Gegen den totalen Einkauf

Der moderne Mensch, bar jeder Selbstbestimmung, als von Neid und unersättlicher Gier getriebener Knecht eines totalitären, faschistoiden Konsumismus – es war ein äußerst düster gezeichnetes Bild in dem Spiegel zu sehen, den Prof. Marianne Gronemeyer am Mittwochabend ihren zahlreichen Zuhörern im Hörsaal 19 der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Friedberg vorhielt. Nur wer sich zu der Erkenntnis durchringe, dass "genug genug ist", könne sich aus den Zwängen der unerbittlichen Überflussgesellschaft befreien. So lautete die These der Erziehungswissenschaftlerin in ihrem Vortrag über "Die Macht der Bedürfnisse – Überfluss und Knappheit".

Von DOE

Der moderne Mensch, bar jeder Selbstbestimmung, als von Neid und unersättlicher Gier getriebener Knecht eines totalitären, faschistoiden Konsumismus – es war ein äußerst düster gezeichnetes Bild in dem Spiegel zu sehen, den Prof. Marianne Gronemeyer am Mittwochabend ihren zahlreichen Zuhörern im Hörsaal 19 der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Friedberg vorhielt. Nur wer sich zu der Erkenntnis durchringe, dass "genug genug ist", könne sich aus den Zwängen der unerbittlichen Überflussgesellschaft befreien. So lautete die These der Erziehungswissenschaftlerin in ihrem Vortrag über "Die Macht der Bedürfnisse – Überfluss und Knappheit".

Eingeladen hatten Gruppierungen, die selbst bereits seit unterschiedlich langer Zeit, aber gleichermaßen engagiert an der Entwicklung hin zu einer solidarischen, ökologischen und selbst organisierten Gesellschaft arbeiten: das Team des Umsonstladens Friedberg gemeinsam mit dem NABU (Umweltwerkstatt Wetterau), dem Weltladen Bad Nauheim, dem Verein "Bad Nauheim fair wandeln" und dem Evangelischen Dekanat Wetterau. Die THM stellte – ihrem Selbstverständnis als offene Einrichtung folgend – den Raum kostenfrei zur Verfügung. Mitveranstalter Andreas Arnold, Poetry Slammer und Blogger, stimmte die Gäste mit einer dichterischen Betrachtung über Windkraft in der Wetterau ein.

Der Umsonstladen, dem sie im Vorfeld des Vortrags einen Besuch abgestattet habe, sei eine großartige Idee und hervorragend umgesetzt, lobte Gronemeyer, bevor sie in drastischen, teilweise geradezu ätzenden Worten Wirkungsweise und Konsequenzen der globalisierten Wirtschaft sezierte, begutachtete und verwarf. Das Wesen des "Konsumismus", des auf stetes Wachstum programmierten Konsums, geißelte sie als Inkarnation modernen Machtstrebens. Wahre Mächtige auf dieser Erde seien neben den 62 Reichsten die ungezählten Experten, die Standards von realen und angeblichen Bedürfnissen definierten und damit die alte Forderung nach Gleichheit aller Menschen pervertierten. "Alle müssen bedürftig werden, denn nur wer bedürftig ist, ist beherrschbar", sagte Gronemeyer. Dem nur vermeintlich freien Menschen blieben in der modernen Konsumgesellschaft nur zwei Existenzformen: die des Produzenten (während der Arbeitszeit) und die des Konsumenten (in der Freizeit) – vorausgesetzt, dass er seine freie Zeit nicht mit "Schattenarbeit" verbringen müsse, worunter die Referentin den Transport von Kindern zu ihren "Förderungs- und Freizeitmaßnahmen" ebenso zählte, wie die stundenlangen Pendlerfahrten zum Arbeitsplatz oder das Schlange stehen.

Mit dem Wortspiel, der Bedürftige sei ein "kriegender" Mensch: ein Mensch also, der zur Bedürfnisbefriedigung etwas erhält, aber auch für seine Bedürfnisbefriedigung gnadenlos kämpft, leitete Gronemeyer über zu einer anderen These. Derzufolge trägt in der modernen Gesellschaft nicht nur der Konsum als "erlösendes" Element quasi pseudoreligiöse Züge, sondern es würden zudem die ehemaligen Todsünden Neid, Habgier, Ungerechtigkeit, Dummheit, Zorn, Trägheit und Unglaube zu Tugenden umgemünzt.

Das Zitat von Wolfgang Menges "Der Mensch kauft, was er nicht braucht, mit dem Geld, das er nicht hat, um den Nachbarn zu beeindrucken, den er nicht mag", stellte Gronemeyer ihrer Aufforderung zum Umdenken voran. Bei diesem Umdenken gehe es darum, die kleinliche, egozentrische Vorsorge durch großzügige Fürsorge für den Nächsten zu ersetzen. Und darum, sich vom Diktat des Konsums zu befreien, indem man sich auf das eigene Tun rückbesinne. Gronemeyer sprach die eigene Kraft und die selbstbestimmte, individuelle Antwort an: "Genug ist genug". (Foto: doe)

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