entsprechende Team personell verstärkt.

»Es gibt keine Schnittstellen mehr. Wir konzentrieren uns darauf, dass die Geldleistungen so schnell wie möglich fließen«, sagt die Teamleiterin. So werden jetzt auch Mitarbeiter eingesetzt, die ansonsten unter anderem als Berufsberater oder Vermittler tätig sind. Nahezu alle sind derzeit an den Info-Telefonen tätig oder beantworten Mails und Anfragen, die über die Internetseite gestellt werden. Kupka: »Die Bereitschaft der Mitarbeiter, andere Aufgaben zu übernehmen, ist sehr hoch.« Alleine in der Wetterau wurden mehr als 20 Telefone auf die Rufnummern des Arbeitgeberservices geschaltet. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass alle Leitungen besetzt sind.

Was sich nach zwei Tagen Schließung bereits herauskristallisiert, ist die Tatsache, dass sich viele Selbstständige und Kleinbetriebe zum ersten Mal überhaupt mit der Arbeitsagentur in Verbindung setzen. »Denen müssen wir dann erst einmal das Prozedere erklären. Das machen wir gerne und ausführlich. Der Dienstleistungsgedanke wird bei uns konsequent umgesetzt«, erläutert Breitsprecher, die sich darüber freut, dass die Resonanz durchweg positiv sei.

Keine Sanktionen wegen Terminen

Dies gelte derzeit für alle Arbeitsagenturen, bestätigt Johannes Paul, Pressesprecher der Gießener Arbeitsagentur. Paul rät dringend, Meldungen zur Arbeitslosigkeit online abzugeben - »das Angebot gibt es bei uns schon lange«. Aktuell konzentrieren sich laut Paul alle Arbeitsagenturen und Jobcenter auf die Auszahlung von Geldleistungen wie Arbeitslosengeld I und II, Kurzarbeitergeld, Kindergeld und Kinderzuschlag sowie alle weiteren Leistungen.

Mit Kunden vereinbarte Termine müssten nicht abgesagt werden. Es entstünden weder finanzielle Nachteile, noch würden in diesem Zusammenhang Sanktionen erhoben. Auch zuvor gesetzte Fristen seien ausgesetzt. »Es ist auch für uns eine herausfordernde Situation« sagt Paul. Dieser Aussage stimmen Kupka und Breitsprecher sofort zu. Wie besonders die Situation in der Friedberger Arbeitsagentur ist, fällt Kupka auf, als er den Schreiber dieses Berichts ins Erdgeschoss begleitet. »Es ist schon anders. Alles ist so ruhig hier. Das kennen wir so nicht.«

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